Parkinson durch Pestizide: Experten prüfen Anerkennung als Berufskrankheit

100 Prozent der deutschen Rapsfelder werden mit Pestiziden behandelt

Parkinson durch Pestizide: Experten prüfen Anerkennung als Berufskrankheit

Der Einsatz von giftigen Pflanzenschutzmitteln in der deutschen Landwirtschaft ist weitaus intensiver als allgemein bekannt. Im Jahr 2017 wurden nach Angaben der Bundesregierung 100 Prozent der deutschen Rapsanbaufläche und 50 Prozent der Anbaufläche von Winterweizen mit Insektiziden behandelt. Das geht aus der Antwort der Regierung auf eine schriftliche Frage des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter hervor, die der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vorliegt. Demnach wurden Kartoffeln im Jahr 2017 durchschnittlich 9,8 Mal mit Pestiziden besprüht – und Äpfel sogar 20,8 Mal.

Die Regierung beruft sich auf Daten des zuständigen Julius-Kühn-Instituts des Bundes in Quedlinburg. „Der massive Gift-Einsatz auf Agrarflächen ist unverantwortlich, gerade auch angesichts des dramatischen Artensterbens“, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. „Die Bundesregierung muss einen Pestizid-Reduktionsplan auflegen, mit dem Ziel, binnen vier Jahren den Pestizideinsatz um 40 Prozent zu reduzieren. Glyphosat und Bienenkiller gehören endlich verboten“, forderte der Grünen-Politiker.¹

Haben Landwirte erhöhtes Risiko? In Frankreich seit 2012 anerkannt

Ein Sachverständigenbeirat der Bundesregierung prüft, ob Parkinson bei Landwirten künftig als Berufskrankheit anerkannt wird. Wie die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtet, hat das Expertengremium nun in einem ersten Schritt festgestellt, dass gewisse Stoffe oder Stoffkombinationen die Krankheit verursachen können. Es sei die „generelle Geeignetheit“ für eine neue Berufskrankheit beschlossen worden, bestätigte das Bundesarbeitsministerium. Um welche Pestizide es sich handelt, wollte das Ministerium indes nicht sagen.

In einem weiteren Schritt soll nun überprüft werden, ob Bauern aufgrund ihrer Arbeit mit Pflanzenschutzmitteln ein signifikant höheres Risiko haben, an Parkinson zu erkranken, als der Rest der Bevölkerung. „Aufgrund der.hohen wissenschaftlichen Anforderungen ist noch von einem längeren mehrjährigen Beratungszeitraum auszugehen“, hieß es dazu aus dem Ministerium. In Frankreich ist Parkinson bereits seit 2012 entsprechend anerkannt. Bislang gibt es in Deutschland 80 Berufskrankheiten, Parkinson wäre die 81. Erkrankung. Betroffene haben Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung.²

¹Rheinische Post ²Neue Osnabrücker Zeitung

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