SPD sieht anhaltende Bedrohung durch Bluttaten wie in Würzburg

Leben mit der Gefahr

SPD sieht anhaltende Bedrohung durch Bluttaten wie in Würzburg

Umso wichtiger seien verstärkte Anstrengungen für Präventions- und Deradikalisierungsprogramme, ein Präventionsgesetz sowie „weitere erhebliche Personalaufstockungen bei unseren Sicherheitsbehörden um mindestens 3000 Stellen“, sagte Lischka.

In Nordrhein-Westfalen ist nach Informationen der „Rheinischen Post“ die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge, die allein nach Deutschland gekommen sind, in diesem Jahr stark angestiegen. „Wir haben aktuell 12.853 minderjährige Flüchtlinge im Land, die allein gekommen sind“, sagte eine Sprecherin des NRW-Familienministeriums der Redaktion. Im Vorjahreszeitraum waren rund es nur 3500 gewesen, 2014 im gesamten Jahr nur rund 2200. „Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge werden vom zuständigen Jugendamt in Obhut genommen und durchlaufen danach ein sogenanntes Clearingverfahren“, sagte die Sprecherin von Familienministerin Christina Kampmann. In einem Zeitraum von rund drei Monaten würden dann „alle offenen Fragen geklärt: Herkunftsland. Fluchtweg. Alter. Gesundheitlicher Zustand – auch im Hinblick auf etwaige Traumatisierung. Schulbildung oder etwaige berufliche Ausbildung“. Rheinische Post

Das wird so bleiben

Es ist nahezu müßig, es zu wiederholen – auch, weil es so selbstverständlich ist: Solange es Menschen gibt, die Böses im Schilde führen und ihr eigenes Ableben dabei in Kauf nehmen, wird es keine absolute Sicherheit in Deutschland und an keinem anderen Ort dieser Erde geben.

Und dies gilt übrigens nicht nur für politisch motivierte Anschläge, sondern auch für jeden Amokläufer, der seinen Suizid mit größtmöglicher medialer Begleitung in Szene setzen will. Der unscheinbare Einzeltäter, der weder durch Hasstiraden in sozialen Netzwerken noch durch ein auffälliges Äußeres auf seine Gesinnung hinweist, fällt zwangsläufig durch jedes Fahndungsraster – bis er zuschlägt. Das wird auch so bleiben.

Züge kein Ort der Sicherheit

Was dies für unsere Gesellschaft heißt? Es mag herzlos klingen, aber die Menschen hierzulande werden mit dieser Art von Bedrohung leben müssen. Denn selbst diejenigen, die bereits jetzt größere Menschenansammlungen und Veranstaltungen meiden und um Gruppen von dunkelhäutigen Männern einen Bogen machen, werden hin und wieder mit dem Zug fahren. Oder eine Urlaubsreise an einem Flughafen beginnen. Oder ein öffentliches Gebäude, eine Sehenswürdigkeit und ein Museum besuchen. Es reicht, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

Deshalb: Wenn jetzt Fragen zur Sicherheit in Deutschland aufkommen, dann sollte der Fokus tatsächlich auf Bahnhöfen und Zügen liegen. Sie sind schon lange – und ganz unabhängig von etwaiger terroristischer Bedrohung – keine Orte mehr, an denen sich Reisende, insbesondere weibliche, besonders wohlfühlen. Rein aus Kostengründen wird auf vielen Strecken auf Zugbegleiter oder geschultes Sicherheitspersonal verzichtet. Das wirkt schon nahezu wie eine Einladung an Übeltäter, seien sie Terroristen oder Kriminelle.

Dass die Terrororganisation Islamischer Staat für die Tat, wie schon in Nizza, die Verantwortung übernommen hat, spricht für die Schwäche der selbsternannten Gotteskrieger, denen im Nahen Osten die Felle davonschwimmen. Immerhin das ist eine gute Nachricht. Schwäbische Zeitung

Leben mit der Gefahr

Jetzt also Deutschland, werden viele nach der Bluttat im Zug denken. Überraschen darf es nicht, ministerielle Mahnungen, dass auch Deutschland im Fokus des Terrors steht, waren ja nicht nur dahingeplauderter Standard.

Dabei ist es im Ergebnis unerheblich, wie groß der Anteil des IS an einer Attacke ist, der nun zur Festigung seines Mythos alles für sich reklamiert. Fest steht, dass Radikalisierte sich offenbar generell ermuntert sehen, zuzuschlagen. Zur Ehrlichkeit gehört: Man kann es kaum verhindern.

Es ist natürlich wohlfeil, an dieser Stelle einmal mehr darauf zu verweisen, dass der Terror davon lebt, uns zur Unterwerfung zu drängen, indem wir unsere Lebensgewohnheiten aufgeben und unseren Wertekanon in Frage stellen. Was wäre aber die Alternative? Zu Hause sitzen und auf den Tod warten?

Wir werden lernen müssen, mit einer Gefahr zu leben, die andere längst kennen und uns selbst, so gut es geht, zur Vernunft zu ermahnen, auch wenn Statistik es schwer hat gegen Gefühle: Das Risiko, Opfer eines Anschlages zu werden, ist in Prozenten kaum messbar – so klein ist es. Frank Preuß – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Axt-Angriff in Würzburg: 17-jähriger Afghane verletzt vier Personen

DasParlament

Kommentar verfassen