Lauterbach bekräftigt Notwendigkeit der Bürgerversicherung

Sorge über Kassensterben unbegründet

Lauterbach bekräftigt Notwendigkeit der Bürgerversicherung

Beamte, Selbstständige, Studenten und Freiberufler können sich ohne weitere Voraussetzungen privat versichern. Angestellte, die Privatpatienten werden wollen, müssen ein Bruttojahreseinkommen oberhalb der sogenannten Versicherungspflichtgrenze vorweisen. Nur wer als Angestellter gut verdient, kann sich also privat versichern. Für alle anderen heißt es: Bitte draußen bleiben! Mittelbayerische Zeitung

Die private Krankenversicherung argumentiert zudem, dass sie den gesetzlichen Zweig dank der höheren Arzthonorare subventioniert. Aber was nützt es einem Allgemeinmediziner in Mecklenburg-Vorpommern, wenn sich der Orthopädie am Starnberger See dank vieler Privatpatienten eine goldene Nase verdient? Nichts. Doch das Ende der Zweiteilung kann unumkehrbar eingeleitet werden. Dreh und Angelpunkt sind die Honorare. Macht es für einen Arzt finanziell keinen Unterschied mehr, ob er einen Privat- oder einen Kassenpatienten behandelt, gibt es auch keine „Zwei-Klassen-Medizin“ mehr. Wenn man das Geld fairer zwischen Fach- und Hausärzten sowie Stadt und Land verteilt, bleiben die Kosten überschaubar und es gibt bei den Medizinern mehr Gewinner als Verlierer. Mitteldeutsche Zeitung

Nach Ansicht des Gesundheitsexperten der SPD, Karl Lauterbach, muss die Bürgerversicherung zum Prüfstein für eine künftige Bundesregierung werden. „Die Bürgerversicherung muss kommen“, sagte Lauterbach der „Saarbrücker Zeitung“. „Dafür setzen wir uns auch bei möglichen Gesprächen mit der Union über einer Regierungsbildung ein.“

Auch von den gesetzlichen Kassen verlangte der SPD-Politiker mehr Engagement für die Einführung der Bürgerversicherung. „Denn es sind ihre Versicherten, die unter der Zwei-Klassen-Medizin leiden“, so Lauterbach.

Zugleich wies Lauterbach Prognosen von Barmer-Chef Christoph Straub zurück, wonach mehrere Krankenkassen wegen wirtschaftlicher Probleme in naher Zukunft vor dem Aus stünden. „Angesichts der derzeit guten konjunkturellen Lage und der Tatsache, dass wir deshalb den Beitragssatz im kommenden Jahr sogar absenken, halte ich das für unvorstellbar“, sagte Lauterbach. Herrn Straub gehe es wohl in erster Linie darum, für die Barmer mehr Geld aus dem sogenannten Risikostrukturausgleich zu bekommen, sagte Lauterbach. Saarbrücker Zeitung

Duales Krankenversicherungssystem aus GKV und PKV stärken – Bürgerversicherung verhindern

Die Mitgliederversammlung des Verbandes Freier Berufe im Lande Nordrhein-Westfalen e. V. (VFB NW) hat einstimmig eine Resolution zur Stärkung des dualen Krankenversicherungssystems verabschiedet. Darin werden NRW-Landesregierung und -Landesparlament aufgefordert, sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für den Erhalt des bestehenden Systems aus Gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) und Privater Krankenversicherung (PKV) einzusetzen, damit die frei- und heilberufliche flächendeckende Versorgung für die Menschen in NRW auf hohem Niveau sichergestellt werden kann. Weiter spricht sich der VFB NW gegen die Einführung einer Bürgerversicherung aus. Stattdessen sollten sowohl GKV als auch PKV so weiterentwickelt werden, dass das hohe Niveau der Gesundheitsversorgung in Deutschland erhalten bleibt.

In der Begründung heißt es:

„Für ein hochkomplexes Gesundheitssystem kann es keine einfachen Lösungsmodelle wie eine Bürgerversicherung geben. Denn ein Einheitssystem wird innovationsträge, weil der Wettbewerb fehlt. Neue Behandlungsmethoden und innovative Medizinprodukte werden in Deutschland über die PKV anschubfinanziert. Damit wirkt sie als Impulsgeber für die GKV. Der internationale Vergleich zeigt: In Ländern mit einheitlichen Krankenversicherungssystemen wie zum Beispiel in Großbritannien kommt es zur Rationierung von medizinischen Leistungen. Als Reaktion entstehen exklusive private Versorgungsstrukturen für Besserverdiener. Wie in den Niederlanden und Großbritannien drohen Rationierung, Wartezeiten und Begrenzungen der Leistungskataloge. Der Zugang zur Spitzenmedizin erfolgt als Selbstzahler oder durch Zusatzversicherungen. Der Weg in die Zwei-Klassen-Medizin wäre damit geebnet.“

Die Freien Berufe in NRW: Kennzahlen und Verbandsprofil: In NRW gibt es 274.000 selbstständige Freiberufler. Sie beschäftigen in ihren Apotheken, Büros, Kanzleien und Praxen 730.500 Erwerbstätige. Darunter fallen unter anderem 636.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 30.000 Auszubildende. Der VFB NW vertritt als Dachorganisation 37 Kammern und Verbände der Freien Berufe in NRW. Verband Freier Berufe im Lande Nordrhein-Westfalen e. V.

