NRW will Impfpflicht für Kindergarten-Kinder

Die Masern sind zurück - Wie sieht es mit dem Impfschutz aus?

NRW will Impfpflicht für Kindergarten-Kinder

Über ein Dutzend neue Masernfälle in der Südpfalz machen vielen Menschen Sorgen. Betroffen sind davon ausschließlich Erwachsene. Das Landesuntersuchungsamt spricht von einer Epidemie. Wie gefährlich sind die sogenannten Kinderkrankheiten wie Masern oder auch Keuchhusten?

Die WHO warnt, die Ablehnung von Impfungen gehöre zu den größten globalen Gefahren. Führende Bundespolitiker wie Gesundheitsminister Jens Spahn und Familienministerin Giffey fordern deshalb eine Impfpflicht insbesondere an Kitas und Schulen.¹

Nach Brandenburg bereitet auch Nordrhein-Westfalen eine generelle Impfpflicht gegen Masern für Kinder in Kindergärten vor. Kinder- und Familienminister Joachim Stamp (FDP) sagte der Düsseldorfer „Rheinischen Post“: „Ich bin für eine generelle Impfpflicht – das gilt auch für Kindergärten. Wie wir das dort umsetzen, werden wir prüfen.“ Sein Kabinettskollege, Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), unterstützte Stamp. Laumann sagte der Zeitung: „Ich bin für eine Impfpflicht.“ Er habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) „ausdrücklich meine Unterstützung für seine Prüfung zugesichert, wie diese umgesetzt werden kann“. Seit Jahresanfang wurden in NRW bereits fast 100 Masernfälle gezählt.²

„Impfpflicht für Masern darf kein Tabu sein“

Angesichts der aktuellen Zunahme von Masernerkrankungen spricht sich Sozialminister Manne Lucha (Baden-Würtemberg) für eine Impfplicht aus.

„Ich persönlich denke, dass eine Impfpflicht für Masern kein Tabu sein darf. Grundsätzlich ist es natürlich immer besser, auf Zwang und Sanktionen zu verzichten und auf eine gute Beratung und Appelle zu setzen. Aber die aktuelle Zunahme der Masernerkrankungen und die permanente Unterschreitung der empfohlenen Impfquote von 95 Prozent für die zweite Masernimpfung auch bei uns im Land zeigen, dass Impf-Appelle und Aufklärung allein nicht genügen. Allein in Baden-Württemberg wurden in diesem Jahr bereits 45 Masernfälle gemeldet, im selben Zeitraum im vergangenen Jahr waren es nur 14 Fälle. Aufgrund des schweren Verlaufs der Krankheit mit dem Risiko lebensbedrohlicher Komplikationen und zum Schutz der Gesundheit von Säuglingen, deren Immunsystem noch keinen Impfschutz entwickeln kann, aber auch älterer Kinder und Erwachsenen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können, halte ich es für wichtig, die Diskussion um eine Impflicht nun ernsthaft zu führen“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha.

Masern sind hochansteckend und potentiell lebensbedrohlich
Masern sind gekennzeichnet durch eine sehr hohe Ansteckungsfähigkeit von nahezu 100 Prozent. Die Ansteckung führt fast immer zum Ausbruch der Erkrankung, das heißt der Manifestationsindex liegt ebenfalls bei nahezu 100 Prozent. Andere Infektionskrankheiten liegen deutlich unter diesen Werten, so kommt es beispielsweise bei Influenza nur bei circa 30 Prozent der Infizierten zum Ausbruch der Erkrankung.

Zusätzlich ist die Durchführung der Masernimpfung erst ab dem Alter von etwa einem Jahr sinnvoll, da das Immunsystem kleinere Kinder aufgrund seiner Unreife nur einen ungenügenden Impfschutz aufbauen kann. Dies gilt zwar auch für andere Erkrankungen wie Mumps und Röteln, deren Komplikationsrate und Spätwirkungen sind jedoch weniger gravierend. Vor diesem Hintergrund gibt es derzeit keine Infektionskrankheit, bei der sich die Sachlage bezüglich einer Impfpflicht ähnlich darstellt wie bei Masern.

Bei der Diskussion um die Impfpflicht bei Masern ist jedoch zu berücksichtigen, dass damit – zumindest bei dem derzeitigen Angebot an Impfstoffen – indirekt auch eine Impfpflicht für Mumps und Röteln verbunden wäre, da ein Monoimpfstoff für Masern auf dem Markt nicht verfügbar ist.³

¹SWR Fernsehen ²Rheinische Post ³Staatsministerium Baden-Württemberg

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