Lauterbach zweifelt an Personalaufwuchs in Gesundheitsämtern

Gesundheitsämter - Es geht um den Schutz aller Bürger

Lauterbach zweifelt an Personalaufwuchs in Gesundheitsämtern

Es ist höchste Zeit, die Gesundheitsämter als Konsequenz aus der Corona-Pandemie zu stärken und besser auszustatten, sie endlich auf digitales Neuland zu führen und für ausreichend Personal zu sorgen. Es ist richtig, dass sich der Bund daran mit Milliarden beteiligt, denn es geht um den Schutz aller Bürger. Es rächt sich, dass die Gesundheitsämter so lange vernachlässigt wurden. Dass die Politik das nun ändern will, ist zu begrüßen. Denn auch wenn Corona eines hoffentlich nicht mehr allzu fernen Tages überwunden ist: Der nächste Gesundheitsnotstand kommt bestimmt.¹

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat sich skeptisch geäußert, dass die 5000 neuen Stellen für die Gesundheitsämter bundesweit tatsächlich besetzt werden können. „Ich fürchte, dass bei den Gesundheitsämtern das gleiche passiert wie in der Pflege: Es werden zwar neue Stellen geschaffen, man kann sie aber nicht besetzen. Man wird einfach nicht genug Ärzte finden, die für diese Bezahlung in den Gesundheitsämtern arbeiten.“ Lauterbach betonte, dass ein in einer Praxis angestellter Arzt mit einer Halbtagsstelle so viel verdiene wie ein Mediziner in einem Gesundheitsamt, der in Vollzeit arbeite. Den Ärzten in den Gesundheitsämtern müssten Zulagen gezahlt werden, bis ein neuer Tarifvertrag die Bezahlung insgesamt anhebe.

Seit gut einem halben Jahr steht die Gesellschaft im Bann der Pandemie. Mit dem Wissen von heute hätten die Verantwortlichen manche Entscheidung anders getroffen. Gesundheitsminister Jens Spahn hatte im April gesagt, „dass wir miteinander wahrscheinlich viel werden verzeihen müssen in ein paar Monaten“. Diese Zeit ist längst gekommen. Aber noch drängender ist die Frage, wie es weitergeht. Die Angst vor einer zweiten Welle darf Deutschland nicht in eine Schockstarre führen.

Die Infektionszahlen, bisher wichtigster Indikator für den Umgang von Politik und Verwaltung mit der Pandemie, haben an Relevanz eingebüßt. Wesentlich für die Beurteilung muss jetzt sein, wie viele Menschen intensivmedizinisch behandelt werden müssen und wie viele sterben. Beide Indikatoren haben sich auf niedrigem Niveau eingependelt. In NRW mit seinen 18 Millionen Einwohnern liegen derzeit rund 80 Covid-Erkrankte auf einer der Intensivstationen des Landes. In den vergangenen sieben Tagen sind hier zehn Menschen an oder mit dem Corona-Virus gestorben.

Keine Frage, jeder Tote ist einer zu viel. Auch dürfte es im Herbst und Winter wieder schwieriger werden. Und das Präventions-Paradoxon gilt weiterhin: Die Zahlen belegen nicht, dass es die Pandemie nicht gibt, sondern dass die Hygiene- und Abstandsregeln funktionieren. Die Lage ist weniger schlimm als anderswo, weil die allermeisten sich gefügt haben.

Trotzdem gilt es jetzt, behutsam Lockerungen auszuprobieren und im Zweifel wieder zurückzunehmen, wenn es not tut. Der als Flickenteppich gescholtene Föderalismus hilft hier, das richtige Maß zu finden, denn in NRW ist die Lage anders als in Bayern, und manche ostdeutsche Region ist von der Pandemie nicht betroffen. Auf die angemessene Rigorosität der ersten Monate muss nun mehr Flexibilität folgen.²

¹Straubinger Tagblatt ²Moritz Döbler – Rheinische Post

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