Facebook Datenkrake greift in Bereiche unseres Alltagslebens

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Facebook Datenkrake greift in Bereiche unseres Alltagslebens

Facebook und der Datenschutz

Facebook Mark Zuckerberg

Jetzt wird wieder über Facebook geschimpft: Die Datenkrake greife mit ihren Tentakeln in immer neue Bereiche unseres Alltagslebens, sammele alles, was ihr an Informationen über unser Einkaufsverhalten, unsere Freizeitvorlieben, unsere Freundeskreise unterkommt. Skandal! Skandal? Nun ja. Es stimmt natürlich, das Verdikt von der vielarmigen Datenkrake. Aber es ist nicht gerade eine Neuigkeit, dass Facebook Daten sammelt. So, wie das eine Unzahl anderer Unternehmen heute auch tun: Versicherungen, Banken, Telefonanbieter, Payback, Google, Amazon und wie sie alle heißen. Das Sammeln von Daten und der Handel damit gehören zum zentralen Geschäftsmodell all dieser Firmen. Nutzer wissen das seit langem. Und es stört sie zumindest nicht so sehr, dass sie deshalb auf die Nutzung verzichten würden. Auch die neuerliche Debatte über mangelnden Datenschutz bei Facebook wird kaum zu einer Welle von Abmeldungen führen.

Alles kein Problem also, wenn sich doch die große Mehrheit der Menschen nicht daran stört, sondern unbeirrt an der Überzeugung festhält, sie habe „eh nichts zu verbergen“? Keineswegs. Denn die massenhafte Einwilligung (fast) aller in die Sammlung und Speicherung (fast) aller persönlichen Daten nimmt inzwischen Ausmaße an, die es dem Einzelnen fast unmöglich machen, sich zu entziehen. Alle machen Onlinebanking? Da kann das Geldinstitut den paar renitenten Kunden, die ihre Bankgeschäfte lieber nicht im Internet abwickeln wollen, ruhig ein paar Euro extra für jede Überweisung abknöpfen. Alle Kinder haben ein internetfähiges Handy? Da können Vorbereitungen für den Wandertag und Hausaufgabendebatten ganz einfach über Whats-App abgewickelt werden. Max wird seine überkritischen Eltern sicher bald überzeugt haben, dass auch er ein Handy braucht. Alle kaufen bei Amazon ein? Da müssen die Traditionalisten, die noch immer den lokalen Einzelhandel bevorzugen, eben etwas mehr bezahlen – oder ein paar Kilometer weiter fahren, weil der Laden um die Ecke längst dichtgemacht hat.

Und so gewöhnen wir alle uns schrittweise immer mehr daran, dass doch nichts dabei ist, wenn wir unsere Daten tauschen gegen ein bisschen Bequemlichkeit und Geldersparnis. Insofern wird auch die jüngste Rabattidee einer Krankenkasse reichlich Interessenten finden: Wer Fitness- und Ernährungsdaten elektronisch an die Kasse übermittelt und so seine gesunde Lebensweise dokumentiert, bekommt Gutscheine und günstigere Prämien. Alles freiwillig, versteht sich. So lange, bis sich das Modell in der Fläche durchgesetzt hat und es selbstverständlich sein wird, regelmäßig die Leberwerte an die Kasse zu melden, um zurückhaltenden Alkoholkonsum zu belegen. Und den Cholesterinspiegel. Und die Blutwerte. Spätestens dann wird es nicht einfach billiger sein für den gesunden Fitnessfreak, sondern verdammt teuer für jeden, der nicht mittun will oder kann. Dass wir da noch die Wahl haben – so wie es das schöne Wort von der „informationellen Selbstbestimmung“ behauptet -, ist eine Illusion. Im Grunde können wir längst nicht mehr aussteigen aus der umfassenden Verwertung unserer persönlichen Daten. Das ist der eigentliche Skandal.

Sigrun Müller-Gerbes

Neue Westfälische News Desk neue-westfaelische.de

DasParlament

Eine Antwort auf "Facebook Datenkrake greift in Bereiche unseres Alltagslebens"

  1. Westfalen-Blatt   Montag, 2. Februar 2015, 12:00 um 12:00

    Mehr als 1,2 Milliarden Facebook-Nutzer können nicht irren. Oder doch? Das soziale Netzwerk fühlt sich so mächtig, dass es einseitig die Spielregeln ändert.

    Wer über das Internet Kontakt zu seinen Freunden hält, hat künftig nur eine Wahl: akzeptieren oder ganz abschalten. Facebook will genau wissen, welche Internetseiten die Nutzer wann und wo nutzen, wen sie über ihr Smartphone wann anrufen, um sie dann ganz gezielt mit Werbung zu überziehen. Wenn der Staat oder Firmen die Bürger auf der Straße so ausfragen würden, wäre der Aufschrei groß.

    Viele regen sich schon über Volkszählungen auf. Und jetzt warnen die Datenschützer, die Verbraucherschützer empören sich und Juristen stellen das Facebook-Verfahren infrage – wie immer. Es wird keine massenhafte Flucht geben. Facebook bietet schließlich eine Plattform, die einfach zu bedienen ist und keine Fragen stellt.

    Denn die sind ja von Nutzern schon zuvor beantwortet worden. Wenn alle wüssten, was Facebook über sie weiß, würde sich so mancher erschrecken. Ich habe mich abgemeldet. Ob die Entscheidung endgültig ist, weiß nicht einmal Facebook.

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