Ende der Bürgerversicherungs-Debatte ganz oben auf der Wunschliste

Pessimistisch wäre wohl noch untertrieben – die niedergelassenen Ärzte in Deutschland sehen die Zukunft derzeit rabenschwarz. Das Jahr 2018 bringt negative Veränderungen für den eigenen Berufsstand, fürchtet laut aktueller Umfrage der Großteil der Mediziner: 69 Prozent der Umfrageteilnehmer prophezeien, dass das neue Jahr für die Ärzteschaft auch neue Probleme bringt.

Lediglich drei Prozent der Niedergelassenen erwarten positive Veränderungen, 28 Prozent erwarten ein durchschnittliches Jahr ohne besondere Höhen und Tiefen für die Ärzteschaft. Dies ist das Ergebnis der Online-Befragung des Ärztenachrichtendienstes (änd) in Hamburg, an der sich vom 12. bis zum 20. Dezember 2017 insgesamt 1.349 niedergelassene Haus- und Fachärzte aus dem gesamten Bundesgebiet beteiligt hatten.

Unter anderem die Debatte über die Bürgerversicherung oder die Einheitsgebührenordnung scheint dabei das Vertrauen in die Politik weiter beschädigt zu haben: Nur zwei Prozent der befragten Ärzte gaben an, dass sie der nächsten Bundesregierung eine Gesundheitspolitik zutrauen, die Verbesserungen für den eigenen Berufsstand bringt. 37 Prozent erwarten dagegen ein Verharren auf dem Status quo. Die Mehrheit von 60 Prozent geht jedoch davon aus, dass sich die Lage verschlimmern wird.

Die düstere Prognose setzt sich auch bei der Frage nach der eigenen wirtschaftlichen Situation im kommenden Jahr fort: Erstmals in einer änd-Umfrage zum Jahresende erwartet die Mehrheit der Befragten Ärzte (51 Prozent) eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation der eigenen Praxis. 42 Prozent gehen dagegen von einer praktisch unveränderten Lage aus, sieben Prozent glauben an eine Verbesserung.

Die Ärzte waren auch aufgerufen, eine Einschätzung zur eigenen Arbeitsbelastung im Jahr 2018 abzugeben. 46 Prozent der Niedergelassenen erwarten eine gleichbleibende Arbeitsbelastung, immerhin 40 Prozent befürchten spürbare Mehrarbeit. Lediglich 14 Prozent gaben an, die Arbeitsbelastung im nächsten Jahr voraussichtlich reduzieren zu können.

Die per Freitext abgefragten beruflichen Wünsche für das neue Jahr zeigen einmal mehr die Gründe für den Pessimismus: „Weniger Regulierungswut seitens der Behörden“, erhoffen sich die Ärzte dort – oder „mehr Zeit für den einzelne Patienten und für Fortbildungen“. Neben dem Abbau der Bürokratie und höherer Wertschätzung der in der ambulanten Versorgung geleisteten Arbeit, steht auch die „faire Bezahlung der Behandlung von gesetzlich Versicherten“ ganz oben auf der Wunschliste. Besonders häufig diesmal: „Es darf keine Bürgerversicherung geben!“. änd Ärztenachrichtendienst Verlags-AG

DasParlament

2 Kommentare "Lauterbach bekräftigt Notwendigkeit der Bürgerversicherung"

  1. torolf   Mittwoch, 10. Januar 2018, 11:19 at 11:19

    Das System der gesetzlichen Krankenversicherung funktioniert offenbar nicht zur Zufriedenheit der SPD. Gerade einmal 8 % der Bevölkerung sind privat krankenversichert. Diese 8 % sollen schuld am Elend der gesetzlichen KV sein. Diese 8 % sorgen nach Auffassung der SPD für lange Wartezeiten der gesetzlich Versicherten. Kommentar überflüssig. Wenn die private KV abgeschafft wird, fehlt im Gesundheitssystem horrend viel Geld, das dann von Allen, vor allem von der gesetzlich Versicherten kompensiert werden muss.
    Das Motiv der SPD ist immer noch Neidhammelei. Man kann sich einen Dacia oder einen Mercedes kaufen, 1. und 2.Klasse Bahnfahren, bei Aldi oder Kaefer einkaufen. Wer mehr Geld ausgibt, erhält eine bessere Leistung. Das ist auch im Gesundheitswesen so. Was ist daran problematisch ?Das Notwendige erhält jeder.

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    • sukram   Mittwoch, 10. Januar 2018, 13:31 at 13:31

      Sehr guter Kommentar!
      Das Argument, dass mit einer Bürgerversicherung die „Zwei-Klassen-Medizin“ aufhört ist lächerlich. Jeder der es sich leisten kann, wird sich die fehlenden Leistungen erkaufen.

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