Mehr Rente! Mehr Steuern? Folge: Stadtflucht!

Zu Lasten der Älteren

Deutscher Steuerberaterverband e.V. und Bundesverband der Rentenberater e.V. informieren gemeinsam über steuerliche Folgen der geplanten Rentenerhöhung. Die statistisch belegte Stadtflucht vieler Senioren ist ein Armutszeugnis für die städteplanerische Politik in Deutschland.

Mehr Rente! Mehr Steuern? Folge: Stadtflucht!

Denn es geht vielen dieser Flüchtenden ja nicht darum, den Lebensabend in einem beschaulicheren Umfeld zu verbringen. Sie müssen angesichts horrender Stadtmieten schlicht und einfach zusehen, dass sie im hohen Alter über die Runden kommen – und nehmen deshalb einen Umzug hin. Wie sich die demografische Lage entwickeln würde, ist jedoch seit Jahren bekannt, und wie sich die Rentensituation älterer Menschen darstellen würde, dürfte den politisch Verantwortlichen eigentlich seit geraumer Zeit ebenfalls kein Geheimnis sein. Doch für das Grundbedürfnis „Bezahlbarer Wohnraum“ wurde bislang viel zu wenig getan. Höchste Zeit nachzubessern! Michael Minholz Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung

Ein Armutszeugnis

Großstädte und Ballungszentren ziehen massiv junge Leute an: Jobs, Universitäten, kulturelle und gastronomische Angebote locken in die Metropolen – und treiben die Preise hoch. Den Verdrängungswettbewerb um billigen Wohnraum können Ältere mit sinkenden Renten meist nicht gewinnen. Ein Teil der Generation 65 plus wandert ab in die Umlandgemeinden. Noch spielt die zunehmende Stadtflucht finanzschwacher Senioren in der Gesamtstatistik der Großstädte nicht die ganz große Rolle.

Für Senioren, die ihren Lebensabend im gewohnten Umfeld verbringen wollten, werden die Mietpreissteigerungen aber beim Eintritt in die Rente zur Existenzfrage. Schon heute haben die Hälfte der Einwohner von Köln, Düsseldorf und Bonn Anspruch auf eine geförderte Wohnung – nur fehlt es an allen Ecken und Enden an billigem Wohnraum. Dabei sind Bürger gerade im Alter auf eine gute Infrastruktur angewiesen. Kurze Wege zu Arzt und Apotheke und ein guter öffentlicher Nahverkehr sind unverzichtbar, wenn Senioren lange in der alten Wohnung leben wollen. Wenn aber immer mehr Senioren aus Kostengründen in Umlandgemeinden abwandern, müssen diese Kommunen den Neubürgern auch eine ausreichende medizinische Betreuung anbieten.

Das ist derzeit allerdings längst nicht überall gewährleistet. Mit der aktuellen Zuwanderung wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt in den Ballungszentren. Bund und Land wollen die Mittel für den sozialen Wohnungsbau deutlich aufstocken. Ob die Verdrängung der Senioren aus den teuren Großstädten gestoppt werden kann, ist offen. Wilfried Goebels Westfalenpost

Zu Lasten der Älteren – Kurzfristiger Erfolg

Gute Nachricht für Millionen von Senioren: Die Rentenerhöhung am 1. Juli fällt mit 4,25 Prozent im Westen so hoch aus wie lange nicht mehr. Sie profitieren von den kräftig steigenden Löhnen der Erwerbstätigen und von der zunehmenden Beschäftigung. Nach mageren Jahren, in denen teilweise die Erhöhung ganz ausfiel, ist das Balsam für viele geplagte Rentner, zumal die Inflation derzeit niedrig ist. Leider wird häufig ein Teil des Zuschlags dadurch aufgefressen, dass die meisten Krankenkassen ihre Beiträge erhöht haben.

Bei den Rentnern wirkt sich das seit Anfang März aus, zwei Monate später als bei den Arbeitnehmern. Auch in den nächsten Jahren können die Rentner mit jährlichen Erhöhungen rechnen, solange die Löhne und Gehälter weiter steigen. Nach der Rentenformel sinkt allerdings das Rentenniveau, wenn die Zahl der Jungen im Beruf zurückgeht. Dramatisch klingt, dass fast zwei Drittel der Bevölkerung befürchten, von der gesetzlichen Rente nicht gut leben zu können. Doch genau diese Weichenstellung hat die Politik vor 15 Jahren mit der Einführung der Riester-Rente getroffen: Die gesetzliche Rente wurde zur Basisversorgung herabgestuft.

