Olympia-Prestigeprojekt beerdigt: Sieg der Vernunft

Olympia-Absage Hamburgs

Olympia-Prestigeprojekt beerdigt: Sieg der Vernunft

Und der Sport wäre ein schlechter Verlierer, würde er die Ursachen seines Scheiterns nicht in erster Linie bei sich selbst suchen. Natürlich drückt der Flüchtlingsstrom auf die Stimmung, die Terroranschläge von Paris schüren diffuse Ängste. Aber das eindeutige Nein der Hansestadt zu einer Olympia-Bewerbung hat tieferliegende Gründe. Die Welt des Spitzensports hat zunehmend Probleme, sich zu legitimieren. Stuttgarter Nachrichten

München wollte nicht, und Hamburg will nun auch nicht. Nach der anfänglichen Euphorie für die Olympia-Bewerbung im Jahr 2024 ist das eine faustdicke Überraschung. Und das Nein ist noch eines: sehr schade. Nicht nur, weil Sport-Deutschland damit das Signal sendet, kein Ort mehr für weltverbindende Sport-Großveranstaltungen sein zu wollen. Nein, schade ist es auch, weil offensichtlich die Terror-Attentate von Paris und das später abgesagte Fußball-Länderspiel gegen die Niederlande ihre Wirkung entfalten konnten.

Man könnte auch sagen: Die Terroristen haben auch in Hamburg geschafft, was sie wollten – Angst verbreiten. Die ehemalige Hockey-Nationalspielerin Britta Becker nannte das Votum „ein bisschen mutlos“. Ein bisschen? Sicher, der Sport und auch die Politik dürfen sich nach dem Votum auch an die eigene Nase fassen. Ob Fifa-Korruptionsskandal, das angeblich gekaufte Fußball-Sommermärchen, flächendeckendes Doping in der russischen Leichtathletik – nicht gerade Themen, die eine Stimmung der Sportbegeisterung in der Bevölkerung erzeugen können. Und die Politik? Sie trug zur Verunsicherung bei, weil bis zum Ende nicht klar war, welche Kosten denn nun auf die Hamburger zukommen und wie viel der Bund übernehmen würde.

Das war dilettantisch vorbereitet, sowohl von Bürgermeister Olaf Scholz als auch von „Sportminister“ Thomas de Maizière. Nun denn, die Bürger haben gesprochen. Hamburg wird sein Tor zur Welt nicht aufmachen, und Bremen darf seinen Schlüssel zum Tor nicht umdrehen. Schade, aber immerhin basiert das Nein auf einem Referendum. Wenigstens was. Peter Voith Weser-Kurier

Der Vorsitzende der Piratenpartei Schleswig-Holstein Christian Thiessen begrüßt die Entscheidung der Hamburger gegen eine deutsche Olympiabewerbung:

„Hamburgs Votum ist ein Befreiungsschlag auch für Kiel und Schleswig-Holstein: Dieser Sieg der Vernunft bedeutet mehr Geld für die Bürger und keinen Überwachungswahn aus ‚Sicherheitsgründen‘ in der Landeshauptstadt. Wir Piraten haben als einzige im Landtag vornherein gegen Olympia gestimmt. Dass die Kieler so anders abgestimmt haben, ist auch vor dem Hintergrund der unzureichenden Debatte und einseitig beeinflussten Werbung hierzulande zu sehen.

Die heutige Entscheidung sollte politische Konsequenzen haben: Die Bürger haushalten besser als die Politiker. Mehr Mitbestimmungsrechte der Bürger können deshalb nur gut sein für die finanzielle Stabilität des Landes. Wir Piraten fordern die Einführung eines Bürgerhaushalts, um jedem Schleswig-Holsteiner die Möglichkeit zu geben, zu diskutieren und anzugeben, welche Prioritäten er im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten des Landes setzen und welche Einnahmen oder Ausgaben er erhöhen oder kürzen würde.“ Piratenpartei Deutschland

DasParlament

Eine Antwort auf "Olympia-Prestigeprojekt beerdigt: Sieg der Vernunft"

  1. Buerger   Montag, 30. November 2015, 9:09 um 9:09

    Bürgerentscheidungen in ganz Deutschland sollten Pflicht für die Politik werden.

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