Weltärztechef Montgomery kritisiert Grenzöffnungen

Montgomery: "Verfrühter Schritt" - Appell an Bürger, im eigenen Land zu urlauben

Weltärztechef Montgomery kritisiert Grenzöffnungen

Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery hat den heutigen Kabinettsbeschluss kritisiert, die Grenzen ab Mitte Juni wieder zu öffnen. „Das ist ein verfrühter Schritt. Durch die Grenzöffnungen und den Tourismus entsteht wieder ein neues Risiko, dass Menschen aus anderen Ländern das Virus einschleusen. Die Grenzöffnungen bleiben riskant“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). „Es wäre deutlich klüger gewesen, die Grenzen zuzulassen.“

Das grüne Licht für Reisen sei aus zweierlei Sicht kritisch, sagte Montgomery. „Wenn jetzt Tagestouristen aus England, Frankreich oder Spanien nach Berlin oder Hamburg strömen und schnell zurückkehren, gibt es keine Chance festzustellen, ob sie das Virus wieder eingeschleppt haben“, sagte er. Zweitens scheine es auf den ersten Blick unbedenklich, aus Deutschland in ein Land mit wenigen Infektionen zu reisen, etwa nach Portugal. „Aber wenn dort in der benachbarten Strandburg eine Familie aus England oder Spanien urlaubt, die Kinder gemeinsam spielen, man sich abends im Restaurant bei einer Flasche Wein begegnet, kann es rasch zu Ansteckungen kommen.“

Traditioneller Urlaub sei bei der bestehenden Virus-Gefahr einfach nicht möglich, betonte Montgomery in der NOZ. „Ich kann an die Menschen nur appellieren, trotz Grenzöffnungen innerhalb des eigenen Landes Ferien zu machen.“ Denn: „In der Strandbar auf Sylt kann man besser auf sich und andere aufpassen als an der Riviera, wo Sprach- und Kulturdifferenzen das Einhalten der Regeln erschweren.“¹

ZDF-Politbarometer Mai I 2020: Mehrheit für vollständige Grenzöffnungen innerhalb der EU

Nach der bisherigen Planung will Bundesinnenminister Seehofer die Grenzen zu den meisten europäischen Nachbarländern nicht vor dem 15. Juni öffnen. Eine klare Mehrheit der Befragten (55 Prozent) wünscht sich allerdings schon bald eine vollständige Öffnung der Grenzen zwischen den Ländern der Europäischen Union, dagegen sind 41 Prozent (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils „weiß nicht“).
Von den Grenzöffnungen hängt für viele auch ab, was in der Urlaubssaison möglich ist. 51 Prozent geben dabei aktuell an, ihre Pläne für den Sommerurlaub würden durch die Corona-Krise beeinträchtigt. Bei 15 Prozent ist das nicht der Fall und 33 Prozent haben gar keine Pläne für einen Sommerurlaub.

Zustimmung zu Corona-Maßnahmen

Die Akzeptanz für die jetzt geltenden staatlichen Maßnahmen in der Corona-Krise bleibt hoch: Dass diese gerade richtig sind, sagen 66 Prozent, 17 Prozent finden sie übertrieben und 15 Prozent meinen, sie müssten härter ausfallen. Lediglich bei den Anhängern der AfD ist eine deutliche Mehrheit (59 Prozent) der Meinung, dass die Maßnahmen übertrieben sind. Bei den Anhängern aller anderen Parteien sind das nur Minderheiten zwischen 7 Prozent und 16 Prozent.
Entsprechend findet auch nur bei den Anhängern der AfD eine Mehrheit (61 Prozent) die Proteste gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen gut. Unter allen Befragten sind das nur 16 Prozent (nicht gut: 81 Prozent).

Unzufriedenheit im Bereich Schulunterricht und Kinderbetreuung

Nicht genug getan wird in der Corona-Krise nach Meinung einer Mehrheit bei uns für den Unterricht der Schüler (56 Prozent) und für Betreuungsmöglichkeiten in Kindergärten und Kitas (55 Prozent). Zufrieden sind hier nur 32 Prozent bzw. 26 Prozent. Die Übrigen sehen sich nicht in der Lage, das zu beurteilen.

Verantwortung der Stadt- und Landkreise bei steigenden Infektionszahlen

Bund und Länder hatten sich vergangene Woche darauf geeinigt, dass die Landkreise und kreisfreien Städte dafür verantwortlich sind, bei steigenden Infektionszahlen schärfere Maßnahmen zu ergreifen. Diese regionalisierte Eindämmungsstrategie finden 70 Prozent gut und 27 Prozent nicht gut.

Gesundheitsgefährdung und zweite Welle

Aktuell halten ähnlich wie in den Wochen zuvor 45 Prozent ihre Gesundheit durch das Coronavirus für gefährdet und 54 Prozent sehen da für sich keine großen Gefahren. Dass es in den nächsten Monaten eine zweite Corona-Welle mit hohen Infektionszahlen geben wird, glauben 53 Prozent aller Befragten, 43 Prozent erwarten das nicht.

Projektion Bundestagswahl

Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, gäbe es im Vergleich zu Ende April nur leichte Veränderungen: Die Union käme auf 38 Prozent (minus 1), die SPD auf 15 Prozent (minus 1), die AfD auf 10 Prozent (plus 1), die FDP auf 5 Prozent (unverändert), die Linke auf 8 Prozent (plus 1) und die Grünen auf 18 Prozent (unverändert). Die anderen Parteien zusammen lägen bei 6 Prozent (unverändert). Damit hätte eine Koalition aus CDU/CSU und Grünen ebenso eine Mehrheit wie eine aus CDU/CSU und SPD.

Top Ten: Deutliche Einbußen für Laschet und Lindner

Wenn es um die Beurteilung nach Sympathie und Leistung der zehn wichtigsten Politikerinnen und Politikern geht („Was halten Sie von?“), liegt Angela Merkel weiter auf Platz eins. Auf der Skala von +5 bis -5 erhält sie einen Durchschnittswert von 2,6 (April II: 2,6). Es folgen Markus Söder mit 2,1 (April II: 2,0), Olaf Scholz mit 1,9 (April II: 2,0), Jens Spahn mit 1,3 (April II: 1,5), Robert Habeck mit 1,2 (April II: 1,1), Annalena Baerbock mit 0,7 (April II: 0,8) und Horst Seehofer mit 0,6 (April II: 0,6). Deutlich verschlechtert hat sich Armin Laschet, der jetzt nur noch auf 0,6 kommt (April II: 1,0). Ansehensverluste haben auch Friedrich Merz mit nur noch 0,0 (April II: 0,2) und vor allem Christian Lindner mit minus 0,3 (April II: 0,1).²

¹Neue Osnabrücker Zeitung ²ZDF Presse und Information

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