Problemzone Prostata – Diabetes kann die Symptome verstärken

Bei Diabetes regelmäßig zur Krebsfrüherkennung gehen

Mit dem Alter vergrößert sich die Prostata. Schwacher Harnstrahl, Nachtröpfeln oder plötzlicher starker Harndrang können die Folge sein. Menschen mit Diabetes sind von solchen Problemen häufiger betroffen, vor allem, „wenn der Diabetes schlecht eingestellt ist“, erklärt der Urologe Dr. Holger Uhthoff aus Speyer im Apothekenmagazin „Diabetes Ratgeber“.

Problemzone Prostata – Diabetes kann die Symptome verstärken

„Kommen schlechte Zuckerwerte und eine vergrößerte Prostata zusammen, addieren sich die negativen Effekte.“ Manche Beschwerden lassen sich schon allein dadurch lindern, dass der Diabetes gut behandelt wird. Grundsätzlich gilt bei Prostata-Problemen: Stärkere und anhaltende Beschwerden sollte immer ein Facharzt für Urologie abklären. Er kann bewährte und gut wirksame Medikamente verschreiben. Bessern sich die Beschwerden trotz der Behandlung nicht, kann eine Operation helfen. Chirurgen nutzen dafür oft endoskopische Verfahren und zunehmend auch Lasertechniken. Sylvie Rüdinger – Wort & Bild Verlag – Diabetes Ratgeber

Bei Diabetes regelmäßig zur Krebsfrüherkennung gehen

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Darüber hinaus sind sie auch häufiger von anderen Krebsarten betroffen als die Allgemeinbevölkerung. Zwei Ursachen könnten möglicherweise Übergewicht und ein dauerhaft erhöhter Insulinspiegel im Blut sein. Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar 2016 empfiehlt diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe Menschen mit Typ-2-Diabetes regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen, vor allem bei einer Insulintherapie.

Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein 1,2-1,7fach erhöhtes Risiko für Brust-, Darm-, Harnblasen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das Risiko an Leberzellkrebs zu erkranken ist sogar mehr als doppelt so hoch wie bei Menschen ohne Diabetes. Auch das Erkrankungsrisiko für Tumoren an Niere, Schilddrüse und Speiseröhre ist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich erhöht. Auf der anderen Seite erkranken Männer mit Diabetes seltener an Prostatakrebs als stoffwechselgesunde.

„Bei Typ-2-Diabetes ist häufig aufgrund einer Insulinresistenz der Insulinspiegel über Jahre hinweg zu hoch“, erklärt Professor Dr. med. Thomas Haak, Vorstandsmitglied von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Chefarzt des Diabetes Zentrums Mergentheim in Bad Mergentheim. „Hohe Insulinspiegel können bestimmte Rezeptoren aktivieren, die die Zellteilung im Gewebe und so möglicherweise auch das Tumorwachstum fördern.“ Eindeutige Beweise für diese Thesen als mögliche Ursache für ein erhöhtes Krebsrisiko fehlen jedoch bislang. Inwiefern auch Menschen mit Typ-1-Diabetes ein erhöhtes Krebsrisiko haben, ist noch nicht klar.

Der Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes, Adipositas und Krebs ist hingegen nachgewiesen: Übergewichtige Menschen mit großem Bauchumfang haben sowohl ein erhöhtes Diabetes- als auch ein erhöhtes Krebsrisiko. Dagegen können sie selbst einiges mit einer Lebensstiloptimierung tun: „Wer abnimmt, sich regelmäßig bewegt und auf seine Ernährung mit viel Obst und Gemüse achtet, verbessert seinen Stoffwechsel und beugt damit auch der Entstehung von Krebs vor“, betont Professor Haak. Wichtig ist darüber hinaus auch, dass Menschen mit Diabetes die angebotenen Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung wahrnehmen.

Auf der Internetseite von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe finden Interessierte vielfältige und kostenlose Informationen zu Begleiterkrankungen und Risiken bei Diabetes Typ 1 und Typ 2, Checklisten und Tipps zu Bewegung und einer gesunden Ernährung. Deutsche Diabetes Hilfe

Erhöhtes Krebsrisiko für Typ-2-Diabetiker

Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum veröffentlichen die weltweit größte Studie zum kombinierten Risiko für Diabetes und Krebs. Typ-2-Diabetiker haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für 24 der untersuchten Krebsarten. Am deutlichsten ist der Effekt bei Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dagegen erkranken Diabetiker signifikant seltener an Prostatakrebs.

