Bahnexperte Knierim: Die Bahn steht vor dem Zusammenbruch

Grüne fordern vom Bahn-Vorstand mehr Mut zur Kritik am Bund

Bahnexperte Knierim: Die Bahn steht vor dem Zusammenbruch

Das privatisierungskritische Bündnis „Bahn für Alle“ hat eine ernüchterndes Fazit von 25 Jahren Bahnreform gezogen. „Die Bahn steht vor dem Zusammenbruch“, schreibt der Sprecher des Bündnisses, Bernhard Knierim, in einem Beitrag für die Tageszeitung „neues deutschland“. „Ausfallende und verspätete Züge sind dafür nur das nach Außen sichtbare Zeichen.“

Am 1. Januar 1994 wurde die Deutsche Bahn AG als Zusammenschluss von Bundes- und Reichsbahn geschaffen. Knierim kritisiert, dass „Profitmaximierung das einzige Ziel der DB“ wurde und „der Bund jede politische Steuerung mit Verweis auf die angebliche Eigenwirtschaftlichkeit ablehnt“.¹

Bahnvorstand Ronald Pofalla hat eingeräumt, für Unpünktlichkeiten und Pannen bei der Deutschen Bahn AG mit verantwortlich zu sein. Er sieht allerdings schon aktuell Verbesserungen und stellt für die Zukunft weitere Schritte in Richtung Kundenzufriedenheit in Aussicht. Potenzial sieht er vor allem bei der Digitalisierung der Bahn. Pofalla sagte im Gespräch mit der Neuen Westfälischen: „Natürlich fühle ich mich angesprochen. Und ich nehme Kritik sehr ernst. Wir tragen alle gemeinsam im Vorstand die Verantwortung und arbeiten mit vereinten Kräften. Natürlich bin ich auch für die Pünktlichkeit mitverantwortlich.

Positiv ist, dass die Maßnahmen anfangen zu greifen. Der Dezember war von der Pünktlichkeit der beste Monat seit Februar“. Um den Eisenbahnverkehr in Deutschland jedoch grundlegend auf neue Beine zu stellen, müsse allerdings auf die Digitalisierung der Schiene gesetzt werden. „Mit der Digitalen Schiene Deutschland fahren wir bis zu 20 Prozent mehr Züge auf dem bestehenden Netz. Das wäre mit einem klassischen Gleisausbau überhaupt nicht zu schaffen und um vieles teurer“, so Pofalla.

Pofalla: Plankorridore sollen Bahn-Netz pünktlicher machen

Bahn-Vorstand Ronald Pofalla will mit neuen zusätzlichen „Plankorridoren“ die Pünktlichkeit der eingesetzten Züge in Netz-Engpässen deutlich verbessern. „Aktuell haben wir ,Plankorridore‘ im Engpassnetz eingerichtet, wie zum Beispiel zwischen Köln und Dortmund sowie zwischen Mannheim und Fulda. Hier wollen wir durch eine intensivere Steuerung kurzfristig eine Reduzierung von Verspätungen und Fehlern erreichen, um pünktlicher im Gesamtnetz zu werden“, sagte Pofalla. „In 2019 werden wir weitere „Plankorridore“ im Engpassnetz einrichten“ so der Bahnvorstand weiter. Pofalla betonte die Bedeutung der Digitalisierung der Bahn. Sie mache den Eisenbahnsektor zukunftsfest. Die Plankorridore sollen mit einer intensiveren Steuerung für mehr Pünktlichkeit im Gesamtnetz sorgen. Derzeit gibt es zwei solcher Korridore. Sie sollen in 2019 auf vier verdoppelt werden.²

Die Grünen haben den Vorstand der Deutschen Bahn AG aufgefordert, die eigenen Interessen härter und selbstbewusster gegenüber dem Eigentümer Bund zu vertreten. „Die Bahnbranche in Deutschland krankt an zu viel Loyalität gegenüber der Politik“, heißt es in einem Positionspapier der drei führenden Bahn-Politiker der Grünen im Bundestag, Matthias Gastel, Stephan Kühn und Daniela Wagner. Es liegt der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vor. Abhängigkeiten gegenüber dem Bund als Finanzier dominierten die gesamte Branche und wirkten innovationshemmend. „Von den Eisenbahnunternehmen erwarten wir eine aktivere Rolle gegenüber der Politik, indem legitime Interessen offensiver vertreten werden“, heißt es in dem Papier. Erwartungen an den Bund sollten „klarer zur Sprache“ gebracht werden. Zudem solle es „mehr Mut zur Kritik an der verfehlten Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte“ geben.

„Es kann nicht sein, dass die Bahnbranche den Groll der Fahrgäste über Verspätungen auf sich zieht, anstatt deutlich die unterlassene Verantwortung der Politik zu benennen und auch mal öffentlich politische Kurskorrekturen einzufordern“, so die Grünen. In dem Papier fordern die Grünen insgesamt neun Maßnahmen für eine Fahrgastoffensive der Bahn. Der Konzern solle sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren und Betriebszweige verkaufen, die nicht dazu gehörten, verlangen die Grünen unter anderem. Die Bundesmittel für den Aus- und Neubau des Schienennetzes müssten von derzeit 1,65 auf 2,5 Milliarden Euro pro Jahr erhöht werden. „In den Folgejahren braucht es einen kontinuierlichen und verlässlichen Mittelaufwuchs auf drei Milliarden Euro jährlich“, schreiben die Grünen.³

¹neues deutschland ²Neue Westfälische ³Rheinische Post

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