Söder und die Corona-Panne: Der gute Ruf ist angeschlagen

Grünen-Fraktionschef Hofreiter kritisiert Söder wegen Testpanne in Bayern

Söder und die Corona-Panne: Der gute Ruf ist angeschlagen

Krisensitzung statt Nordseeluft also für Söder, für den mehr geplatzt ist als nur eine Reise. Statt als Krisenmanager steht er nun als Heiße-Luft-Verkäufer da. Er hat die Krise nicht verschärft – die 900 positiven Fälle hätte es auch ohne Test gegeben und man muss ihm zugute halten, dass sie dann vermutlich nicht aufgefallen wären. Aber Söder hat die Grundlage für die Panne gelegt. Er wollte die freiwilligen Tests für alle Reiserückkehrer und er wollte sie schnell – trotz Warnungen vor Kapazitätsengpässen. Er ging damit über die Einigung von Bund und Ländern hinaus, die nur Rückkehrer aus Risikogebieten überprüfen. Von einem „Service für Deutschland“ sprach Söder. Bei der CSU im Allgemeinen und bei Söder im Besonderen ist gern immer etwas eine Nummer größer als eine Nummer kleiner. Es stellt sich nun heraus: Angeordnet ist schnell etwas, organisiert ist es aber deswegen noch lange nicht.¹

Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Anton Hofreiter, hat den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) wegen dessen Teststrategie scharf kritisiert. „Die aktuelle Testpanne in Bayern zeigt: Söder schießt mit seinem Aktionismus und einiger Selbstüberschätzung oft über das Ziel hinaus. Das Angebot von Tests für alle, etwa an Autobahnraststätten, war offenbar schlecht vorbereitet und hat die Behörden überfordert“, sagte der Grünen-Spitzenpolitiker der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Weiter erklärte Hofreiter: „Bei einem positiven Testergebnis müssen die Betroffenen schnellstmöglich informiert werden und nicht zwei Wochen warten – andernfalls wird die Gesundheit vieler Menschen aufs Spiel gesetzt.“

Söder müsse nun schleunigst dafür sorgen, dass die Betroffenen und vor allem auch mögliche Kontaktpersonen informiert und alle Fehler behoben werden. Hofreiter: „Gerade jetzt in der Krise kommt es doch auf das Vertrauen der Bevölkerung in die staatlichen Institutionen und Entscheidungen an. Das darf nicht verspielt werden.“ Söder sei in der Pflicht, so Hofreiter, „die politische Verantwortung für dieses Chaos zu übernehmen“.²

Söder ist über sich selbst gestolpert, über seinen Ehrgeiz und den Eindruck, nur im selbstattestierten Superlativ bestehen zu können, als Erster, Größter, Bester, Schnellster, Sachlichster. Fehler können passieren, aber die Fallhöhe ist groß, wenn man sich zuvor als einziger Profi inszeniert hat und wenn man sich gerne über die Organisationsunfähigkeit anderer mokiert. Das Rennen um die Kanzlerkandidatur ist deswegen noch nicht entschieden, aber es zeigt sich, wie schnell sich Gewichte verschieben können.³

Verantwortlich ist jener, der immer der Erste und Beste sein will – Ministerpräsident Markus Söder. Ihm ging Schnelligkeit vor Gründlichkeit, er hatte die Tests durchgedrückt, bevor geklärt war, wie Organisation und Abwicklung nach den Abstrichen zu bewältigen sind. Mit dem Desaster ist Söders Ruf als Deutschlands oberster Corona-Bekämpfer angeschlagen. Nun kann eingewendet werden, dass jenen, die etwas machen, Fehler passieren – anders als anderen Bundesländern, die an ihren Auslandsgrenzen keine Massentests anbieten. Doch offenbart das Desaster einen problematischen Grundzug in Söders Politik. Sie ist zu sehr von Effekthascherei geprägt.

¹Frankfurter Rundschau ²Rheinische Post ³Mitteldeutsche Zeitung ⁴Patrick Guyton- Badische Zeitung

DasParlament

Ihre Meinung ist wichtig!

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.