Özdemir: Plastikpartikel in menschlichen Stuhlproben ein Warnsignal

Grünen-Politiker: "Wir sind die Vandalen der Neuzeit" - Kritik an fragwürdigen Regeln beim Einweg-Pfand

Özdemir: Plastikpartikel in menschlichen Stuhlproben ein Warnsignal

Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir hat den Nachweis von Plastikpartikeln auch im menschlichen Stuhl als „Warnsignal“ bezeichnet. „Es wird höchste Zeit, dass dieses lang verschleppte Thema Mikroplastik und die Plastikflut insgesamt endlich angepackt wird“, sagte Özdemir der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er betonte: „Wir sind die Vandalen der Neuzeit. Das muss sich ändern.“ Er plädierte für ein sofortiges Verbot von Mikroplastik in Kosmetika und für strenge Grenzwerte bei Plastikpartikel im Kompost. Zuvor war bekannt geworden, dass österreichische Forscher winzige Plastikpartikel nun auch in menschlichen Stuhlproben gefunden haben – und zwar bei Probanden weltweit.

„Das Seepferdchen, das ein Plastikstäbchen umklammert, ist ein Horrorbild. Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen“, mahnte der Grünen-Politiker. Es sei ein „unerträglicher Gedanke“, dass die gegenwärtige Generation eine Müllflut hinterlasse. Deutschland müsse eine Vorreiterrolle übernehmen und sich für eine internationale Plastikkonvention einsetzen. Der Plastikeintrag in die Meere sollte schnellstmöglich gestoppt werden, spätestens aber bis 2030, sagte Özdemir. „Plastik-Strohhalme zu ersetzen, ist doch nun wirklich kein Verlust an Lebensqualität“, betonte er.

„Kunststoffpreise müssen die ökologische Wahrheit erzählen“, erklärt Özdemir. Er forderte ferner „klare Ziele“ für die Vermeidung von Verpackungsmüll in Deutschland. Das Pfandsystem müsse beispielsweise auf PET-Einwegflaschen ausgeweitet werden. „Derzeit herrscht Chaos“, kritisierte Özdemir die „fragwürdigen und nicht nachvollziehbaren Regeln“ beim Einweg-Pfand. „Die fatale Folge ist: Der Mehrweganteil liegt derzeit bei nur 43 Prozent statt bei 70 Prozent, wie es Verpackungsgesetzes vorsieht“, erklärte der Grünen-Politiker.¹

Trinkwasser: Europäisches Parlament für bessere Qualität und weniger Plastikmüll

Maßnahmen für bessere Trinkwasserqualität und weniger Schadstoffe Verbesserung des Zugangs zu Leitungswasser an öffentlichen Plätzen und in Restaurants EU-Staaten sollen allgemeinen Zugang zu Wasser fördern

Die EU-Abgeordneten haben am Dienstag, den 23.10. für Pläne gestimmt, das Vertrauen der Verbraucher in Leitungswasser zu stärken, das im Vergleich zu Tafelwasser viel billiger und umweltfreundlicher ist.

Der Gesetzesentwurf für eine Überarbeitung der Trinkwasser-Richtlinie reduziert die zulässigen Höchstwerte für bestimmte Schadstoffe wie Blei (um die Hälfte) und für gefährliche Bakterien. Außerdem sieht der Entwurf neue Obergrenzen für bestimmte hormonaktive Stoffe vor. Überwacht werden soll in Zukunft der Gehalt an Mikrokunststoffen, die ein zunehmendes Problem darstellen.

Zugang zu Wasser

Die Mitgliedstaaten sollten den allgemeinen Zugang zu sauberem Wasser in der Europäischen Union fördern und Zugang zu Wasser in Städten und öffentlichen Einrichtungen verbessern. Dies kann etwas durch frei zugängliche Trinkbrunnen geschehen, soweit dies technisch möglich und verhältnismäßig ist. Die Abgeordneten plädieren auch dafür, dass Leitungswasser kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr in Restaurants, Kantinen und von Catering-Dienstleistern bereitgestellt wird.

Recht auf Wasser (Right2Water)

Wie bereits in ihrer Entschließung zur Bürgerinitiative Right2Water fordern die Europaabgeordneten, dass sich die Mitgliedstaaten auf die Bedürfnisse benachteiligter Bevölkerungsgruppen konzentrieren. Vor allem Menschen ohne oder nur mit begrenztem Zugang zu Wasser sollten identifiziert und besser mit Wasser versorgt werden. Die EU-Mitgliedstaaten sollten diese Menschen besser über einen Anschluss an die Wasserversorgung informieren oder ihnen alternative Möglichkeiten bieten.

Zitat

Michel Dantin (EVP, FR), der für den Vorschlag federführend zuständige Abgeordnete im Europäischen Parlaments, sagte: „Die Zukunft der Menschheit hängt davon ab, wie wir mit Wasser umgehen. Es versteht sich, dass alle Zugang zu sauberem und qualitativ hochwertigem Wasser haben sollten, und wir alles tun müssen, um es für alle so erschwinglich wie möglich zu machen.“

Nächste Schritte

Der Bericht wurde mit 300 zu 98 Stimmen angenommen, bei 274 Enthaltungen. Das Parlament wird Verhandlungen über die endgültige Fassung des Gesetzes mit dem Rat aufnehmen, sobald die EU-Minister ihren eigenen Standpunkt zu diesem Thema festgelegt haben.

Hintergrund

Die überarbeitete Trinkwasserrichtlinie soll das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Wasserversorgung stärken und die Verwendung von Leitungswasser zum Trinken fördern. Das könnte auch Abfall und den Verbrauch von Plastik reduzieren.

Laut der Europäischen Kommission könnten Haushalte in der EU jährlich mehr als 600 Millionen Euro einsparen, wenn sie weniger abgefülltes Wasser verbrauchen. Verbessertes Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in ihr Leitungswasser reduziert die Menge der verbrauchten Plastikflaschen und der ins Meer eingetragenen Plastikabfälle. Kunststoffflaschen gehören zu den am häufigsten verwendeten Einwegartikel, die an europäischen Stränden angeschwemmt werden. Mit der Aktualisierung der Trinkwasserrichtlinie unternimmt die Kommission einen wichtigen legislativen Schritt zur Umsetzung der am 16. Januar 2018 vorgestellten EU-Plastikstrategie. ²

¹Neue Osnabrücker Zeitung ²Europäisches Parlament

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