Mehrheit der Deutschen fordert grundlegende Verbesserungen in der Pflege

Fachkräftemangel: Umfrage zeigt große Herausforderungen bei der Stellenbesetzung

Mehrheit der Deutschen fordert grundlegende Verbesserungen in der Pflege

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) macht Ernst. Nachdem Kliniken und Krankenkassen keine freiwillige Einigung auf Mindeststandards beim Pflegepersonal zustande gebracht haben, wird es nun gesetzliche Vorgaben geben. Einrichtungen, die diesen Schlüssel unterschreiten, droht der Minister mit Bettenabbau. Das erscheint nur konsequent. Allein: Die gesetzlichen Vorgaben gelten eben nicht universell, sondern nur für besonders definierte Bereiche wie etwa Unfallchirurgie oder Geriatrie.

Auf vielen anderen Stationen wird sich also vorerst herzlich wenig ändern – und selbst in den beiden genannten Bereichen sind künftig tagsüber zehn und nachts 20 Patienten je Pflegekraft zulässig. Kritiker geben zu bedenken, dass auch die neue Verordnung den tatsächlichen Pflegebedarf außer acht lässt. Zudem steigt der Kostendruck auf die Kliniken, die nun nach anderen Einsparungsmöglichkeiten suchen werden. Immerhin: Spahn hat einen Schritt in die richtige Richtung getan. Zur Lösung der Pflegemisere sind aber noch erhebliche weitere Anstrengungen notwendig.¹

Die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger sieht in der deutschen Pflegebranche hohen Optimierungsbedarf. Insbesondere bei der Ausbildung und Bezahlung von Pflegekräften wünschen sich vier von fünf Deutschen Verbesserungen zu Gunsten der Arbeitnehmer. Doch auch die Politik steht in der Pflicht: Knapp zwei Drittel der Befragten fordern eine Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen und Gesetzgebungen. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt die repräsentative Befragung zur Pflegesituation in Deutschland im Auftrag von STEGdoc/STEGmed, Spezialmarken des Personaldienstleisters Experis.

Auch in der Qualität der Betreuung in den Pflegeheimen sowie der finanziellen Unterstützung von Angehörigen, die häusliche Pflege leisten, sieht eine große Mehrheit der Befragten Defizite, die es zu verbessern gilt. „Die Mehrheit in der Bevölkerung verlangt eine Reform des Pflegesystems“, sagt Dr. Peter Kilian, Geschäftsführer bei Stegdoc/Stegmed. Erste Lösungsansätze gäbe es bereits: „Unsere Studie zeigt, dass die Politik nun gefordert ist, Verbesserungen einzuleiten. Die Bemühungen der Bundesregierung mit der ‚Aktion Pflege‘ gehen bereits in die richtige Richtung.“

Personaldienstleister können Versorgungslücken schließen

Viele Pflegekräfte arbeiten hierzulande an der Belastungsgrenze. Kurzfristige Personalengpässe aufgrund von Krankheitsfällen können gerade in den kommenden Wintermonaten vermehrt auftreten. Um in diesen Situationen schnell und flexibel reagieren zu können, sollten Krankenhäuser und Pflegedienste verstärkt auf Personalvermittlungen zurückgreifen. Dieser Meinung sind 41 Prozent der Bundesbürger. Durch Einsätze in unterschiedlichen Einrichtungen sehen vier von zehn Befragten insbesondere für junge Pflegekräfte gute Entwicklungsmöglichkeiten. Darüber hinaus glauben 37 Prozent der Deutschen, dass Personaldienstleister durch Flexibilität dazu beitragen können, den Fachkräftemangel in der Pflege zu entspannen.

Doch die Situation ist nicht nur für Pflegekräfte belastend. 82 Prozent der Befragten befürchten, dass auch die festangestellten Ärzte diese Belastung vielerorts nicht mehr ertragen können. Knapp drei Viertel sind daher der Meinung, dass Honorarärzte benötigt werden, um ihre festangestellten Kollegen zu entlasten. So könnten auch Versorgungslücken geschlossen werden, sagen mehr als zwei Drittel der Deutschen. „Personaldienstleister garantieren hohe Flexibilität und können kurzfristige Engpässe auffangen“, sagt Killian und fügt hinzu: „Demnach ist es völlig kontraproduktiv, wenn Gesundheitsminister Jens Spahn weniger Leiharbeit in der Pflege fordert.“²

¹Westfalen-Blatt ²Faktenkontor GmbH – ManpowerGroup Deutschland GmbH

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.