Allerdings haben viele nicht die nötigen Konsequenzen gezogen und zusätzlich privat vorgesorgt, obwohl dies erheblich vom Staat gefördert wird. Manchem fehlte schlicht das Geld. Daher muss die Politik das Konzept überarbeiten, auch wenn das schwierig wird. Südwest Presse

Wohnungsmangel als Chance und Herausforderung

Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in Deutschland ist unbestreitbar hoch. Keine Prognose liegt mehr unter 350.000 benötigten Wohneinheiten pro Jahr in den nächsten fünf bis sechs Jahren. Das sind rund 2 Mio. benötigte Wohnungen bis 2021. Der Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine (DAI) plädiert für die klare Strategie der innerstädtischen Verdichtung statt neuer Flächenversiegelung. Dabei gilt es wichtige städtebauliche und planerische Aspekte zu berücksichtigen.

Bereits im Herbst 2015 hat der DAI eine Studie der TU-Darmstadt aufgegriffen und ebenfalls auf die Möglichkeiten der Aufstockung in den Städten und Kommunen hingewiesen. Struktureller und akuter Wohnraummangel könnten so rasch behoben werden. Es bedarf jedoch einer direkten und indirekten Förderpolitik.

„Erstens müssen bürokratische Hürden schnell genommen werden. So ist die geplante vereinheitlichte Musterbauordnung ein richtiger Schritt. Zweitens müssen die Bemühungen für das Programm bezahlbares Bauen und Wohnen konsequent fortgeführt werden“, sagt DAI Präsident Prof. Dipl.-Ing. Christian Baumgart. „Aufstockung bedeutet in vielen Fällen auch einen signifikanten Mobilitätsbeitrag, wenn beispielsweise Häuser mit mehr als fünf Geschossen Aufzüge bekommen. Mit Blick auf die demographische Entwicklung im Land ein wichtiger Aspekt. Drittens würden zügige Genehmigungsverfahren und der Wegfall überzogener Auflagen beispielsweise für KfZ-Stellplätze ihren Beitrag leisten“, ist Baumgart überzeugt und ergänzt, „dass Kommunen viertens nicht immer das Maximalpreisprinzip bei eigenem Baugrund verfolgen sollten. Das treibt die Baukosten ebenfalls nach oben.“

Der DAI lehnt eine direkte Förderung per Gießkanne ab. Man müsse sich die Bauvorhaben genau anschauen. Innerstädtische Verdichtungen im Luxussegment seien nicht per se förderungswürdig, betont der Verband. Laut Präsident Baumgart muss ein Kriterienmix erfüllt werden. „Wo macht es baulich Sinn? Trägt die Maßnahme zur innerstädtischen Verdichtung bei und passt sie zur vorhandenen Sozialstruktur? Akzeptieren die Bestandsbewohner das Vorhaben?“ Schließlich wäre darauf zu achten, dass vermietbarer Wohnraum geschaffen wird und die Vermietung zu ortsüblichen Konditionen erfolgt. „Bei dieser zielgenauen Umsetzung im Wohnungsbau haben Architekten und Ingenieure die passenden konstruktiven Ideen und stehen den politischen Entscheidern jederzeit mit Rat und Tat zur Seite“, wiederholt Baumgart sein Angebot.

Die Aufstockung des Einzelplans 16 (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit) im Bundeshaushalt 2017, wie es das Eckpunktepapier der Bundesregierung vorsieht, begrüßt der DAI ausdrücklich. Diese Aufstockung sollte jedoch die nächsten fünf Jahre konsequent beibehalten und nicht bereits ab 2018 schon wieder zurück gefahren werden.
Gegründet 1871, gehören dem DAI 32 Architekten- und Ingenieurvereine im gesamten Bundesgebiet an. Damit vertritt der Verband die Interessen von ca. 4.000 Architekten, Ingenieuren und Planern. Der Verband gibt die Fach- und Verbandszeitschrift BAUKULTUR heraus. DAI Verband Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e.V.

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