Profitgier vor Gesundheit – Viele individuelle Gesundheitsleistungen schaden den Patienten

Mit IGeL-Angeboten sicher umgehen

Profitgier vor Gesundheit – Viele individuelle Gesundheitsleistungen schaden den Patienten

Ein generelles Verbot der Igel ginge zu weit. Anwendungen wie Osteopathie werden von vielen Menschen als wirkungsvoll und heilsam erlebt. Und auch wenn der wissenschaftliche Nachweis des Nutzens fehlt, so sind richten diese Igel doch zumindest kein Unheil an. Einige wenige Igel erweisen sich sogar als nachweisbar nutzbringend und werden dann von den Krankenkassen auch bezahlt. Anders verhält es sich mit Methoden, die zu Fehldiagnosen, falschen Behandlungen und Gesundheitsschäden führen können – wie etwa Ultraschall-Untersuchungen der Eierstöcke. Als negativ eingestufte Leistungen haben in der Patientenversorgung nichts verloren. Mitteldeutsche Zeitung

„Trotz massiver gesundheitlicher Risiken verhökern viele Ärzte weiterhin sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL). Sie verspielen so nicht nur das Vertrauen der Patienten, sondern letzten Endes auch deren Gesundheit“, kommentiert Achim Kessler, Sprecher der Fraktion DIE LINKE für Gesundheitsökonomie, den aktuellen IGeL-Monitor des medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS). Kessler weiter:

„Der MDS bestätigt, dass mehr als jeder dritte Patient darüber klagt, zu IGeL gedrängt oder unter Druck gesetzt worden zu sein. IGeL sind von der Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung ausgeschlossen – zu Recht, da sie sich nicht am nachgewiesenen medizinischen Nutzen orientieren. Gerade die meistverkauften IGeL sind laut MDS in ihrem medizinischen Nutzen ‚negativ‘ oder ‚tendenziell negativ‘ zu bewerten. In vielen Fällen sind sie neben den zusätzlich anfallenden Kosten gesundheitsschädigend, eine Aufklärung über mögliche Risiken gegenüber den Patienten unterbleibt jedoch in weiten Teilen.

DIE LINKE fordert zum Schutz der Patienten, unnötige und gesundheitsschädigende IGeL von der Angebotsliste zu streichen. Für die IGeL ist ein sicherer rechtlicher Rahmen zu schaffen, und wirksame Maßnahmen zur Qualitätssicherung müssen ergriffen werden. Ärzte müssen ihre Patienten über Gesundheitsrisiken aufklären.“ Partei Die Linke im Bundestag

Mit IGeL-Angeboten sicher umgehen

Umfragen zufolge fühlt sich ein Großteil der Bundesbürger medizinisch gut versorgt. Anlass zu Beschwerden bieten jedoch häufig die individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Viele Patienten sind verunsichert und fragen sich, ob diese Leistungen wirklich notwendig sind. Die VERBRAUCHER INITIATIVE sagt, was Sie tun können, wenn der Arzt private Leistungen anbietet.

IGeL sind Untersuchungen und Behandlungen, deren Kosten nicht oder nur unter bestimmten Bedingungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. In der Hauptsache handelt es sich um Früherkennungsuntersuchungen. Kosmetische ärztliche Leistungen, Beratungen und Impfungen vor Fernreisen, sportmedizinische Untersuchungen oder medizinische Maßnahmen mit bisher nicht eindeutig belegtem Nutzen gehören ebenfalls dazu. Bietet der Arzt IGeL an, ist er wie bei anderen Diagnose- oder Therapiemethoden verpflichtet, seine Patienten ausführlich und umfassend aufzuklären, auch über die Kosten. Dennoch ist es für Patienten oft schwierig einzuschätzen, ob und welche IGeL für sie sinnvoll sind.

„Nehmen Sie sich Zeit, um sich zu entscheiden. Fragen Sie Ihren Arzt nach Vor- und Nachteilen der medizinischen Maßnahme und holen Sie Informationen dazu bei unabhängigen Stellen ein. Lassen Sie sich nicht drängen oder unter Druck setzen“, rät Alexandra Borchard-Becker, Fachreferentin bei der VERBRAUCHER INITIATIVE. Zu klären ist beispielsweise, welche Risiken und Nebenwirkungen es gibt, ob die Methoden wissenschaftlich gesichert und Studien dazu vorhanden sind. Weitere Themen sind Alternativen, die möglicherweise von der Kasse bezahlt werden und die Frage, welches Risiko besteht, falls die Behandlung oder Untersuchung nicht durchgeführt wird. „Wenn Sie sich für ein IGeL-Angebot entscheiden, fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach, warum sie es nicht bezahlt und ob es in Ihrem Fall vielleicht doch eine Kostenbeteiligung geben kann“, so die Fachreferentin. Die Verbraucher Initiative e.V.

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