Versuchter Mord an der Kölner Politikerin Henriette Reker

Attentat in Köln: Höchste Zeit aufzuwachen

Versuchter Mord an der Kölner Politikerin Henriette Reker

Der Kölner CDU-Vorsitzende Bernd Petelkau, der Augenzeuge des Angriffs war, berichtete der „Rheinischen Post“: „Der Täter hat Frau Reker schwer verletzt. Er hat ihr mit einem Messer in den Bauch gestochen und auch noch vier umstehende Wahlkampfhelfer verletzt.“ Nach der Attacke sie der Täter ganz ruhig stehengeblieben und habe gesagt „Ich musste es tun. Ich schütze Euch alle.“ Der Täter sei gut 40 Jahre alt und offenbar deutscher Herkunft. Anderen Augenzeugen zufolge dauerte es über zehn Minuten, bis der Notarzt eintraf. Danach kam die Polizei. Bei seiner Festnahme übte der Täter keinen Widerstand. Rheinische Post

Ein versuchter Mord an einer Politikerin in Köln, ein symbolischer Galgen für Kanzlerin Angela Merkel und ihren Vizekanzler Sigmar Gabriel: Ja, auch das leider ist Deutschland im Oktober 2015. Kein Zweifel: Es ist gewaltig etwas aus den Fugen geraten in unserer Republik. Wir müssen unser Land verteidigen – aber nicht etwa gegen »die Flüchtlinge«, sondern gegen alle Feinde unserer Demokratie, wo sie auch immer herkommen mögen.

Attentäter sagte: „Ich musste es tun. Ich schütze euch alle.“

Darum sind wir jetzt alle gefordert. Aufstehen, hinschauen und sich einmischen! Jeder kann, jeder sollte etwas tun. Wie das gehen soll? Etwa so: Lassen Sie im Freundes- und Bekanntenkreis, bei Kollegen und in der Familie, lassen Sie in Ihrem ganz normalen Alltag keinen Zweifel daran, dass wir unsere Weltoffenheit verteidigen werden. Dass wir entschlossen eintreten für unsere freiheitliche Gesellschaft, für unsere Werte, für Toleranz und für ein friedliches Miteinander der Menschen, die in diesem Land leben und die in unser Land kommen. Treten Sie Vorbehalten und Vorurteilen konsequent entgegen, wo immer Sie können. Nichts anderes hat Henriette Reker getan. Als Sozialdezernentin der Stadt Köln hat sich die 58-Jährige mit ganzer Kraft für eine humane Flüchtlingspolitik eingesetzt – und zwar auf der Grundlage unserer Regeln und Gesetze. Das hätte sie am Wochenende beinahe ihr Leben gekostet.

Nur eine Riesenportion Glück und die Kunst der Ärzte haben das Schlimmste verhindert. Ihr Erfolg bei der Oberbürgermeister-Wahl gestern ist schön. Doch wichtiger ist, dass Henriette Reker und die vier anderen Opfer des Attentats wieder vollständig gesund werden. »Wir lassen uns nicht unterkriegen« – auch das ist eine Botschaft nach dem schwarzen Samstag von Köln und Rekers Sieg im ersten Wahlgang nur einen Tag später. Und die ist bitter nötig – nicht zuletzt mit Blick auf die Pegida-Demonstranten, die heute wieder zu Tausenden durch Dresden ziehen wollen. Damit kein Missverständnis entsteht: Das hier ist kein Plädoyer für das Ausblenden aller Sorgen und Ängste, geschweige denn aller Probleme, die sich mit Blick auf die große Zahl an Flüchtlingen ergeben.

Jede Debatte darüber ist wichtig, jeder Konflikt über die richtige Politik, über Möglichkeiten und Grenzen unserer Leistungsfähigkeit muss ausgetragen werden. Streiten ist immer besser als schweigen. Und es ist eine der großen Stärken unserer Demokratie, dass sie Meinungsäußerungen bis an die Grenzen des Erträglichen möglich macht. Doch der Diskurs endet, wo Fremdenfeindlichkeit und Hass, wo Hetze und Gewalt sich Bahn zu brechen versuchen. Der Moment, in dem der Attentäter sein Messer in Henriette Rekers Hals rammte, hat uns alle getroffen. Der 44-Jährige hat nicht nur eine Kölner Politikerin, er hat unsere Demokratie angegriffen – wie es auch die vielen unbekannten Täter bei den Brandanschlägen in den Wochen zuvor getan haben. Es wird Zeit: Wehren wir uns! Westfalen-Blatt

Laschet glaubt nicht an Attentat-Effekt auf Kölner OB-Wahl

Der Landesvorsitzende und Bundesvize der CDU, Armin Laschet, glaubt nicht an einen Attentat-Effekt beim Kölner Wahlergebnis. „Dieses Ergebnis entspricht in etwa dem, was sich in den letzten Umfragen vor der Wahl schon abgezeichnet hatte: Diese Stadt wollte einfach einen politischen Wechsel“, sagte Laschet der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Montagausgabe).

Laschet schlug einen Bogen von dem Kölner Attentat zu den „Pegida“-Demonstranten, die kürzlich einen symbolischen Galgen für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Chef Sigmar Gabriel errichtet hatten. Laschet sagte der „Rheinischen Post“: „Der Attentäter von Köln war nicht verwirrt. Aber ich sage zu allen, die bei ‚Pegida‘ vielleicht auch einfach nur mitlaufen: Schaut nach Köln. Offenbar gibt es Leute, die sich von Euren gefährlichen Worten und Bildern möglicherweise zu Taten anstacheln lassen.“ Rheinische Post

Attentat in Köln: Höchste Zeit aufzuwachen

Wie verblendet muss man sein, um das Opfer eines Attentats selbst für die Tat verantwortlich zu machen? Solche Pöbeleien fanden sich im Internet nicht wenige nach der Messerattacke eines – offenbar rechtsextremen – Arbeitslosen auf die parteilose Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker in Köln. Nun muss man nicht so weit gehen, wie jene, die meinen, Pegida habe in Köln mit zugestochen. Aber der Hass einer Minderheit auf alle Politiker und alles Fremde, der in Internetforen und auf der Straße seit Wochen geschürt wird, hat ein Klima geschaffen, von dem sich einzelne Frustrierte zum Handeln legitimiert fühlen. Und naive, besorgte Bürger, die geistigen Brandstiftern die große Bühne geben, machen sich mitschuldig. Sie können diese furchtbare Entwicklung stoppen, indem sie den rechtspopulistischen Hasspredigern die Gefolgschaft verweigern. www.badische-zeitung.de Thomas Hauser Badische Zeitung

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