NRW-Justizminister Kutschaty fordert Toiletten-Putzen und Stadion-Verbote zur Ahndung von Straftaten

Gewalt gegen Fans von RB Leipzig

NRW-Justizminister Kutschaty fordert Toiletten-Putzen und Stadion-Verbote zur Ahndung von Straftaten

„Wer einen Tag lang im Park die öffentlichen Toiletten gereinigt hat, überlegt es sich zweimal, ob er mutwillig einen Mülleimer an der Bushaltestelle demoliert. Und wer als Hooligan auf friedliche Fußballfans losgeht, darf in Deutschland kein Stadion mehr betreten.“ Solche variablen Strafen sieht bislang nur das Jugendstrafrecht vor.

Hintergrund der Forderung ist ein Gesetzentwurf der Bundesregierung, wonach Richter künftig Fahrverbote zur Ahndung von Straftaten wie Steuerhinterziehung, Beleidigung, Körperverletzung oder Betrug zusätzlich zu Geld- und Haftstrafen verhängen können sollen. Der Gesetzentwurf wurde bereits vom Kabinett verabschiedet und wird am Freitag im Bundesrat beraten. Kutschaty begrüßt den Gesetzentwurf als Schritt in die richtige Richtung. Er sagte: „Mit dem Fahrverbot zeigen wir einem Straftäter deutlich spürbare Konsequenzen auf und zwar unabhängig von seinem Geldbeutel. Das kann im Einzelfall sogar besser wirken als eine Bewährungsstrafe, die manche Täter nicht beeindruckt, weil ja zunächst nichts passiert.“ Rheinische Post

Leipzigs Warnung unterschätzt

Mehr Einsatzkräfte bei Fußballspielen seien keine Lösung, hat NRW-Innenminister Jäger am Mittwoch noch einmal betont. Man könne nicht neben jeden Fan einen Polizisten stellen. Alles richtig. Die millionenschweren Bundesliga-Klubs müssen ihr Hausrecht entschlossener durchsetzen, die Selbstreinigungskräfte der Fanszene endlich aktiviert werden.

Doch was nützen solche Appelle, wenn Frauen und Kindern auf dem Weg zum Stadion Steine an den Kopf geworfen werden? Im öffentlichen Raum ist der Staat für die Sicherheit zuständig, und der Brandbrief aus Leipzig an das Innenministerium lässt befürchten, dass die Wut des Mobs auf die Red-Bull-Neureichen nicht richtig eingeschätzt wurde. Zudem können die Polizei-Einsatzleiter nur die Kräfte verplanen, die ihnen zur Verfügung gestellt werden.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die permanent geforderte Bereitschaftspolizei in NRW längst nicht mehr leisten kann, was sie alles bekämpfen soll: Terror, Silvesterübergriffe, No-Go-Areas, Hooligans. Nach der Randale von Dortmund gehören alle Fragen der inneren Sicherheit auf den Tisch. Mal wieder. Tobias Blasius – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Der Fußball ist frei

Der Hass auf RB Leipzig wird von schrägen Thesen gefördert. Damit muss nun Schluss sein.

Fußball-Fans jubeln. Sie pfeifen. Sie rasten aus vor Glück. Sie schreien aus Zorn. Sie stimmen Freudengesänge an. Sie buhen. Sie feiern. Sie weinen. Sie lachen. Sie gebrauchen Schimpfwörter und Beleidigungen. Sie loben. Und das alles ist wunderbar und gut so und auch in seiner gesamten Bandbreite völlig in Ordnung – solange grundsätzliche Grenzen im Umgang von Menschen untereinander beachtet werden. Wer Banner im Stadion aufhängt, auf denen „Bullen abschlachten“ und „Pflastersteine auf Bullen“ steht, oder sogar selbst Flaschen und Steine wirft, der überschreitet diese Grenzen. Die tätlichen Angriffe auf Fans von RB Leipzig rund um das Bundesliga-Spiel in Dortmund am vergangenen Wochenende sind der traurige Höhepunkt einer Hetzjagd, die seit mehreren Jahren läuft. Mit dem Geld, das der Weltkonzern Red Bull in den Leipziger Fußballklub pumpt, hat dieser große Erfolge gefeiert und viele andere Vereine in rasendem Tempo überholt. Dadurch wurde er zum Feindbild. Zum Paradebeispiel des „Plastikklubs“, der sich die Siege erkauft und die alte Fußball-Welt auf den Kopf stellt. Wenn RB Leipzig in fremden Stadien spielt, schlägt den Spielern, Funktionären und Fans oft offener Hass entgegen. Nun flogen Flaschen und Steine. Die Täter sollen, wenn sie erwischt werden, hart bestraft werden, heißt es. Wenn sich solche Szenen aber wirklich nicht wiederholen sollen, braucht es ein grundsätzliches Umdenken. Eine Abkehr von der Haltung, dass der Fußball eine geschlossene Gesellschaft ist, in die niemand rein darf. „Für den Volkssport Fußball – gegen die, die ihn zerstören. Der Fußball gehört uns!“ Dies stand auf einem Banner der Dortmunder Fans. Ähnliche Botschaften an die Leipziger gab es auch beim Spiel von RB beim FC Bayern München kurz vor der Winterpause und bei vielen Auswärtspartien davor.

Die Fans, die diese Banner machen, müssen sich aber die Frage gefallen lassen, ob es wirklich stimmt, dass ihnen der Fußball gehört. Die Antwort ist ganz einfach: Nein! Der Fußball gehört allen. Er gehört Fans von erfolgreichen Klubs, er gehört Fans von erfolglosen Klubs, er gehört Fans von Traditionsklubs, er gehört Fans von neuen Klubs – und, man mag es gut oder schlecht finden, er kann auch Investoren gehören. Wir leben in einer freien Welt. Zum Glück! Dass es vielen Fans nicht gefällt, in welche Richtung sich das Fußball-Geschäft entwickelt, ist nachzuvollziehen. Es ist in der Tat möglich, dass Investoren in wenigen Jahren den Fußball komplett verändern. Jeder der „Plastikklubs“, der es nach oben schafft, wird einen anderen Klub verdrängen. Vereine, mit denen Fußball-Fans jahrzehntelange Erinnerungen verbinden, werden dann absteigen. Das ist in der Tat keine schöne Vorstellung – aber es kann und darf nicht verboten werden. Wenn es diese alte und geliebte Fußballwelt, die durch Vereine wie RB Leipzig angeblich zerstört wird, wirklich gibt, dann wird sie letztlich auch nicht untergehen. Wenn die Fans die neuen Erfolgsklubs nicht sehen wollen und nicht zu den Spielen gehen, wird der Fußball für Investoren an Attraktivität verlieren – und die Traditionsvereine werden zurückkehren. Vorerst muss es aber darum gehen, dass auch bei Spielen von RB Leipzig in und um Fußball-Stadien grundsätzliche Regeln des Miteinanders eingehalten und keine Flaschen geworfen werden. Niemand kann gezwungen werden, es gut zu finden, wenn ein Getränkedosenhersteller den Fußball als Werbebühne benutzt. Niemand kann gezwungen werden, RB Leipzig zu mögen. Es muss aber akzeptiert werden, wenn ein anderer es tut. Jürgen Scharf – Mittelbayerische Zeitung

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