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Nahost-Konflikt / Antisemitische Proteste

Kipa Jude ISrael

Kipa Jude ISrael

Viel erinnert in Nahost an 2014, die Zeit des letzten Gazakriegs. Oder an 2008/2009, die ganzen Krisen davor. Deshalb ist die Furcht vor einer Ausweitung der Kämpfe mehr als berechtigt. Aber: Diesmal ist der Konflikt noch gefährlicher. Denn in Israel greifen Angehörige der arabischen Minderheit zur Gewalt. Und hierzulande wird der Konflikt von antisemitischen Demonstrationen und Angriffen auf jüdische Einrichtungen begleitet. Der Konflikt tobt also nicht nur zwischen Gaza und Israel, sondern es gibt auch Abgründe in Israel selbst und hier bei uns. In den Zeiten relativer Ruhe in Nahost hat sich viel Unheilvolles getan. Erstens ist die Hamas wohl von Iran aufgerüstet worden.

Zweitens haben sich in Israel die Fronten zwischen Arabern und Juden verhärtet. Drittens haben hierzulande Gruppierungen, die der Hamas und palästinensischen Milizen nahestehen, viel Geld gesammelt – laut Verfassungsschützern mit dem Ziel, Gewalt zu säen; eine hat der Bund unlängst verboten: Ansaar International. Doch damit nicht genug. Denn da sind, viertens, hierzulande noch rechte und linke Fanatiker, die Israel als gemeinsamen Feind pflegen. Sie sind deutlich lauter geworden und kochen nun ihr widerliches eigenes Süppchen vor dem Hintergrund des Konflikts. Krieg im Nahen Osten muss man im Namen der Menschenrechte ja verurteilen. Auch die Politik des Staates Israel ist oft kritikwürdig. Das Selbstverteidigungsrecht Israels aber darf niemand in Zweifel ziehen. Und Angriffe auf Juden oder Synagogen sind nichts anderes als Attacken gegen eine Religion – und nichts als purer, niemals zu duldender Antisemitismus.¹

Man kann in der Bewertung dieses Konflikts durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Völlig inakzeptabel ist aber der unverhohlene Antisemitismus, der sich derzeit Bahn bricht – wobei es letztlich zweitrangig ist, ob es sich um linken, rechten oder islamischen Antisemitismus handelt. Letzterer lässt sich auch nicht mit einem Migrationshintergrund oder persönlicher Betroffenheit rechtfertigen: Wer hier lebt, teilt die historische Verantwortung der Gesellschaft dafür, jeder Form von Judenfeindschaft entgegenzutreten. Und natürlich hat die Empörung etwas Heuchlerisches: Wo blieben denn die Massenproteste gegen die massenhafte Internierung von muslimischen Uiguren in China, oder gegen den Völkermord an den muslimischen Rohingya in Myanmar?

Angesichts der jüngsten Übergriffe ist vor allem die Zivilgesellschaft gefragt: Jeder kann bei Demonstrationen oder Mahnwachen ein Zeichen der Solidarität mit den betroffenen jüdischen Gemeinden setzen. Das geht übrigens auch, wenn man Israels Politik in Gaza kritisiert.²

¹Andreas Härtel – Allgemeine Zeitung Mainz ²Rhein-Neckar-Zeitung

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