Zwei-Klassen-Medizin: Pfeiffer sieht Kassenpatienten besser versorgt als Privatversicherte

Elektronische Patientenakte kommt voran

Zwei-Klassen-Medizin: Pfeiffer sieht Kassenpatienten besser versorgt als Privatversicherte

Wartezimmer voll, Ärzte und Pfleger überlastet, bestimmte Medikamente und Therapien nur gegen Zuzahlung – für Kassenpatienten gibt es reichlich Gründe zu klagen. Privatversicherte sind da schon besser dran: Bevorzugte Behandlung, was immer der Arzt verordnet – die Versicherung zahlt’s. Jedenfalls solange man jung ist. Im Alter kann mancher Privatpatient seine immensen Versicherungsbeiträge kaum noch aufbringen.

Unser Gesundheitssystem ist teuer, ungerecht, nicht effektiv – das sagt nicht nur die SPD. Sie fordert eine Bürgerversicherung, in die alle einzahlen müssen – einer der größten Brocken bei den Sondierungsverhandlungen, denn die Union lehnt eine Bürgerversicherung kategorisch ab.

Eine für alle, alle für eine? Wäre die Bürgerversicherung das Ende der Zwei-Klassen-Medizin? Wie reformieren wir unser Gesundheitssystem am besten? phoenix-Kommunikation

Die Debatte über eine „Zwei-Klassen-Medizin“ in Deutschland geht nach Einschätzung der Vorstandsvorsitzenden des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Doris Pfeiffer, an der Wirklichkeit vorbei. „Die gesetzlich Versicherten werden besser versorgt als Privatpatienten“, sagte sie der „Saarbrücker Zeitung“. Grund sei, dass es in der gesetzlichen Krankenversicherung „sehr hohe Anforderungen an die Qualität der Behandlung und an ihren Nutzen“ gebe. „Privatversicherte dagegen bekommen auch Leistungen, die nicht notwendig sind und sie möglicherweise auch unnötig belasten“, erklärte Pfeiffer.

Ein „Ärgernis“ sei allerdings, dass Privatversicherte oft eher einen Arzttermin erhielten als gesetzlich Versicherte. Für Abhilfe könnten hier die Pläne der neuen Bundesregierung sorgen, die Sprechstunden für gesetzlich versicherte Patienten zu erweitern. „Luft nach oben gibt es sicher auch noch bei den Termin-Servicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen. Diese Servicestellen sind viel zu wenig bekannt“, kritisierte Pfeiffer.

Auf die Frage nach dem Stand der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte erklärte Pfeiffer: „Gegenwärtig werden bei den niedergelassenen Ärzten Geräte und Software installiert, um an das sichere Gesundheitsnetz angebunden zu werden. Bisher sind bereits 12.000 Arztpraxen angeschlossen“. Das ist etwa jede achte Praxis. „Und Woche für Woche kommen rund 1.500 neue Praxen dazu“, so Pfeiffer.

Der endgültige Start der elektronischen Patientenakte hänge davon ab, wann die Industrie die entsprechende Software dafür anbiete. Sie erwarte, dass das bis Ende 2019 der Fall sein werde, so Pfeiffer. Saarbrücker Zeitung

Gesundheitsökonomisches Statement zum vorläufigen Koalitionsvertrag: „Wer soll das langfristig bezahlen?“

Der vorläufige Koalitionsvertrag setzt einen Schwerpunkt im Bereich Gesundheit und Pflege. Doch wie realistisch sind die Ziele und Forderungen der Politiker? Prof. Dr. Andreas Beivers, Gesundheitsökonom an der Hochschule Fresenius in München, Fachbereich Wirtschaft & Medien, äußert sich zu den Ergebnissen.

Das Kapitel vier des vorläufigen Koalitionsvertrages „Gesundheit und Pflege“ umfasst ein Volumen von acht Seiten und zeigt damit die große Bedeutung des Gesundheitswesens für die zu bildende Große Koalition auf. Das Kapitel unterteilt sich in neun Themenkomplexe, in denen die Koalitionäre ihre Visionen und Reformpläne skizzieren.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich die Partner schwertaten, wirklich neue Themen anzugehen. Daher wurden viele, aus der vergangenen Legislatur noch offene Punkte, weiter vertieft und teilweise konkretisiert. An vielen Stellen bleiben die Aussagen jedoch sehr vage. Da sich die SPD bei der Bürgerversicherung anscheinend nicht durchsetzen konnte, wurden an anderer Stelle Themen wie beispielsweise die Ausbildung, Finanzierung und Sicherstellung der Pflege sehr ausführlich bearbeitet. Auch die Wiederaufnahme der paritätischen Finanzierung der Krankenversicherungen ist anzumerken.

Selbst wenn dies für einzelne Akteure im Gesundheitswesen positive Nachrichten sind, bleibt die Frage der nachhaltigen Finanzierung gänzlich offen. Dies sollte jedoch angesichts der Nachhaltigkeit und der Generationengerechtigkeit kritisch diskutiert werden. Der Eingriff in das Fallpauschalensystem scheint ein ordnungspolitischer Irrweg zu sein. Ob es zu einer Kernforderung der SPD – einer Harmonisierung der Gebührenordnungen – kommt, bleibt offen. Hier werden, wie an vielen Stellen, zunächst Arbeitsgruppen, Ausschüsse und Expertenzirkel ihre Arbeit aufnehmen müssen: Ausgang unklar. Hochschule Fresenius – Fachbereich Wirtschaft & Medien | Business School – Media School – Psychology School

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2 Responses to "Zwei-Klassen-Medizin: Pfeiffer sieht Kassenpatienten besser versorgt als Privatversicherte"

  1. Arne Schweiger   Mittwoch, 4. April 2018, 8:57 at 8:57

    Unsere Politiker sind etwas abgehoben. Die gehen mit 16.000€ nach Hause. Bekommen die besten Tarife und brauchen sich um gesundheitliche Versorgung keine Sorgen machen.

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  2. Michael Buchholz   Mittwoch, 4. April 2018, 8:54 at 8:54

    Ich hätte gern auch mal das probiert, was Frau Pfeiffer raucht. Muss echt stark sein 🙂

    Antworten

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