Testpflicht für Reisende aus Risikogebieten

Berliner Ärztekammer begrüßt Beschluss der Gesundheitsminister zu Corona-Tests für Reiserückkehrer

Testpflicht für Reisende aus Risikogebieten

Der Präsident der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz, hält die geplanten Corona-Tests für zurückkehrende Urlauber grundsätzlich für richtig.

Im Inforadio vom rbb sagte er am Samstagmorgen, es gebe keine perfekte Maßnahme, um die Ausbreitung der Infektionskrankheit einzudämmen. „Aber natürlich muss man die Menschen, die aus Risikogebieten kommen zumindest enger unter die Lupe nehmen und die Möglichkeit geben, sich unmittelbar testen zu lassen“, erklärte Jonitz.

Er glaube auch, dass sich die meisten darauf einlassen werden, weil es angenehmer sei, als 14 Tage zu Hause in Quarantäne zu verbringen.

Bund und Länder haben am Freitag vereinbart, dass sich alle Rückkehrer aus dem Ausland kostenlos testen lassen können – entweder an Flughäfen oder bei ihren Hausärzten.¹

Freiheit und Sicherheit stehen oft im Widerstreit miteinander. So verhält es sich auch bei den verpflichtenden Coronatests für Rückkehrer aus Risikogebieten. Natürlich muss die Politik jeden Eingriff in die persönliche Freiheit des Einzelnen genau abwägen und begründen. Doch ist er in diesem Fall zum Schutz der übrigen Bevölkerung durchaus gerechtfertigt. Denn jeder, der das Virus unbemerkt nach Deutschland einschleppt, kann hier eine Infektionskette auslösen, die nicht nur das Leben vor allem der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft bedroht, sondern im Falle eines erneuten Lockdowns die Freiheit aller beschneiden würde – von den dramatischen Folgen für die Wirtschaft ganz zu schweigen.

Immerhin besteht für die Bundesbürger weiterhin die Freiheit, die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes zu missachten und Risikogebiete zu besuchen. Doch wer dies tut, nimmt die Gefahren durch das Virus womöglich nicht sonderlich ernst oder leugnet dessen Existenz sogar ganz. Gerade diese Reisenden dürften dann aber auch nicht bereit sein, bei ihrer Rückkehr freiwillig einen Corona-Test durchführen zu lassen. Deshalb ist es richtig, einen solchen Test notfalls zu erzwingen – um die Allgemeinheit vor der Unvernunft einiger weniger zu schützen und eine mögliche zweite Welle der Pandemie nach Möglichkeit schon im Ansatz zu brechen.²

Ein Zwangstest bei der Einreise wenigstens aus Risikogebieten kann einen Beitrag leisten, steigende Infektionsraten zu verhindern. Dass dieser Test nun vorgeschrieben werden soll, ist überfällig. Natürlich greift der Staat damit in Grundrechte Einzelner ein. Indes überwiegt der Nutzen für die Allgemeinheit – niemand wünscht sich abermals exponentiell wachsende Opferzahlen oder gar einen zweiten Shutdown. Eben deshalb sollten Bund und Länder es auch nicht bei der jetzt angekündigten Testpflicht belassen. Alle Urlauber sollten sich nach ihrer Rückkehr testen lassen können. Unbürokratisch, freiwillig und wenn möglich kostenfrei – zur Glättung der Woge.³

¹Rundfunk Berlin-Brandenburg ²Rhein-Neckar-Zeitung ³Thomas Fricker – Badische Zeitung

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