Grünen-Chef Habeck: Lichtgestalt gerät ins Schlingern

Grünen-Chef Habeck: Souverän ist anders

Grünen-Chef Habeck: Lichtgestalt gerät ins Schlingern

Robert Habeck gilt als politisches Glückskind. Gemeinsam mit Co-Chefin Annalena Baerbock verkörpert er, was die Grünen neuerdings so modern und zeitgeistkonform wirken lässt. Gut möglich, dass es Habeck deshalb auch gelingt, seinen Abschied von Twitter und Facebook als Beitrag zur Erneuerung der politischen Kultur zu verkaufen. Dabei hat Habeck wohl bloß ein simples Ablenkungsmanöver vollführt. Als ob irgendwo in Deutschland Diktatoren ihr Unwesen trieben. Und als ob Habeck persönlich darüber zu befinden hätte, wo demokratische Verhältnisse herrschen und wo nicht. Beides ist so falsch wie anmaßend. Sein Rückzug aus den sozialen Netzwerken wird da fast schon zur Flucht. Souverän ist anders.¹

Was für eine Entscheidung. Von jetzt auf gleich wirft Grünen-Chef Robert Habeck den sozialen Netzwerken die Brocken vor die Füße. Er löscht seine Accounts bei Facebook und Twitter. Wenn er das mal nicht eines Tages bedauert und wieder zurückkehrt. Knapp 100.000 Menschen erreicht er auf diesen Wegen direkt. Das ist für einen Spitzenpolitiker eine wichtige Währung. Ohne geht es eigentlich fast gar nicht mehr. Grundsätzlich ist Habecks Entschluss natürlich zu respektieren. Aber die Art und Weise, die Begründung zeigen: Die grüne Lichtgestalt gerät ins Schlingern. Bisher gehen die aktuellen Erfolge der Grünen mit Habeck – und natürlich der Co-Vorsitzenden Annalena Baerbock – nach Hause.

Jetzt sind jedoch erstens Habecks Social-Media-Konten geknackt worden, familiäre Details sind veröffentlicht. Das ist sehr ärgerlich. Darüber hinaus kommuniziere zweitens das Medium Twitter „sehr hart“, wie Habeck mitteilt. Das klingt nun etwas weinerlich. Zumal der Grünen-Chef fast gleichzeitig selbst ein Interview online gestellt hat, in dem er dem Bundesland Thüringen Demokratie, Offenheit und Liberalität abspricht. Obwohl die Grünen mit in der Regierung sitzen. Das ist ein übler Bock. Aber solche Fehler passieren im Eifer des Gefechtes. Deshalb muss niemand gleich hinwerfen und sich der Debatte entziehen. Altkanzler Gerhard Schröder hat mal gesagt: „Wem es in der Küche zu heiß ist, der sollte nicht Koch werden.“²

Der 49-Jährige hat in zwei Landtagswahlkämpfen – in Bayern und Thüringen – den Eindruck erweckt, als beginne die Demokratie erst, wenn die Grünen Erfolg hätten. Beide Male hat er dies sehr bald als missglückt eingestanden. Dabei tat Habeck hier wie dort so, als habe es sich um Malheurs unter Zeitdruck gehandelt, statt zum Kern der Dinge vorzudringen. Auch wenn keiner in den Kopf des Grünen-Chefs sehen kann, so scheint der Kern der Dinge zu sein, dass im Inneren dieses Mannes doch jene Arroganz verborgen ist, die den Seinen vorgeworfen wird. Beide Videos belegen eine moralische Überhöhung – im Namen der Partei.³

¹Thomas Fricker – Badische Zeitung ²Carsten Heil – Neue Westfälische ³Mitteldeutsche Zeitung

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