Lucke versucht im Chaos seine AfD zu retten

Luckes Geister außer Kontrolle

Lucke versucht im Chaos seine AfD zu retten

Björn Höcke wollte anders sein, sich vom Establishment abheben. Allerdings war seine Außenwirkung gleich zu Beginn die eines Politiknovizen mit rhetorischer Begabung, der sein Rüstzeug in den Jugendorganisationen der doch so verdammten „Altparteien“ gelernt hatte. Im Landtagswahlkampf spitzte der heutige AfD-Partei- und Fraktionschef zu, polarisierte. Da wurde Gender-Mainstreaming zur „Geisteskrankheit“ und zu einem „Sonntagskind der Dekadenz“. Damit hatte der äußerlich jugendlich anmutende Eichsfelder ebenso Erfolg wie mit seinem gesellschaftlichen Leitbild der Drei-Kinder-Familie.

Doch der Mann auf historischer Mission hat die Kontrolle verloren. Höcke gibt sich tolerant und hält die Freiheit der Meinung hoch, aber gegen Kritiker geht er rigoros vor.

Hinzu kommt: Auch wenn die Union ausreichend Platz am demokratisch rechten Rand lässt, und eine AfD, die sich nur wirtschaftsliberal gibt, nicht überlebensfähig scheint – Höckes Kardinalfehler war, ob beabsichtigt oder durch Naivität, sich bei der NPD anzubiedern. Mit dem Satz „Ich gehe nicht davon aus, dass man jedes einzelne NPD-Mitglied als extremistisch einstufen kann“ hat er eine Grenze überschritten. Wer als demokratischer Volksvertreter den Eindruck erweckt, seine vorrangige Aufgabe sei die Resozialisierung rechtsextremer Parteigänger, disqualifiziert sich selbst. Kommentar von Elmar Otto Thüringische Landeszeitung

Chaos in der AfD

Bernd Lucke hat mit seiner AfD vieles richtig gemacht, weil er zur richtigen Zeit einen Nerv getroffen hat – und doch steht er vor dem Scheitern. Denn seine Partei, die explizit anders sein wollte als alle anderen Parteien, zog auch Anhänger an, die anders als alle anderen sein wollten. Die Euro-Rettungspolitik, Luckes Anliegen, geriet schnell in den Hintergrund. In den Wahlkämpfen des Jahres 2014 in den drei ostdeutschen Ländern rückte die Partei deutlich nach rechts. Damit hatte sie zwar Erfolg, doch dies zog weitere Anhänger an, mit denen Lucke nichts zu tun haben wollte und die ihrerseits die Partei noch weiter nach rechts rückten. Ein Teufelskreis. Lucke, noch immer das Aushängeschild seiner Partei, wurde die Geister, die seine Partei anzog, nicht mehr los und drohte zum Außenseiter zu werden. Kommentar von Martin Ferber Badische Neueste Nachrichten

Krachend gescheitert

In einer Hinsicht ist die Alternative für Deutschland (AfD) einsame Spitze: im Pöbeln und Diffamieren. Wie führende Parteimitglieder dort übereinander herfallen, um Rücktritte zu erzwingen, sucht in der Parteienlandschaft seinesgleichen. Dabei geht es um eine grundsätzliche Richtungsentscheidung. Ist die AfD vor allem eine Vereinigung von neoliberalen Eurokritikern, wofür Parteichef Bernd Lucke steht, oder handelt es sich im Kern um eine rechtsradikale Gruppierung, die gegen Ausländer und Flüchtlinge zu Felde zieht und Ressentiments schürt? Diese zweite Spielart der AfD wird keineswegs nur im Osten der Republik gepflegt, aber dort geht es deftiger zu als woanders: Der thüringische AfD-Chef Bernd Höcke will die rechtsextreme NPD hoffähig machen. Der Zeitpunkt ist atemberaubend. Gerade erst hat sich die Jugendorganisation der NPD daran beteiligt, in Weimar eine 1.-Mai-Kundgebung des DGB zu überfallen. Kann man eine Partei wie die AfD noch ernst nehmen? Lucke ist jedenfalls krachend gescheitert. Sein Konzept der wirtschaftlich orientierten Anti-Euro-Partei haben ihm andere aus der Hand geschlagen. Von Alexandra Jacobson, Berlin Neue Westfälische

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