Nahles – die stärkste Kraft der SPD

Nahles muss sich noch beweisen

Um nach dem historischen Wahldesaster seinen Job als SPD-Chef zu retten, musste Martin Schulz auf den Fraktionsvorsitz verzichten. Damit aber rückt Andrea Nahles in die Pole-Position der SPD und wird zur stärksten Kraft in der SPD. Wenn es in vier Jahren um die Frage geht, wer die SPD in den Wahlkampf führt, wird man an ihr nicht vorbeikommen. Egal wer gerade Parteichef ist. Straubinger Tagblatt

Nahles – die stärkste Kraft der SPD

Nahles: „Ab morgen kriegen sie in die Fresse“

Die große Mehrheit für Andrea Nahles überrascht nicht. Alles andere hätte die tief getroffene SPD noch mehr beschädigt. Ob Nahles die beste Anführerin der Oppositions-SPD ist, muss sich zeigen. Nach der raschen Absage einer weiteren Großen Koalition stehen die Sozialdemokraten vor dem Neustart. Natürlich mit dem gewohnten Personal. Denn wo sollen so schnell die neuen Leute mit den guten Ideen herkommen? Schließlich wurde in den gemütlichen Jahren der GroKo die Nachwuchsförderung sträflich vernachlässigt. Nahles muss zeigen, wofür die künftige SPD-Fraktion steht. Das ist nicht leicht, nebenan sitzen die Linken, die als soziales Gewissen der Nation auftreten werden. Grenzt sich die SPD da ab; oder findet man gar wieder zusammen? Man weiß es (noch) nicht, denn Nahles kennt man mit unterschiedlichen Haltungen: Früher als streitlustige Juso-Vorsitzende; zuletzt als erfolgreiche Ministerin, deren Tatkraft auch die CDU schätzte. Was kommt nun? Ihre gestrige drastische Wortwahl bleibt hoffentlich ein Ausrutscher.

Unklarheit auch bei Parteichef Martin Schulz. Über seine Zukunft entscheidet die vorgezogene Wahl in Niedersachsen am 15. Oktober. Scheitert die SPD erneut, steht er im Feuer. Dabei wäre es wünschenswert, wenn die älteste deutsche Partei bald aus dem tiefen Tal herausfände. Als Partei der Berufstätigen und ihrer Familien, die für Fortschritt und immer wieder für Bildung steht. Unangenehm darf dabei kein Thema sein, weder Infrastruktur, Zuwanderung oder Integration. Einige SPD-Oberbürgermeister an Rhein und Ruhr wie Frank Baranowski oder Sören Link tun dies bereits. Es würde helfen, wenn die SPD im fernen Berlin ihnen mal gut zuhört. Manfred Lachniet – Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung

Die SPD richtet sich ein in ihrer neuen Rolle. Doch was so reibungslos wirkt, wirbelt die Sozialdemokraten heftiger durcheinander, als sie zugeben mögen. Bisher galt das Zitat von Franz Müntefering: „Opposition ist Mist.“ Nun, nach einer historischen Wahlpleite, ist Opposition plötzlich Ehrensache. Statt zu regieren wird jetzt opponiert, und zwar mit Leidenschaft. Aber auch nur kurz, denn Andrea Nahles, neue Fraktionschefin, will schon in vier Jahren eine SPD präsentieren, die wieder über 30 Prozent liegt. Dann soll die Union zittern müssen und so ganz nebenbei die AfD aus dem Bundestag fliegen.

Große Ziele also, die Nahles sich da steckt. Doch bei allem Optimismus: Sie macht sich ihre sozialdemokratische Welt so, wie sie ihr gefällt. Tatsächlich liegen vier harte Jahre vor den Genossen, die nach der Schrumpfkur in der Regierung Merkel und der verpatzten Aufholjagd erst einmal ihre Würde wiederherstellen müssen. Stolz mag die SPD ja noch sein, doch sie liegt am Boden. Wofür steht sie? Für wen kämpft sie? Ist Martin Schulz der Richtige an der Spitze? Und was wird aus Sigmar Gabriel, der so tut, als sei er gar nicht mehr da? Kaum vorstellbar, dass er seiner Lieblingsfeindin Nahles kampflos das Feld räumt. Die SPD muss also aufpassen, dass sie sich nicht zuallererst mit sich selbst beschäftigt anstatt mit leidenschaftlicher Oppositionsarbeit. Hans-Ulrich Brandt – Weser-Kurier

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