Nordrheins Ärztepräsident rechnet mit Verdopplung der Intensivpatienten bis Ende November

Lage auf den Intensivstationen

Nordrheins Ärztepräsident rechnet mit Verdopplung der Intensivpatienten bis Ende November

Die Corona-Pandemie bietet eine Gewissheit: dass sich Dinge ständig ändern. Und wenn man nicht aufpasst, meist zum Schlechteren hin. Waren es im Sommer vor allem die Jüngeren, die sich mit Sars-CoV-2 angesteckt haben, nehmen jetzt auch wieder die Infektionen bei den Älteren zu. Und das ist fatal. Denn während die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Normal- und Intensivstationen derzeit eh schon auf einem relativ hohen Niveau ist und ganz von alleine in den nächsten Tagen weiter steigen wird, rollt im Hintergrund die nächste Welle mit Schwerkranken heran. Und zwar in einer Altersgruppe, bei der mit einer deutlichen Erhöhung auch der Todesfallzahlen zu rechnen ist.

Es ist also schlicht unmöglich, diese Pandemie nicht ernst zu nehmen. Doch viele Menschen wollen dies nicht mehr hören. Sie sind der Einschränkungen müde, der Warnungen und Mahnungen – und auch der wechselnden Gewissheiten, an denen man sich manchmal nur wenige Wochen festhalten kann. Trotzdem bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die erneute Verschärfung der Situation einzustellen. Indem alle mithelfen, auch die zweite Welle zu brechen, indem sie Abstand halten, Masken tragen und – auch wenn es schwer fällt – auf soziale Kontakte verzichten. Dem Virus ist es egal, was wir von ihm denken oder ob wir es ernst nehmen. Es wird sich weiter verbreiten, wenn es nur die Gelegenheit hat. Dass es auf den Intensivstationen eng wird, wird sich nicht mehr vermeiden lassen. Den Kollaps der Krankenversorgung müssen wir jedoch vermeiden. Auch wenn es ein weiterer Kraftakt ist.¹

Der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, rechnet damit, dass Intensivstationen einen massiven Anstieg der Patientenzahlen erleben werden, der das System auf die Probe stellt. Henke sagte der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Montag): „Noch in diesem Monat dürften sich die Belegungszahlen bundesweit von mehr als 3000 auf über 6000 verdoppeln.“ Für NRW rechnet er damit, dass die Zahl der Intensivpatienten bis Monatsende auf mehr als 1500 steigen werde.

Auf die Frage, ob die von Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) verlangte vorhandene Reserve in den Krankenhäusern ausreiche, sagte Henke: „Wenn es die denn überall gäbe. Wir werden noch einmal neu über dieses Thema reden müssen, weil nur ein Teil der Krankenhäuser diese Kapazitäten tatsächlich freihält. Ganz viele Kolleginnen und Kollegen schildern mir, dass auf den Intensivstationen und den Normalstationen Vollbetrieb herrscht und nur wenig gezielt freigehalten wird.“ Da müsse man mit Ausgleichszahlungen nachsteuern.

Den Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), im Notfall auch erkranktes Personal unter Schutzvorkehrungen einzusetzen, lehnte er ab: „Wenn wir Infizierte zur Arbeit heranziehen, werden viele Beschäftigte im Gesundheitssystem hinwerfen, weil sie sich schlicht dem dann massiv gestiegenen Risiko nicht mehr aussetzen wollen.“ Die Äußerungen des Ministers wiesen aber auf ein Problem hin: „Mit der Quarantäne im sensiblen Krankenhausbereich wird so konsequent umgegangen, dass wir schon bei einer Infektion im Team sehr viele Kontaktpersonen gleich in Quarantäne schicken. So etwas lässt ein System kollabieren“, sagte Henke.²

¹Allgemeine Zeitung Mainz ²Rheinische Post

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