Kampf gegen Kindesmissbrauch: NRW-Polizei hat Zahl der Ermittler mehr als verdoppelt

NRW verstärkt Kriminalpolizei - Minister: "Handlungsbedarf wegen Pannen im Fall Lügde"

Kampf gegen Kindesmissbrauch: NRW-Polizei hat Zahl der Ermittler mehr als verdoppelt

Die nordrhein-westfälische Polizei hat innerhalb weniger Monate die Zahl der Fahnder im Bereich des Kindesmissbrauchs von rund 105 auf 220 aufstocken können. Das ergab eine Umfrage der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ unter allen Kreispolizeibehörden des Landes, die das Landeskriminalamt (LKA) zusammengefasst hat. Demnach wurden die Kräfte aus anderen Direktionen der Polizei abgezogen. Insbesondere erfolgte die Verlagerung der Stellen aus den Bereichen des Wohnungseinbruchs und der Straßenkriminalität. Zur Bekämpfung der Kinderpornografie sind laut LKA spezielle Kenntnisse erforderlich.

„Aus diesem Grunde wurde Wert darauf gelegt, dass möglichst erfahrene Sachbearbeiter in diesem Deliktsbereich eingesetzt werden“, sagte LKA-Sprecher Frank Scheulen. Und die Maßnahme zeigt bereits Erfolge im Kampf gegen Kinderschänder: So konnte die Anzahl nicht vollstreckter Durchsuchungsbeschlüsse von 557 auf 428 verringert werden, wie die Umfrage ergab. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte im Juni dieses Jahres die Kreispolizeibehörden des Landes aufgefordert, die Stellen im Kampf gegen Kindesmissbrauch so schnell wie möglich zu verdoppeln.¹

Die schwarz-gelbe Landesregierung Nordrhein-Westfalens will die Kriminalpolizei verstärken. „Kommissaranwärter mit besonderen Talenten sollen die Möglichkeit erhalten, direkt nach der dreijährigen Ausbildung zur Kripo wechseln zu können“, sagte Innenminister Herbert Reul dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Die Ermittlungspannen im Fall Lügde haben gezeigt, dass bei der Kripo Handlungsbedarf gibt. Deswegen haben wir uns jetzt für diesen pragmatischen Weg entschieden“, fügte der CDU-Politiker hinzu. Bei der NRW-Polizei sind derzeit rund 40.000 Beamte eingesetzt, davon arbeiten rund 8500 bei der Kripo. „Die Spezialisten, die wir haben, sind im Durchschnitt zu alt“, erklärte Reul.

Gleichzeitig gebe es bei den 2500 Polizei-Studenten, die jährlich eingestellt würden, „unheimlich viel Wissen“, das nicht abgerufen werde. Diese Talente sollen nun ermittelt und für die Kripo beschleunigt erschlossen werden. Normalerweise müssen die Kommissaranwärter nach der Ausbildung mindestens ein Jahr im Wach- und Wechseldienst arbeiten. Dann steht in vielen Behörden eine zweijährige Dienstzeit bei der Bereitschaftspolizei an. Oft können die Beamten erst sieben Jahre nach ihrem Diensteintritt bei der Polizei eine Kripo-Laufbahn einschlagen. Das Programm „Spezialisten zu Polizisten“ ist zunächst auf die Jahre 2020 bis 2023 beschränkt.

Der Bundesvorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, sagte der Zeitung: „Wir begrüßen den Vorstoß, Spezialisten schneller zur Kripo zu bringen.“ Gleichwohl gehen dem BDK die Pläne nicht weit genug. Im Kern handele es sich „um eine Mischung aus sinnvollen, zaghaften Schritten und Symbolpolitik“. Um die Kripo fit zu machen, müssten mindestens 2500 zusätzliche Stellen und ein spezieller Ausbildungsgang für die Kripo geschaffen werden. Michael Mertens, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW, erklärte, der Fall Lügde zeige, dass bei der Kripo Handlungsbedarf bestehe. „Deswegen stimmen wir der beschleunigten Kripo-Zuweisung für die nächsten drei Jahre zu“, sagte Mertens dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Reuls Schritt dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in allen Bereichen Personal fehle.²

Innenminister Reul begrüßt Urteile im Lügde-Prozess

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hat die Urteile im Missbrauchsfall Lügde begrüßt. Dem WESTFALEN-BLATT sagte er: „Die Urteile sind eine Warnung an alle Täter. Besonders die Anordnung der Sicherungsverwahrung. Das hilft dem Kinderschutz, das Leiden der Opfer lindert das natürlich nicht. Solche Täter sind aber eine zu große Bedrohung, als dass man sie nach Verbüßung ihrer Strafe einfach wieder auf freien Fuß lassen könnte. Ich freue mich auch, dass die Arbeit der Polizei in Bielefeld und der Justiz zu diesen schnellen Urteilen geführt hat. Doch nach dieser Entscheidung gilt: Wir müssen besser und schneller werden, um diese monströsen Taten in Zukunft zu verhindern. Das ist meine Lehre aus diesem Fall, und das zu erreichen, ist jetzt erst recht ein vorrangiges Ziel meiner Amtszeit.“³

¹Rheinische Post ²Kölner Stadt-Anzeiger ³Westfalen-Blatt

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