Flüchtlinge in Europa – Wo erhalten Flüchtlinge die meisten Sozialleistungen?

Was Flüchtlinge in Deutschland erhalten

Flüchtlinge in Europa – Wo erhalten Flüchtlinge die meisten Sozialleistungen?

Sind 143 Euro für einen Flüchtling wirklich zu viel Geld? Sind Geldleistungen überhaupt die passende Lösung? Warum zahlt ein Land mehr, das andere Land aber weniger? Wo werden die meisten Anträge gestellt und welches Land hat durch diese Ausgaben die höchsten Kosten?

Finanzielle Unterstützung oder unnötige Almosen?

Europa ist gespalten und das nicht nur in Bezug auf die Meinung, wie mit dem starken Zustrom von Flüchtlingen weiter zu verfahren ist. Auch bei den Leistungen, die finanziell für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt werden, gibt es Differenzen. Die EU verfügt über eine sogenannte Quotenregelung. Diese Regelung besagt, dass jedes Land in der EU einen gewissen Teil an Notleidenden aufnehmen muss. Soweit die Grundlage. Doch gerade die finanziellen Leistungen in manchen Ländern sind es, die einen deutlichen Anreiz für Flüchtlinge darstellen, sich nicht gleichmäßig auf die Länder zu verteilen.

143 Euro sind es, die in Deutschland für reichlich Aufmerksamkeit und teilweise auch Aufregung sorgen. Jeder volljährige Flüchtling in unserem Land erhält vom Staat 143 Euro als Zuschuss – ohne Bürokratie – ganz einfach auf die Hand. Ein Geschenk oder nicht eher ein absolutes Grundbedürfnis, um das eigene Leben in Deutschland aufrechtzuerhalten, nachdem Angst und Gewalt das bisherige Leben bestimmte?

Viele Bürger fordern, statt bares Taschengeld Sachleistungen einzusetzen, um Flüchtlinge in Deutschland zu unterstützen. Der Grund: Diese finanzielle Leistung übertrifft teilweise das generelle Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit im Kosovo oder in Albanien. Für Thomas Herrmann, Bayerns CSU-Innenminister, Grund genug, um von einer „Zumutung für die deutschen Steuerzahler“ zu sprechen.

Was Flüchtlinge in Deutschland erhalten

Je nachdem, in welches Land Flüchtlinge einreisen, erhalten sie verschiedene Leistungen und Unterstützungen in Form von Geld und Material. In Deutschland werden in den Erstaufnahmeeinrichtungen folgende Leistungen geboten:

• Verpflegung
• Unterkunft
• Kleidung
• 143 Euro

Verlassen jene Flüchtlinge diese Einrichtung, werden sie mit 359 Euro monatlich unterstützt – dies ist ein ähnlich hoher Satz wie für Hartz-IV-Empfänger in Deutschland. Der Regelbedarf für alleinstehende Volljährige liegt derzeit bei 399 Euro. Ein spezielles Taschengeld gibt es nun zwar nicht mehr, allerdings werden die Kosten für die Unterkunft auch weiterhin übernommen.

Anträge auf Asyl in Deutschland

Für das aktuelle Jahr 2015 liegen noch keine aktuellen Werte vor, allerdings ist davon auszugehen, dass sich die Anzahl der Anträge auf Asyl drastisch gesteigert haben. Im Jahr 2014 lagen diese allein in Deutschland bei 202.700 Anträgen. Das entspricht 32 % aller Bewerber. In Schweden gingen 2014 ebenfalls 81.200 Anträge ein (13 %), in Italien mit 10 % noch 64.600 Anträge. Auch in Frankreich (62.800 / 10 %) und Ungarn (42.800 / 7 %) sind tausende Asylanträge gestellt worden.

Allein im Vergleich zwischen 2013 und 2014 ist die Zahl der Asylbewerber um 60 % gestiegen – und das nur in Deutschland. In Italien liegt dieser Wert sogar bei 143 %, in Ungarn bei 126 %.

Im Vergleich – diese Geldleistungen bieten andere Länder

Deutschland gilt in Hinblick auf die Geldleistungen als ein besonders großzügiges Land in der EU und verzeichnet dementsprechend auch hohe Zulaufzahlen an Flüchtlingen. Im Vergleich wird jedoch deutlich, dass es einige Länder gibt, die ebenso großzügig oder sogar noch großzügiger sind. Wichtig ist, zwischen einem Asylbewerber und einem Flüchtling zu unterscheiden, da hier auch die Geldleistungen abweichen können. Genaue Zahlen werden teilweise von den Ländern unter Verschluss gehalten. Einige Vergleichszahlen in Bezug auf die Geldleistungen für Asylbewerber lassen sich aber dennoch finden.

