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Viele lehnen Impfungen mit Astrazeneca ab – Zentrum hat 5400 Impfdosen übrig

Berlins Regierender Bürgermeister hat sich dafür ausgesprochen die Impfreihenfolge anzupassen. „Ich werde nicht zulassen, dass Zehntausende Impfdosen in unseren Schränken lagern, wenn sich gleichzeitig Millionen Menschen bundesweit sofort damit immunisieren lassen würden“, sagte Müller dem „Tagesspiegel“. Bundesweit wurden erst rund rund 107.000 von 740.000 ausgelieferten Astrazenca-Dosen verimpft, auch in Berlin wollen nur wenige den Impfstoff. Müller sagte dazu: „Ich würde mich sofort mit Astrazeneca impfen lassen. Der Impfstoff bietet einen hervorragenden Schutz, der vor Schwersterkrankungen schützt.“

Man biete den Impfstoff bislang den Gruppen an, die nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission an der Reihe seien. „Wer den Impfstoff aber nicht will, der hat damit erst einmal seine Chance vertan. Wir werden den Impfstoff dann anderen anbieten“, sagte Müller. Dazu will sich der Regierende Bürgermeister schnellstmöglich mit den anderen Bundesländern auf ein Vorgehen verständigen. Es müsse geprüft werden, welche Gruppen als nächstes mit Astrazeneca geimpft werden könnten. Müller schlägt in erster Linie Angebote für Lehrkräfte, Erzieher, Polizei und Feuerwehr vor, aber Impfungen für den Einzelhandel oder Mitarbeiter im Nahverkehr seien denkbar. „Diese Berufsgruppen haben täglich Hunderte Kontakte“, sagte Müller.

In Berlin konnten sich Unter-65-Jährige bislang entscheiden, für welchen Impfstoff sie sich entscheiden. Im Impfzentrum in Tegel wurden tausende Astrazeneca-Dosen aber offenbar nicht verimpft. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hatte deshalb am Mittwoch erklärt, die Wahlfreiheit sei „vielleicht ein Fehler“ gewesen. Bis April sollen insgesamt fünf Millionen Dosen der Marke Astrazeneca nach Deutschland geliefert werden. Die Wirksamkeit liegt bei 70 Prozent während Biontech/Pfizer und Moderna auf bis zu 95 Prozent kommen. Die Wirksamkeit von 70 Prozent bedeutet allerdings nicht, dass der Impfstoff bei 30 von 100 Geimpften gar nicht wirkt.¹

In Köln haben zahlreiche Menschen die Impfung mit dem Präparat von Astrazeneca abgelehnt. „Aktuell haben wir rund 5400 Impfdosen von Astrazeneca übrig“, berichtete der Chef der Kölner Berufsfeuerwehr und Mitglied des Krisenstabs, Christian Miller, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Menschen stornierten ihren Termin, weil ihnen keine Alternative zu Astrazeneca angeboten werde. „Da wollen sie lieber keinen Termin haben. Die Stimmung kippt aktuell, das macht uns große Sorge“, sagte Miller. Die Präparate würden deshalb vom Gesundheitsministerium nicht abgerufen und befänden sich immer noch im Depot. Miller nannte es einen „Skandal, dass man weiß, dass in anderen Prioritätsgruppen Menschen händeringend darauf warten, geimpft zu werden, und in der bevorrechtigten Gruppe die Impfbereitschaft nicht da ist“. Organisatorisch wird es immer schwerer, die Überkapazitäten abzubauen.

Das Image der Astrazeneca-Impfstoffs schlage sich direkt auf die Impfbereitschaft nieder. Nach dem ersten Hype am 10. Februar habe es eine deutliche Abnahme gegeben. Der Feuerwehrchef berichtet: „Die Kolleginnen und Kollegen im Callcenter, die mit den Impfberechtigten am Telefon sprechen, berichten, dass bei der Terminvergabe oftmals zunächst die Frage gestellt wird, welcher Impfstoff denn zur Verfügung stehe. Wenn dann der Name Astrazeneca fällt, wird sofort diskutiert und gesagt, man wolle unbedingt Biontech/Pfizer haben. Wenn ihnen erklärt wird, dass es keinen Anspruch auf einen bestimmten Impfstoff gibt, sondern klare Regeln vom Ministerium gelten, wie der Impfstoff verteilt werden muss, ist die Impfbereitschaft ganz schnell weg.“²

¹Der Tagesspiegel ²Kölner Stadt-Anzeiger

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