Export von Diesel-Autos: Exportschlager: Alte Diesel

Umweltbundesamt gegen Hardware-Nachrüstungen auf Kosten von Autobesitzern

Export von Diesel-Autos: Exportschlager: Alte Diesel

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), Maria Krautzberger, hat sich dagegen ausgesprochen, bei Hardware-Nachrüstungen an Dieselautos die Kosten auf Industrie, Bund und Besitzer aufzuteilen. „Aus Sicht des Umweltbundesamtes gilt das Verursacherprinzip“, sagte Krautzberger der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. „Und auch die Kosten hierfür sollten grundsätzlich von den Fahrzeugherstellern getragen werden, da sie für den aufgetretenen Schaden verantwortlich sind“, so die UBA-Chefin. Zuvor hatte Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) eine Verteilung der Kosten für Hardware-Nachrüstungen auf Hersteller, Bund und Autobesitzer vorgeschlagen.

Krautzberger wies zudem darauf hin, dass die vor einem Jahr beim Dieselgipfel getroffenen Vereinbarungen kaum Wirkung haben und Grenzwerte für Stickstoffdioxid aus Dieselautos auch in diesem Jahr überschritten werden. „Zu den Maßnahmen des Dieselgipfels zählten Softwareupdates und Rückkäufe alter Dieselautos“, sagte Krautzberger. „Nach unseren Berechnungen wird die Luftbelastung mit NO2 hierdurch nur um zwei bis fünf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft sinken. Das bedeutet für hoch belastete Städte, zum Beispiel Köln oder Düsseldorf, dass der Grenzwert auch 2018 nicht eingehalten werden kann“, sagte Krautzberger. Rheinische Post

Wenn das Auto anfängt zu rosten, schick es in den Osten. So lautete vor fast drei Jahrzehnten die Devise im Fahrzeuggeschäft. Hunderttausende ältere Autos aus der alten Bundesrepublik wurden in die neuen Bundesländer verkauft und fanden dort reißenden Absatz. Endlich ein „richtiges Auto“, statt der stinkenden Zweitakter, Marke Trabant oder Wartburg. Für den neuen fahrbaren Untersatz wurde bereitwillig die gerade erst bekommene D-Mark hingeblättert. Für Alt-Besitzer und Händler war die innerdeutsche Fahrzeugkarawane zumeist ein gutes Geschäft. Eine Art Deja-vu erlebt der Fahrzeughandel nun viele Jahre später. Während in Deutschland gebrauchte Selbstzünder wegen des Abgasskandals und wegen drohenden Fahrverboten Ladenhüter sind, gibt es im Ausland reges Interesse an diesen Autos.

Die Ausfuhr von Diesel-Fahrzeugen aus erster, zweiter oder dritter Hand nach Süd- und Osteuropa – etwa nach Österreich, Italien, Frankreich, aber auch Kroatien, in die Ukraine, nach Weißrussland oder Russland – steigt rapide an. Das liegt offenbar auch daran, dass dort der gute Ruf von Autos Made in Germany mehr zählt als die Verunsicherung wegen der Abgasmanipulationen, die hierzulande seit fast drei Jahren hohe Wellen schlägt. Und Grenzwerte für die Luftreinheit, wie sie immerhin von der EU aus Brüssel vorgegeben wurden, werden anderswo vielleicht nicht ganz so ernst genommen wie im regelungsverliebten Deutschland. Dass mit dem Export von alten Diesel-Autos allerdings auch ein Umweltproblem weiterverkauft wird, schert Händler und neue Besitzer offenbar wenig. Verkauft ist verkauft. Hauptsache, das Auto macht etwas her, fährt solide und flott.

Obendrein hält sich der Verbrauch in Grenzen, mag man sich in süd- und osteuropäischen Ländern denken, wo Diesel aus deutscher Produktion begehrt sind. Übrigens sind das alles Gründe, wegen derer sich einst deutsche Käufer für diese Fahrzeuge entschieden hatten. Unter dem Gesichtspunkt der Reinhaltung der Luft allerdings ist der Diesel-Verschiebebahnhof äußerst bedenklich. Der Umwelt ist es egal, ob sie in Berlin, München, oder in Lyon, Salzburg, Bozen, in Kiew und Zagreb verunreinigt wird. Für die deutschen Autokonzerne, Volkswagen vorneweg, ist das Problem der Alt-Dieselfahrzeuge zudem nicht nur ein europäisches. In den USA mussten die Wolfsburger riesige Parkflächen anmieten, auf denen ihre zurückgenommenen Diesel-Autos stehen. Bei Volkswagen wartet man händeringend auf Ausfuhrgenehmigungen aus den USA. Die Autos sollen noch irgendwo in der Welt an irgendwen verkauft werden. Gelingt das nicht, bleibt nur die Verschrottung der Fahrzeuge.

Verantwortlich für die riesigen Verluste sind aber nicht etwa die Mitarbeiter der Konzerne, sondern deren verantwortungslose Manager, die Winterkorns und Co. Bislang werden die Autobauer von der deutschen Regierung allerdings gewissermaßen mit Samthandschuhen angefasst. Allerdings droht ihnen Ende September die Regierungs-Entscheidung, dass sie vielleicht doch für die aufwendige Hardware-Nachrüstung von älteren Diesel-Autos in Anspruch genommen werden. Bislang haben sie sich dagegen erfolgreich gewehrt. Doch nicht nur die gebrauchten und manipulierten Dieselfahrzeuge belasten die Autobauer.

Noch mehr ins Kontor schlagen die gravierenden Probleme bei der Zulassung von Neufahrzeugen. Die derzeit guten Geschäftszahlen der Autokonzerne verdecken, dass es nach den neuen, strengeren Abgas-Messverfahren für viele neue Modelle noch keine Typzulassungen gibt. Zu den vielen Alt-Dieseln auf Halde kommen Neufahrzeuge, die nicht verkauft werden können. Und dieses Problem lässt sich nicht exportieren. Reinhard Zweigler – Mittelbayerische Zeitung

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