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Sozialleistungen und Geldleistungen für Flüchtlinge

Ganz unten auf der Liste der Länder in der EU stehen Griechenland und Italien. Hier können Asylbewerber keine Geldleistungen erwarten. Polen und Bulgarien sowie auch Slowenien stellen ebenfalls kaum Leistungen zur Verfügung und bieten lediglich eine Notversorgung an. In Bezug auf die finanzielle Situation der Länder ist dies kaum verwunderlich.

Ähnlich wie in Deutschland sieht es dagegen in Frankreich aus. Auch hier bietet die Sozialhilfe ein Existenzminimum für die Bürger, das mit dem Satz von Hartz IV verglichen werden kann. Ebenso sieht es bei der Unterstützung für Asylsuchende aus. Diese liegt monatlich bei einem Betrag von 330 Euro in Frankreich. Ein Blick nach Dänemark macht deutlich, dass auch dieses Land der EU durchaus finanziell recht freigiebig ist. Pro Person bietet Dänemark eine Taschengeldauszahlung in Höhe von 216 Euro. Für Kinder werden zusätzlich Beträge bis 300 Euro gezahlt. Ähnlich hoch ist die Zahlung in Luxemburg für Erwachsene. Diese liegt bei 225 Euro.

Aber: Deutlich zu unterscheiden ist, dass es noch Unterschiede bei der Höhe der Zahlungen abhängig davon gibt, wo die Flüchtlinge wohnen. Bei einer Unterbringung mit kompletter Versorgung sind die Auszahlungen deutlich geringer als für Asylbewerber, die sich selbst versorgen.

Anträge auf Asyl in anderen Ländern der EU

Die Zahlen in Bezug auf Asylanträge in anderen Ländern beziehen sich derzeit noch auf das Jahr 2014 sowie die ersten Monate des Jahres 2015. Innerhalb der EU verzeichnet Deutschland 32,4 % der Asylanträge. In Vergleich zu anderen Ländern ist das durchaus eine beeindruckende Zahl. So gingen in Ungarn im Jahr 2014 beispielsweise 6,8 % der Asylanträge ein, in Frankreich waren es 10 %. Schweden gab im Spätsommer 2015 Prognosen zur erwarteten Aufnahme der Flüchtlinge heraus. Wurden hier 2014 noch 81.300 Menschen aufgenommen, so werden es 2015 rund 74.000 Anträge sein, die bearbeitet werden.

Eine relativ kleine Zahl an Anträgen hat Österreich zu verbuchen. Hier liegt die Zahl bei 4,5 %. 37.000 Anträge auf Asyl wurden von Januar bis Juli 2015 in Österreich eingereicht. Das ist zwar eine deutliche Steigerung zu den Zahlen aus 2014. Dennoch nutzen die meisten Flüchtlinge Österreich lediglich als Durchgangsland und reisen von hier aus weiter nach Deutschland.

Auch Großbritannien hält sich zurück mit der Aufnahme von Flüchtlingen. So waren hier 2014 5,1 % an Asylanträgen zu verzeichnen. Das Vereinigte Königreich steht der Aufnahme von Flüchtlingen deutlich skeptisch gegenüber und nimmt klar Stellung. Innerhalb der kommenden 5 Jahre werde Großbritannien eine Anzahl an 20.000 Flüchtlinge aufnehmen, so die Regierung.

Unterscheidung zwischen absoluten und bevölkerungsbezogenen Daten

Die Zahlen in Bezug auf die Asylanträge sowie auf die Aufnahme von Flüchtlingen sind für die Bevölkerung oft erschreckend. Dabei sollte jedoch unterschieden werden zwischen den absoluten Zahlen und der Aufnahme von Flüchtlingen in Bezug auf die Bevölkerungszahl. So nimmt Deutschland beispielsweise in Bezug auf die absoluten Zahlen im Vergleich zu anderen EU-Ländern die meisten Flüchtlinge auf. Dies gilt jedoch nicht in Bezug auf die Einwohnerzahl. Durchschnittlich kommen in Deutschland 2,1 Asylbewerber auf eine Zahl von 1.000 Einwohner. In Schweden dagegen sind es 7,8 Asylbewerber und in der Schweiz 2,7 Asylbewerber.

Doch es gibt auch Länder, die weniger Asylbewerber auf 1.000 Einwohner haben als Deutschland. So kommen in Frankreich rund 0,9 Asylbewerber auf 1.000 Einwohner, in Spanien sind es 0,1 Asylbewerber. Die Zahlenangaben beziehen sich auch hier derzeit auf die Auswertungen des Jahres 2014 sowie den Anfängen von 2015. Ein Beitrag von ariva.de

DasParlament

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