Was von Guido Westerwelle bleibt

Guido Westerwelle mit 54 Jahren gestorben

Was von Guido Westerwelle bleibt

Die Liberalen nominierten ihren Kanzlerkandidaten. Dazu der Börsenboom der Yuppiewelt. Die FDP war Westerwelle. Und es lief gut. Der „Spiegel“ titelte: „Generation Guido“. Diese Zeit wurde Westerwelle nie wieder los. Das Image des Unseriösen, des Übertriebenen haftete an ihm. Die Westerwelle-FDP, eine schrille Minderheit. Dass der nach Wahlergebnissen erfolgreichste FDP-Chef aller Zeiten so viele Gegner hatte wie keiner seiner Vorgänger, lag auch daran, dass der Bonner Jurist nie so recht wusste, wie das geht mit Maß und Mitte.

Guido Westerwelle bekämpfte seinen Minderwertigkeitskomplex mit dem politischen Sendungsbewusstsein. Das war früh erkennbar. Als der Ex-Realschüler auf das Gymnasium wechselte, wählte er das schwierigste Fach: Latein-Leistungskurs. Und bekam Probleme. Später wollte er Künstler werden, obwohl die Lehrer kaum Talent entdeckten. Nur in seiner späteren Karriere glänzte er als Expressionist. Der Franz Marc der Politik. Kräftig, farbig, immer an die Symbolik denkend. Dieser Drang zur großen Guido-Show führte aber auch dazu, dass ihm die Medien und das Publikum nie so viel Aufmerksamkeit geben konnten, wie er Anerkennung brauchte. Guido Westerwelle ist aber auch ein politisches Jahrhundert-Talent.

Ein begnadeter Redner, einer, der komplexe Sachverhalte in wenigen Sätzen für alle greifbar machen konnte. Einer, dem man im Bundestag immer zuhörte. Ein richtig guter Demokratielehrer. Einer, der Leidenschaft für die Politik entwickelte und junge Menschen dafür begeisterte. Er war stets hartnäckig, wenn es um die Verteidigung der Freiheitsrechte ging. Dass der Staat sich in den 80er und 90er Jahren zum Vollversorgerwesen aufschwang, der dem entmündigten Bürger seinen Alltag vorschreibt und jeden zweiten Steuer-Euro dafür braucht, hat nach Graf Lambsdorff niemand so klar und konsequent thematisiert.

Westerwelle appellierte an die Selbstverantwortung und brachte Begriffe wie Leistungsgerechtigkeit in die Debatte. All das bleibt. Genauso wie die Empfindsamkeit und die Freundlichkeit, die er privat zeigte. Die Masse von Anfeindungen und die Häme, die wohl kein Politiker so über sich ergehen lassen musste, überstand er. Den Kampf gegen den Krebs nicht. Als aufrechter Freiheitskämpfer und passionierter Demokrat bleibt er in Erinnerung. Michael Bröcker Rheinische Post

Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit trauert um Dr. Guido Westerwelle

„Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit verliert mit Dr. Guido Westerwelle einen treuen Freund, einen wichtigen Partner und einen langjährigen Mitstreiter, der sich im politischen, wie im privaten Leben über viele Jahre mit aller Kraft für die Freiheit eingesetzt hat und der jetzt viel zu früh gehen musste“, erklärte der Kuratoriumsvorsitzende Prof. Dr. Jürgen Morlok.

Der Vorsitzende des Vorstands der Stiftung, Dr. Wolfgang Gerhardt, erklärte: „Guido Westerwelle hat große Verdienste für eine freiheitliche Politik. Seine ganz besondere Art, Politik zu betreiben, für die Politik der Freiheit zu werben und dabei immer ganz klar zu sagen, was er meinte, haben viele Menschen begeistert und motiviert.“

Guido Westerwelle hat einen großen Beitrag für die Entwicklung des politischen Liberalismus in Deutschland geleistet. Schon in jungen Jahren als Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen wurde sein politisches Potential deutlich erkennbar. Sein politisches, strategisches und rhetorisches Talent war außergewöhnlich. Sein kometenhafter Aufstieg in der FDP und seine vorzügliche Arbeit als FDP-Generalsekretär und Bundesvorsitzender, auch in schwierigen Zeiten, wiesen der FDP den Weg, auch in einem veränderten medialen Umfeld sichtbar zu bleiben.

In seiner Zeit als Bundesaußenminister hat Guido Westerwelle in der Tradition der liberalen Außenminister Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel eine von hohen humanistischen Idealen geprägte, die Menschenrechte und die internationale Verständigung betonende Außen- und Friedenspolitik betrieben, die unserem Land gut getan hat.

„Als ehemaliger Stipendiat und als freundschaftlicher Berater ist Guido Westerwelle der Stiftung seit den 1980er Jahren eng verbunden geblieben, so wie die Stiftung auch ihm“, so Gerhardt und Morlok. „Wir sind eine lange Strecke Weges gemeinsam gegangen. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit trauert um den Menschen Guido Westerwelle, der so oft hinter dem Politiker verborgen blieb. Wir haben einen außergewöhnlichen Partner verloren, der uns fehlen wird.“ Boris Eichler Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Guido Westerwelle mit 54 Jahren gestorben

https://youtu.be/H94hKpDuitQ

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