Treffen mit Facebook-Vertretern: NRW-Justizminister fordert Barley zu harter Gangart auf

Peter Biesenbach: Ich erwarte konkrete Konsequenzen statt leere Phrasen

Treffen mit Facebook-Vertretern: NRW-Justizminister fordert Barley zu harter Gangart auf

Facebook, WhatsApp, Instagram, Twitter, YouTube – fast jeder von uns nutzt soziale Medien. Facebook musste nun eingestehen, dass bis zu 50 Millionen Nutzerdatensätze unerlaubt an das private Datenanalyse-Unternehmen Cambridge Analytica weitergereicht wurden. Wie und wofür genau, ist in seiner ganzen Tragweite noch nicht klar. Wie sorgfältig gehen die führenden Digitalkonzerne mit unseren Daten um? Was machen sie mit ihnen? Ist nicht schon seit den Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden klar, dass die Privatsphäre im Internet eine Illusion ist? Und warum eigentlich spielt das Thema Datenschutz bei der Digitalisierung nur eine Nebenrolle? Programmkommunikation WELT und N24 Doku

Facebook und Datenkapitalismus: Am Ende bloßes Rauschen

Was für ein Skandal, was für eine Ansammlung moderner Bösewichte: die weltgrößte Datenkrake Facebook, die windige Wählerbeeinflussungsfirma Cambridge Analytica und der skrupellose Ex-Trump-Flüsterer Steve Bannon – willkommen in der Online-Hölle. Dabei haben alle drei nur ihren Job gemacht. Dass das Netzwerk jeden Datenschnipsel einsammelt, um ihn gewinnbringend an den Meistbietenden zu verkaufen, damit dieser gezielt Werbung machen und das Verhalten der Mitglieder steuern kann – das ist nun mal das Geschäftsmodell von Facebook. Und dass dieser riesige Datenberg neben Geschäftemachern auch Meinungsmanipulierer anlockt, liegt auf der Hand – deshalb ist es ein geradezu böswilliger Verdummungsversuch Facebooks, sich auch noch als Opfer darzustellen. Genau genommen hat Cambridge Analytica ja auch gar keine Daten „geklaut“, sondern es hat Facebook einfach so genutzt, wie es eben auch genutzt werden kann.

Wobei einschränkend zu sagen ist: Die Firma macht sehr viel Getöse um ihren Einfluss; und sie liefert den Trump-Gegnern den lang ersehnten „Beweis“, dass bei dessen Wahl böse Mächte am Werk waren. Ob sie die Wahl tatsächlich entschieden hat? Das weiß kein Mensch. Was Facebook-Chef Zuckerberg jetzt aber weiß: Die Bereitschaft, seinem Netzwerk auf allen Wegen zu folgen, ist endlich. Es sind nicht die Datenschützer oder gar die Politik, die ihm ein Problem bereiten – sondern es sind seine Geschäftspartner und seine Aktionäre. Ein Absturz an der Börse ist womöglich das einzige Signal, das bei Facebook ein Umdenken bewirken kann. Wenn der Milliardenverlust dazu führt, dass das Unternehmen endlich mehr Verantwortung dafür übernimmt, was auf der Plattform geschieht, dann hat dieser Skandal etwas sehr Gutes. Christian Matz – Allgemeine Zeitung Mainz

Angesichts des Datenmissbrauchs bei Facebook hat der nordrhein-westfälische Justizminister Peter Biesenbach (CDU) die Bundesregierung zu einer harten Gangart aufgefordert. „Der Facebook-Skandal bestärkt mich in meiner Überzeugung, dass wir dringend den Schutz des digitalen Persönlichkeitsrechts brauchen“, sagte Biesenbach der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Mit Blick auf das Gespräch von Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) mit ranghohen Facebook-Vertretern sagte der Landesjustizminister: „Auf jeden Fall haben wir jetzt keine Zeit mehr, um mit Facebook Kaffee zu trinken. Ich erwarte daher konkrete Konsequenzen statt leerer Phrasen.“

Barley trifft am Montagnachmittag unter anderem den Europa-Cheflobbyisten von Facebook, Richard Allen. Dabei soll laut einem Ministeriumssprecher erörtert werden, inwieweit deutsche Nutzer von dem Skandal um den Missbrauch von Facebook-Daten durch die britische Firma Cambridge Analytica betroffen sind. Neue Osnabrücker Zeitung

Bundeskartellamt wirft Facebook Missbrauch bei der Datensammlung vor

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, wirft Facebook missbräuchliches Verhalten beim Sammeln von Daten vor. „Wir gehen nach derzeitigem Stand davon aus, dass Facebook sich zumindest beim Sammeln und Verwerten von Daten aus Drittquellen außerhalb von Facebook missbräuchlich verhält“, sagte Mundt dem Tagesspiegel. Der Tagesspiegel

BSI-Präsident Schönbohm fordert Facebook zu mehr Datenschutz auf

Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, sieht Lücken im Datenschutz des sozialen Netzwerks Facebook. Die Schutzsysteme von Facebook seien zwar grundsätzlich gut, sagte Schönbohm der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. „Aber das Beispiel zeigt, dass der Schutz in der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen noch höherer Qualität bedarf“, fügte Schönbohm mit Blick auf den Datenskandal um das britische Unternehmen Cambridge Analytica hinzu.

Der Fall gehöre aufgeklärt und transparent gemacht, sagte Schönbohm. Noch sei unklar, ob Facebook vielleicht unwissend Datenlieferant und Opfer war. Für deutsche Wahlen gab Schönbohm Entwarnung: „Wir haben in Deutschland im Vorfeld vergangener Bundestags- und Landtagswahlen Schutzmaßnahmen ergriffen, um Datenmissbrauch, wie er im Zuge der US-Wahl erfolgt sein soll, zu vermeiden“, sagte der BSI-Präsident. „Wir haben keine Hinweise darauf, dass solch ein Datenmissbrauch bei Wahlen in Deutschland erfolgte“, so Schönbohm. Rheinische Post

Der Skandal um die Facebook-Daten offenbart Zerstörungspotenzial: gesellschaftliches und unternehmerisches. Für Facebook selbst, da das Unternehmen entweder die Sprengkraft seiner Datensammlung unterschätzt hat und jetzt wie Goethes Zauberlehrling vor seinem unkontrollierbaren Werk steht. Oder es war schlicht egal. Oder man kam gar nicht darum herum, weil die profitable Verwertung ihrer Datensammlung schlicht immer notwendiger wurde, da ein Wachstum bei einer endlichen Nutzerzahl an ein Ende stößt.

Datenverknüpfungen und Algorithmen, die Nutzern lustige Katzenvideos und zielgerichtete Werbung einspielen, können ebenso für politische Zwecke genutzt werden, sogar sehr effektiv. Und sie wurden und werden es. Und hier liegt die gesellschaftliche Sprengkraft: Für viele ist Facebook zur einzigen Nachrichtenquelle geworden, da sie traditionellen Medien nicht mehr trauen. Dabei bekommt man auf dem Netzwerk gar keine Nachrichten, sondern individuell und zielgerichtet emotionale Reize serviert. Aber wer wird schon gerne manipuliert? Viele lehnen Facebook komplett ab, andere füttern es mit falschen Informationen, denen andere wiederum blind trauen. Und aus diesen falschen, verzerrten und lückenhaften Daten generieren Algorithmen neue Reize. Jeder täuscht und glaubt sich selbst der Täuschung überlegen. Das generiert aber keine Öffentlichkeit oder gar Gesellschaft mehr. Das ist für jeden bloßes Rauschen ohne Sinn und Nutzen. neues deutschland

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