Strack-Zimmermann: Entspannter über Cannabis diskutieren

Cannabis als Medizin: Trippelschritte sind nicht genug

Die Bundesregierung geht das Thema medizinisches Cannabis immer noch mit Scheuklappen an. Die Vorschläge von Gesundheitsminister Gröhe verbessern die Behandlungssituation von Betroffenen nur minimal.

Strack-Zimmermann: Entspannter über Cannabis diskutieren

Die Anhänger der Freigabe sowie die Gegner des freien Konsums warten mit Gutachten, Wissenschaftlern und Experten auf, auch mit Polizeibeamten und Richtern. Sie alle treten auf den Plan, um darüber zu diskutieren, sich darüber ordentlich zu streiten und – je nach Position – als Kronzeuge der Wahrheit aufzutreten.

„Es stünde uns in Deutschland gut zu Gesicht, die Frage, ob man den Konsum von Cannabis legalisiert oder nicht, etwas entspannter zu diskutieren. Es passt zu uns, daraus eine Staatswissenschaft zu machen.

Definitiv ist an dieser Stelle ein Gutachten überflüssig, um zu wissen, dass der tägliche Konsum von Cannabis – im Volksmund kurz „kiffen“ genannt – ,das tägliche „Zudröhnen“, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gesund ist, so wenig gesundheitsfördernd wie der grenzenlose Konsum von Alkohol oder der hemmungslose Genuss von Süßigkeiten und fettigen Chips.

Letztere Freuden – vor allen Dingen die des Trinkens – werden in unserem Kulturkreis hingenommen, sind in allen Salons gesellschaftsfähig – geradezu ein Muss, will man nicht als vertrockneter Spießer oder Party-Puper angesehen werden.

Besoffene Menschen, lallend, torkelnd oder gar in die Ecke kotzend, findet jeder fies, aber das ist es dann auch. Einen Schwips dagegen zu haben, läuft unter der Kategorie ,ziemlich niedlich‘.

Kurz und gut, auch der Konsum von Cannabis ist eine Frage der Häufigkeit und der Menge, nicht eine Frage, ob wir kurz vor dem Untergang des Abendlandes stehen. Übrigens im Morgenland ist der Konsum von Cannabis – im Gegensatz zum Alkohol – nicht nur erlaubt, sondern gang und gäbe.

Die Mehrheit der Freien Demokraten hat sich für die Freigabe vom Cannabiskonsum ausgesprochen. Und das hat zwei sehr gute Gründe:

1. Den Konsum zu kriminalisieren, bindet Polizei und Gerichte und macht aus kleinen Konsumenten große Straftäter.

2. Er erschließt den Dealern immer neue unkontrollierte Märkte, auf denen nicht nur minderwertiger Cannabis unter die Leute gebracht wird, sondern auch Jugendliche schnell zu Kunden werden.

Es macht Sinn, die Polizei und die Gerichte von diesen Aufgaben dringend zu entlasten. Und es ist geboten, Cannabis kontrolliert über Apotheken anzubieten, und dieses selbstverständlich nur an Volljährige.

Wie immer im Leben, machen Maß und Mitte Sinn. Wer zu schnell fährt, läuft Gefahr aus der Kurve, wer zu viel säuft, aus dem zivilen Miteinander zu fliegen.

Heißt nichts anderes: Sich täglich mit Cannabis zuzudröhnen, hat nichts mit Freiheit zu tun, sondern ist nur doof. Ob wir die Menschen vor letzterem wirklich beschützen können, halte ich für schwierig, da wir sie nicht aus der Eigenverantwortung entlassen können und wollen.“ Die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann schrieb den Gastbeitrag für die „Huffington Post“. – FDP

Kein echter Sinneswandel der Regierung bei Anwendung von Cannabis als Medizin

„Dass die unwürdige Situation von Schwerkranken, denen mit Cannabis geholfen werden kann, endlich verbessert wird, ist sehr erfreulich. Leider kann man bei der Bundesregierung trotzdem nicht von einem Sinneswandel ausgehen, wurde sie doch nur durch Gerichtsurteile, die die bisherige Praxis als unzulässig einstuften, zu diesem Gesetzentwurf getrieben“, erklärt Frank Tempel, drogenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, mit Blick auf das Gesetz zu Cannabis als Medizin, das heute im Kabinett behandelt wurde. Frank Tempel weiter:

„Schwerkranke Menschen müssen Zugang zu allen Therapien erhalten, die Aussicht auf Erfolg bieten. Das ist nicht nur mein politischer Anspruch an einen Sozialstaat, sondern auch verfassungsrechtlich gefordert. Da dieser Zugang momentan nicht gewährleistet ist, wurde Betroffenen erlaubt, Cannabis unter definierten Voraussetzungen selbst anzubauen. Die Bundesregierung regelt gerade so viel, dass diese Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Dieses Eigenanbauverhinderungsgesetz sehe ich daher mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Unser Antrag (BT-Drucksache 18/6361) macht deutlich, dass für einen menschengerechten Zugang zu Cannabis als Medizin mehr nötig ist.“ Die Linke im Bundestag

Cannabis als Medizin: Trippelschritte sind nicht genug

Anlässlich des Kabinettsbeschlusses zu Cannabis als Medizin erklären Katja Dörner, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, und Harald Terpe, Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik:

Die Bundesregierung geht das Thema medizinisches Cannabis immer noch mit Scheuklappen an. Die Vorschläge von Gesundheitsminister Gröhe verbessern die Behandlungssituation von Betroffenen nur minimal. Cannabishaltige Medikamente sollen weiterhin nur dann verschrieben werden dürfen, wenn die Betroffenen alle anderen Behandlungsmöglichkeiten erfolglos ausprobiert haben. Zudem soll die Krankenkasse erst dann zahlen, wenn sich die Betroffenen für die Forschung zur Verfügung stellen. Die Bundesregierung legt damit Schwerkranken auf der Suche nach Hilfe weiterhin dicke Steine in den Weg. Eine weitergehende Regelung wäre sinnvoll und problemlos umsetzbar.

Die Bundesregierung hat zumindest begriffen, dass sie das Thema nicht weiter ignorieren kann. Das ist gut so. Wir fordern schon seit vielen Jahren den Zugang zu medizinischem Cannabis für Patientinnen und Patienten, eine Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen und die Einführung einer Cannabisagentur. Und jahrelang stießen wir damit insbesondere bei der Union auf taube Ohren. Da hat sich nun offensichtlich etwas bewegt. Aber Trippelschritte sind nicht genug und vor allem zu wenig mit Blick auf die Schwerstkranken, die auf Hilfe hoffen. Bündnis90/Die Grünen

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