Bekämpfung der Cyberkriminalität hat für die NRW-Polizei hohe Priorität

Nutzer halten Daten im Internet für unsicher

Cyberkriminelle sind meist hochprofessionell und international organisiert. Vier von fünf Internetnutzern (80 Prozent) in Deutschland halten ihre persönlichen Daten im Internet für unsicher.

Bekämpfung der Cyberkriminalität hat für die NRW-Polizei hohe Priorität

Für die NRW-Polizei hat die Bekämpfung der Cyberkriminalität hohe Priorität. „Cybercrime ist eine wachsende Gefahr für die Gesellschaft. Straftäter nutzen die fortschreitende Vernetzung und nehmen dabei private Internetnutzer genauso wie Behörden, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen in ihren kriminellen Fokus. Das Ausspähen von Bankdaten und Angriffe auf Computernetzwerke können jeden treffen“, erklärte Innenminister Ralf Jäger in Düsseldorf. Dort diskutierte er auf dem ersten NRW-Cybercrime-Kongress mit Experten aus Forschung, Wirtschaft, Politik, Polizei und Justiz, wie die Sicherheit im Netz verbessert werden kann.

„Die Bekämpfung der Cyberkriminalität kann nur gut funktionieren, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Darum arbeitet die Polizei eng mit Fachleuten aus Forschung und Wirtschaft zusammen“, sagte Jäger. Er lobte die seit 2011 bestehende Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Cyberkriminalität zwischen dem NRW-Landeskriminalamt und dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) und der vor wenigen Monaten geschlossenen Kooperation mit dem Bundesverband der Internet-Anwender VOICE.

Cyberkriminelle sind meist hochprofessionell und international organisiert. „Sie handeln im Verborgenen, bleiben anonym, überschreiten Staatsgrenzen per Mausklick, verschleiern ihre Identität, verschlüsseln ihre Daten. Das macht es schwer, sie aufzuspüren“, erläuterte der Innenminister. „Darauf hat sich die NRW-Polizei organisatorisch und technisch eingestellt. Sie bündelt ihr Expertenwissen in spezialisierten Kommissariaten in den Polizeibehörden, die vom Cybercrime Kompetenzzentrum des Landeskriminalamtes unterstützt werden.

Im Cybercrime Kompetenzzentrum arbeiten rund 100 sehr gut ausgebildete Spezialisten mit modernster Technik. „Rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche sind die Experten beim Verdacht von Hacking oder einem anderen Cyberangriffs erreichbar“, erläuterte der Minister. Allein im vergangenen Jahr haben sie in mehr als 600 Fällen Firmen und Institutionen, die über die Hotline Rat suchten, beraten und unterstützt. „Aber noch viel zu wenig Unternehmen wenden sich bei Cyberattacken an die LKA-Experten. Die Sorge vor einem möglichen Imageverlust ist aber unbegründet“, betonte Jäger. Er machte an einem Beispiel deutlich, wie sinnvoll die Hotline ist:

  • Einem Täter gelang es, Millionen Kundendaten von einem großen Telekommunikationsanbieter in NRW abzugreifen. Sie wurden unbemerkt an einen Server in der Schweiz übermittelt. Die Firma wandte sich an die Hotline des Cybercrime Kompetenzzentrum. Die Profis beim LKA übernahmen. Sie konnten den Täter schnell ermitteln und den Server mitsamt Daten sichern.

„Es ist nie zu spät, sich bei den Sicherheitsbehörden zu melden. Oft sind die Daten noch zu retten, und der Täter kann ermittelt werden. Springen Sie über den eigenen Schatten und vertrauen sie sich der Polizei an. Wenn es um Kundendaten geht sowieso, aber auch, wenn eigene Innovationen oder Ideen gestohlen wurden“, appellierte Ralf Jäger. Mitteilungen des Landes Nordrhein-Westfalen

Nutzer halten Daten im Internet für unsicher

Vier von fünf Internetnutzern (80 Prozent) in Deutschland halten ihre persönlichen Daten im Internet für unsicher. Das ist nur ein Prozentpunkt weniger als vor einem Jahr, berichtet der Digitalverband Bitkom auf Basis einer repräsentativen Umfrage. „Das Vertrauen in die Internetsicherheit erholt sich nach der NSA-Affäre und den immer neuen Cyberangriffen nur sehr langsam“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Das sei ein Hemmnis für die Verbreitung innovativer Online-Dienste wie Cloud Computing oder mobile Payment. Zwei Jahre vor Bekanntwerden der Geheimdienstaffäre, im Jahr 2011, sagten „nur“ 55 Prozent der Befragten, dass sie ihre Daten im Internet für unsicher halten. Das stärkste Misstrauen herrschte auf dem Höhepunkt der Geheimdienstaffäre, als 86 Prozent davon ausgingen, dass ihre Daten im Internet nicht sicher sind. Der Bitkom befragt Internetnutzer regelmäßig zu den Themen Vertrauen und Datensicherheit.

Nach den Ergebnissen der Umfrage vertrauen viele Bürger weder dem Staat noch der Wirtschaft, wenn es um den Umgang mit ihren persönlichen Daten geht. Drei Viertel (75 Prozent) der Internetnutzer haben wenig oder gar kein Vertrauen in Staat und Behörden. Zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten misstrauen der Wirtschaft. Im Jahr 2011 war das Verhältnis noch umgekehrt. Seinerzeit misstrauten 40 Prozent der Befragten dem Staat und 46 Prozent der Wirtschaft. Rohleder: „Die Zeiten, als der Staat vielen als sicherer Hafen galt, sind vorbei.“

Als größte Gefahr betrachten die Internetnutzer laut Umfrage die Infizierung ihres Computers mit Schadprogrammen: 71 Prozent der Befragten fürchten Probleme durch Viren, Trojaner oder andere schädliche Software. 55 Prozent befürchten eine illegale Nutzung ihrer persönlichen Daten durch Kriminelle, zum Beispiel einen Kreditkartenbetrug. Gut die Hälfte (52 Prozent) empfindet die Ausspähung persönlicher Daten durch staatliche Stellen als Bedrohung. 48 Prozent meinen, dass Unternehmen ihre persönlichen Daten illegal nutzen und zum Beispiel unerlaubt an Dritte weitergeben könnten. Die Sorge vor einem Betrug beim Online-Einkauf, bei einer Online-Auktion oder beim Online-Banking haben 44 Prozent der Internetnutzer. Deutlich geringer ausgeprägt ist die Angst vor Cybermobbing (19 Prozent) oder sexueller Belästigung im Internet (15 Prozent). Nur 6 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich im Internet gar nicht bedroht fühlen.

Methodik-Hinweis: Grundlage ist eine repräsentative Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.009 Internetnutzer ab 14 Jahren befragt. Die Fragen lauteten: Was glauben Sie, wie sicher sind Ihre persönlichen Daten im Internet im Allgemeinen? Wie stark vertrauen Sie im Allgemeinen den folgenden Organisationen, wenn es um den Umgang mit Ihren persönlichen Daten geht? Wodurch fühlen Sie sich im Internet bedroht? www.bitkom.org Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.

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