Gewalt in Bottrop und Amberg – Die Menschen haben es satt

Kriminologe zur Amokfahrt in Bottrop und Essen: "Es brodelt in den Leuten"

Gewalt in Bottrop und Amberg – Die Menschen haben es satt

Das neue Jahr beginnt mit Gewalt und einer fremdenfeindlich motivierten Amokfahrt. Viel schlimmer hätte es nicht kommen können. In Bottrop und Essen fährt ein Deutscher mit einem Auto gezielt in Gruppen von Menschen, die er als Ausländer wahrnimmt. Dies gibt er in ersten Vernehmungen zu, wie die Polizeipräsidentin von Recklinghausen und der NRW-Innenminister (der schnell vor Ort war und klare Worte fand) unzweifelhaft klarmachen. Dass der offenbar psychisch kranke Mann gezielt Jagd auf Ausländer macht, ist besorgniserregend. Es zeigt, wie ernst fremdenfeindliche Stimmungen in diesem Land genommen werden sollten.

Zwar ist die Zahl der fremdenfeindlichen Taten in NRW rückläufig, aber wenn man liest, wie der Anschlag von Bottrop in den sozialen Netzwerken verharmlost wird, ahnt man, was da brodelt. Einzige sinnvolle Reaktion: Volle Aufklärung, auch über mögliche Unterstützer. Rasche Konsequenzen. Mit der nötigen Härte sollte der Staat auch gegen kriminelle Ausländer vorgehen, wie Amberg sie erlebt hat. Dort hatte am Wochenende eine Gruppe betrunkener Asylbewerber scheinbar wahllos zwölf Passanten verprügelt. Es wird Zeit, dass der Staat durchgreift. Egal woher und aus welcher Motivlage die Gewalt kommt.¹

Warum die Bewertungen so gegensätzlich ausfallen, ist offenkundig. Islamistischer Terror gilt als Angriff auf eine nicht-muslimische Mehrheitsgesellschaft. Terror, der sich gegen Migranten richtet, glaubt, an eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit andocken zu können – im Zweifel gar im Geist der Mehrheit oder eines „Volkswillens“ zu handeln. Weil das alles so ist, setzt nach Ereignissen wie denen von Bottrop und Amberg ein unappetitlicher und unproduktiver Streit ein. Die eher Rechten führen die Taten von Ausländern ins Feld; die eher Linken setzen die Taten von Ausländerfeinden dagegen. Tatsächlich müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass es beides gibt: Islamistische wie rechtsextremistische Gewalt – und das in allen Schattierungen.²

Der Kriminologe Hans-Dieter Schwind sieht eine Ursache von Amokfahrten wie in der Silvesternacht in Bottrop und Essen mit acht Verletzten in einem wachsenden Bedrohungsgefühl durch die Zuwanderung. „Es brodelt in den Leuten, und dann kommt es plötzlich zum Ausbruch“, sagte Schwind der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. „Das ist eine gefährliche Entwicklung. Ich habe einen solchen Fall schon viel früher erwartet“, sagte Schwind, der an der Ruhr-Uni Bochum und der Uni Osnabrück lehrte. Solche Amokfahrten oder auch die Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte der vergangenen Monate seien die extreme Spitze einer allgemeinen Entwicklung, „und ich befürchte, dass sich dies fortsetzt“, so Schwind. „Die Willkommenskultur ist am Ende“, fügte er an.

Der Bielefelder Konflikt- und Gewaltforscher Andreas Zick sagte, dass sich zunehmend Menschen aus der Mitte der Gesellschaft radikalisierten, die zuvor keinen Bezug zu einer rechtsextremen Ideologie hatten. „Der Essener Täter war mit Sicherheit zuvor im Internet unterwegs und hat sich anstecken lassen von einer Bewegung, die meint, das Land werde überfremdet und die Politik habe die Kontrolle verloren“, sagte Zick der WAZ. „Es gibt eine wachsende Stimmung in der Bevölkerung, die von nationaler Identität spricht, von Widerstand und von Kontrolle, die man wieder in die eigene Hand nehmen müsse. Diese Selbstermächtigung der Bürger besorgt mich sehr.“³

¹Michael Bröcker – Rheinische Post ²Mitteldeutsche Zeitung ³Westdeutsche Allgemeine Zeitung

DasParlament

Eine Antwort auf "Gewalt in Bottrop und Amberg – Die Menschen haben es satt"

  1. Buerger   Sonntag, 6. Januar 2019, 14:03 um 14:03

    „Die Willkommenskultur ist am Ende“

    Gewalt ruft immer Gegengewalt hervor, da sollten mal unsere Politiker drüber nachdenken.

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