Montgomery: Impfung der Bevölkerung dauert Jahre

Weltärzte-Präsident Montgomery: Neuer Lockdown bei 20.000 Infektionen

Montgomery: Impfung der Bevölkerung dauert Jahre

Welt-Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery erwartet, dass eine Impfung der Bevölkerung gegen das Coronavirus Jahre dauert. „Die Impfung ist kein Allheilmittel. Die Weltgesundheitsorganisation rechnet mit einem Impfstoff Mitte 2021. Doch bis die gesamte Bevölkerung geimpft ist, wird es zwei, drei Jahre dauern“, sagte Montgomery der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Denn: „Für eine Impfung aller auf einen Schlag gibt es weder genug Dosen noch genug Personal.“

Das bedeutet laut Montgomery: „Wir müssen noch über Jahre mit dem Virus leben und damit umgehen: Abstand halten, Hände waschen, Masken tragen.“
Daher werde es auch 2021 keinen normalen Sommerurlaub geben: „Das Virus bleibt ein Thema für die nächsten Jahre. Auch 2021 werden wir keinen Sommerurlaub wie früher haben. Auch Touristen müssen mit dem Virus leben.“

Welt-Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hält einen neuen Lockdown für nötig, wenn die Zahl der Neu-Infektionen auf 20.000 am Tag ansteigt. „Bei 20.000 Neuinfektionen am Tag gerät die Lage außer Kontrolle. Dann wäre es für Gesundheitsämter nicht mehr möglich, die Infektionsketten nachzuverfolgen und zu unterbrechen. Dann droht uns ein zweiter Lockdown, weil sich das Virus anders nicht mehr bremsen lässt“, sagte Montgomery.

Schon jetzt müsse es lokale Lockdowns nach dem Vorbild von Berchtesgaden geben: „Bei lokalen Ausbrüchen müssen wir konsequent reagieren. Darum ist es genau richtig, dass der Landkreis Berchtesgaden einen lokalen Lockdown verhängt hat. So sollten bundesweit alle Orte mit solchen Inzidenzwerten reagieren“, so Montgomery.

Der Ärztepräsident forderte zudem eine Ausweitung der Maskenpflicht: „Eine bundesweite Maskenpflicht für alle Schulen, etwa ab Klasse drei, kann helfen, Schulschließungen zu verhindern.“ Und er forderte, mehr Bundeswehr einzusetzen: „Viel testen hilft, Infektionsketten zu stoppen. Der Sanitätsdienst der Bundeswehr könnte noch viel stärker in Testzentren eingesetzt werden.“¹

Gefahr eines blinden Corona-Aktionismus

Es ist erschreckend, dass die Anzahl der registrierten neuen Corona-Infektionen erstmals die Marke von 10.000 überschritten hat. Vor allem der erneut starke Anstieg bietet natürlich Anlass zur Sorge. Aber man darf sich auch nicht panisch machen lassen: Die hohen Zahlen sind ein klarer Beleg dafür, dass die Teststrategie weit besser funktioniert als im Frühjahr. Im April lag die Zahl der schweren Covid-19-Fälle dreimal so hoch wie heute – bei deutlich weniger entdeckten Infektionen.

Auch was die – zu unterbrechenden – Infektionswege und die Wirksamkeit von Maßnahmen angeht, weiß man heute deutlich mehr. Damals waren wir mit einer völlig unbekannten Gefahr konfrontiert, weshalb Maximalmaßnahmen wie der Lockdown nachvollziehbar waren. Heute geht es um zielgenaues Reagieren und den besseren Schutz von besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Das Problem ist, dass die Politik, die die vergangenen Monate verbummelt hat, nun wieder in blinden Aktionismus verfällt. Wirklich übel ist, dass die versprochene Stärkung des Gesundheitssektors samt seiner Beschäftigten ausgeblieben ist. Viele kommunale Gesundheitsämter können die extrem wichtige Aufgabe der raschen Kontaktverfolgung wegen der Masse der Fälle kaum noch leisten.

Da wir heute viel mehr über Corona wissen, darf es auch nicht erneut dazu kommen, dass die Exekutive an Parlamenten vorbei durchregiert und dabei auch noch diejenigen den Ton angeben, die ständig neue, härtere Maßnahmen verlangen. Wir befinden uns schon in der grotesken Situation, dass die Politik Maßnahmen wie die Maskenpflicht in Fußgängerzonen beschließt, die selbst in der Ärzteschaft als überzogen kritisiert werden. Panik ist eben auch in der Pandemie ein schlechter Ratgeber.²

¹Rheinische Post ²nd.DerTag / nd.DieWoche

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