Außenseiter erzielt bei der CDU das erste Tor

Angaben des Bundesarbeitsministeriums - AfD: Nur Spitze des Eisbergs

Außenseiter erzielt bei der CDU das erste Tor

Politik und Fußball ähneln einander. Es geht um Chancenverwertung. Wenn der Ball rollt, muss der ihn reinmachen, der ihn sich erspielen kann. Während die Mitspieler am Anstoßpunkt noch die Lage erörterten, hat sich Norbert Röttgen einfach mal den Ball erobert und das erste Tor erzielt. Chancenverwertung ist sein Ding geworden, seit er eigentlich keine mehr hatte. Nach der Niederlage in NRW und dem Rauswurf aus dem Kabinett schien seine Karriere zu Ende. Über den Neuanfang im Auswärtigen Ausschuss ist er zu einer prominenten Persönlichkeit mit prägnanten Positionen geworden. Und auch im Rennen um CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur hat er mit seinem Überraschungscoup seine Chancen von deutlich unter auf deutlich über zehn Prozent gebracht.

Dass sein Alleingang als Stärke wahrgenommen werden kann, hat mit der Schwäche seiner Partei zu tun. Konzeptionell ist da nichts Vorzeigbares, da Annegret Kramp-Karrenbauer gehen will, bevor sie die programmatische Erneuerung zu einem Ergebnis gebracht hat. Hinzu kommt in der Führungsfrage eine völlige Unklarheit über Personen, Abläufe und Perspektiven. Die ist nicht allein im Bund zu verorten. Dass da vier Herren neben- und gegeneinander konkurrieren, die alle der NRW-CDU angehören, zeugt auch davon, dass der NRW-CDU-Chef Armin Laschet das Heft des Handelns nicht in der Hand hat.

Schon mit seinem Vorpreschen hat Röttgen mögliche Pläne einer Teamlösung sehr transparent vereitelt. Und es ist ihm mit so spitzen wie treffenden Worten gelungen, das Reden vom Team als Versuch zu entlarven, personelle Interessen unter einen Hut zu bringen, ohne die inhaltlichen Entscheidungen zur Zukunft der Partei anzugehen. Der Gegenangriff wird kommen. Aber der Außenseiter liegt erst mal in Führung.¹

In der NRW-CDU ist die Bewerbung von Norbert Röttgen für den CDU-Bundesvorsitz auf Zurückhaltung und Ablehnung gestoßen. „Ich schätze ihn aus unserer früheren Zusammenarbeit, aber eine gute Aufstellung im Team halte ich zur Zeit einfach für den besseren Weg für die CDU“, sagte NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Mehrere Landtagsabgeordnete äußerte deutliche Kritik. „Ich hätte mir einen anderen Prozess gewünscht“, erklärte Oliver Kehrl aus Köln. Es komme jetzt darauf an, den Zusammenhalt in der Union zu festigen. „Röttgen ist mit seiner Bewerbung dazwischengegrätscht. Das ist nicht gut. Ich glaube nicht, dass seine Bewerbung Aussicht auf Erfolg hat“, fügte er hinzu. Der Abgeordnete Olaf Lehne aus Düsseldorf sagte: „Mit seiner Bewerbung schadet Norbert Röttgen der CDU und sich selbst.

Ich habe Röttgen nicht nur im Landtagwahlkampf 2012 als komplett beratungsresistent erlebt.“ Klaus Voussem aus Euskirchen beklagte: „Die Debatte um einen neuen Bundesvorsitzenden hat eine Eigendynamik entwickelt, die wir nicht monatelang beherrschen oder ertragen können.“ Es sei „nicht hilfreich, dass jetzt jeden Tag ein neuer Kandidat vor die Mikrophone tritt und sagt: „Ich mache es““.²

¹Gregor Mayntz – Rheinische Post ²Kölner Stadt-Anzeiger

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