Krebs und Diabetes – liegen diesen beiden Erkrankungen dieselben Risikofaktoren zugrunde? Oder löst die Zuckerkrankheit Vorgänge im Körper aus, die die Krebsentstehung oder das Krebswachstum begünstigen? Noch ist nicht geklärt, warum Diabetiker häufiger an Krebs erkranken als Menschen, die nicht von dieser Stoffwechselerkrankung betroffen sind.

Um präzise zu erfassen, bei welchen Krebserkrankungen die Zuckerkrankheit eine Rolle spielt, führte Kari Hemminki im Deutschen Krebsforschungszentrum gemeinsam mit Kollegen in Schweden und den USA die bislang größte Studie zu Krebsrisiken bei Typ-2-Diabetikern durch. Die Untersuchung schloss 125.126 schwedische Bürger ein, die aufgrund von Typ-2-Diabetes-bedingten Beschwerden ein Krankenhaus aufgesucht hatten. Die Epidemiologen verglichen das Auftreten von Krebserkrankungen bei diesen Patienten mit dem in der schwedischen Allgemeinbevölkerung.

Die Größe der Studie erlaubte erstmals, auch Zusammenhänge zwischen Zuckerkrankheit und selteneren Krebsarten zu quantifizieren. Die Forscher entdeckten, dass Typ-2-Diabetiker ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für 24 der untersuchten Krebsarten haben. Die deutlichste Risikosteigerung wurde für Bauchspeicheldrüsenkrebs und Leberzellkrebs beobachtet: Typ-2-Diabetiker erkranken 6-mal bzw. 4,25-mal häufiger daran als die Allgemeinbevölkerung. Ein mehr als doppelt so hohes Erkrankungsrisiko beobachteten die Epidemiologen auch für Krebs der Nieren, Schilddrüse, Speiseröhre, des Dünndarms und des Nervensystems.

Die Studie bestätigte außerdem die Beobachtung, dass Typ-2-Diabetiker signifikant seltener an Prostatakrebs erkranken. Dies zeigte sich besonders deutlich bei Zuckerkranken, in deren Familie die Stoffwechselerkrankung bereits aufgetreten war. Je mehr zuckerkranke Angehörige, desto geringer das persönliche Prostatakrebsrisiko. „Über die Gründe dafür können wir bislang nur spekulieren“, sagt der Epidemiologe Hemminki. „Möglicherweise ist ein niedrigerer Spiegel an männlichen Geschlechtshormonen bei Diabetikern mit verantwortlich.“

Könnte es sein, dass die Krebsraten der untersuchten Typ-2-Diabetiker nur deswegen erhöht zu sein scheinen, weil ihre Tumoren im Rahmen einer Routinediagnostik im Krankenhaus zufällig früher entdeckt wurden? Um dies auszuschließen, analysierten die Forscher zusätzlich, wie viele Krebsfälle bei den Studienteilnehmern ein bzw. fünf Jahre nach den Krankenhausaufenthalten aufgetreten waren. Dabei zeigte sich zwar eine etwas geringere Risikosteigerung, aber der Trend blieb gleich.

In den industrialisierten Ländern erkranken zwischen zwei und zwanzig Prozent aller Einwohner an Typ-2-Diabetes. Die Stoffwechselkrankheit gehört damit zu den größten Herausforderungen an das öffentliche Gesundheitswesen. Kennzeichen des Typ-2-Diabetes, früher fälschlicherweise oft als „Alterszucker“ bezeichnet, ist eine Insulinresistenz des Gewebes. Das bedeutet, dass die Zellen auf das Insulinsignal hin keinen Zucker aus dem Blut aufnehmen.

Die Wissenschaftler werteten für diese Untersuchung Daten aus, die von 1964 bis 2007 in Schweden bei jeder Krankenhausentlassung an ein Register gemeldet wurden. Diese Daten wurden mit dem schwedischen nationalen Familien-Krebsregister kombiniert, das seit 1958 alle Krebsfälle des Landes erfasst. Da das Krebsregister mit einem Mehrgenerationenregister verknüpft ist, können auch Krebsfälle unter den Eltern und Geschwistern der Patienten verfolgt werden. Dr. Stefanie Seltmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit – Deutsches Krebsforschungszentrum

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