Parteienforscher Korte: AfD ohne Lucke chancenlos

Machtkampf bei Eurokritiker

Parteienforscher Korte: AfD ohne Lucke chancenlos

Außergewöhnlich spannend muss die Wahl in Bremen weiterhin für alle sein, die der AfD ihre Stimme anvertraut haben. Schließlich ist nicht klar, wer und was diese Partei überhaupt ist. Das gilt sowohl für ihre Repräsentanten als auch für die grundsätzliche Ausrichtung. In der Alternative für Deutschland bildet sich eine eigene Alternative. Selbstredend bekam die Bremer AfD am Sonntag Stimmen, sie galten nicht der Bundesorganisation.

Aber die Henne hat mit dem Ei in der Regel doch einiges gemeinsam, und während andere Parteien gemeinsam feiern oder trauern, verschleißt sich die AfD mit Hingabe selbst. Das liegt an ihrem Profil: Sie ist nicht die Partei der wirtschaftsliberalen Euro-Skeptiker, wie sie sich Parteichef Bernd Lucke offenbar weiterhin vorstellt. Die AfD ist ein politischer Wolpertinger. Sie wurde zu einem Schmelztiegel von Wutbürgern und Konservativen, Neo-Nationalisten und anderen, die sich eindeutig rechts von der CDU ansiedeln lassen; zum Teil sehr weit rechts. Das macht sie für alle Protestwähler attraktiv, für alle anderen unheimlich, führt zu ungeahntem Erfolg und fortwährenden Zerreißproben. Was die Partei selbst als Elastizität bezeichnet, ist in Wahrheit die Quadratur des Kreises. Die Grünen mussten Flügelkämpfe er- und austragen.

Die Linken waren sich lange nicht grün, ebenso wie die Piraten. Aber alles das ist kein Vergleich zur AfD, in der weder die Kommunikation noch die Chemie stimmen und die obendrein bereit zu sein scheint, politisch weit rechts, etwas links und in der Mitte zu stehen, um noch jeden in sich aufzunehmen. Eine Spaltung kann man sich trotzdem nicht wünschen. Damit wäre jede Hoffnung dahin, dass der wirtschaftsliberale Flügel mäßigend auf den nationalkonservativen einwirken könnte. Birst die AfD, muss man mit dem Schlimmsten rechnen – einer neuen Partei, die genau das ist, was ihr viele schon heute unterstellen: nichts als eine Alternative zur NPD. Weser-Kurier

https://youtu.be/2IeKKvPG-24

Der Duisburger Parteienforscher Karl-Rudolf Korte räumt einer AfD ohne deren Bundesvorsitzenden Bernd Lucke keine großen Chancen ein. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag) sagte er, der Parteimitgründer stehe für einen wirtschaftsliberalen Kurs, der mit der Eurokritik eine Alleinstellung im Parteiensystem habe. „Je mehr die Partei islamkritisch und rechtspopulistisch daherkommt, umso mehr wird sie nicht mehr in der Mitte wählbar sein.“

Zuvor hatte Lucke dem rechten Parteiflügel den Kampf angesagt, der seit Monaten für Querelen sorgt. Angeblich erwägt Lucke sogar den Austritt und die Gründung einer neuen Partei. Korte sprach von „erwartbaren Auseinandersetzungen“. Er sagte: „Es ist typisch, dass inhaltlich auch über Personen gerungen wird, wenn man eine so junge Partei ist. Das haben alle anderen etablierten Parteien auch hinter sich.“ Neue Osnabrücker Zeitung

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