Ärzteverein verurteilt Abgasversuche an Affen aufs Schärfste

LobbyControl fordert Konsequenzen im Zuge der aufgedeckten manipulativen Auftragsstudien

Ärzteverein verurteilt Abgasversuche an Affen aufs Schärfste

Zehn Affen wurden 2014 bei Versuchen in den USA stundenlang Diesel-Abgasen ausgesetzt, um zu beweisen, dass die Schadstoffbelastung dank angeblich moderner Reinigungssysteme erheblich abgenommen hat. Ist die Entschuldigung glaubwürdig? Ist sie ehrlich gemeint? Da kommen Zweifel auf. Zunächst einmal: Warum erfährt die Öffentlichkeit davon nur dank der Ermittlungen der US-Justizbehörden? Warum hat VW die Sache nicht selbst aufgeklärt und darüber informiert? Dazu kommt der Wortlaut der Erklärung vom Wochenende: VW entschuldige sich für das Fehlverhalten und die Fehleinschätzung „Einzelner“. Da zeigt sich wieder: Von Einsicht keine Spur. Mitteldeutsche Zeitung

Zehn Javaneraffen wurden vier Stunden lang in einem engen Glaskäfig eines Labors in New Mexiko eingesperrt und mussten Auspuffgase eines VW Beetles und eines alten Ford Pick-ups einatmen. Der Versuch wurde im Rahmen einer Studie durchgeführt, die zeigen sollte, dass die Schadstoffbelastung dank moderner Technik abgenommen hat.

So erschreckend dieser Versuch auch ist, er ist legal und leider kein Einzelfall, auch nicht in Deutschland. Mehr als eine halbe Million der insgesamt 2,8 Millionen Tiere, litt 2016 in Giftigkeitstests und anderen regulatorischen Versuchen. „Diese sind meist nur anzeigepflichtig, d.h. es ist nicht einmal eine Genehmigung erforderlich. Der Experimentator muss lediglich ein Formular ausfüllen, bevor er mit den qualvollen Versuchen beginnen kann“, erläutert Dr. Corina Gericke, Veterinärmedizinerin und 2. Vorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche. Zu diesen toxikologischen Tests gehören auch Inhalationsstudien wie die oben beschriebene. 2016 wurden 1.798 Affen für toxikologische Versuche verwendet. „In den allermeisten Fällen steht am Ende der Tod, um die Organe auf Schäden zu untersuchen“, weiß Gericke.

Dabei gibt es tierversuchsfreie Forschungsmethoden, die das Tierleid stoppen können und darüber hinaus auf den Menschen übertragbare Forschungsergebnisse liefern. So haben Forscher am Wyss Institute for Biologically Inspired Engineering an der Harvard University eine künstliche Lunge auf einem Chip entwickelt, mit der sich Substanzen testen lassen. Ferner besteht die Möglichkeit, Lungenzellen direkt mit Stoffen zu bedampfen. Die Zellen werden menschlichen Patienten entnommen und auf einer Membran kultiviert. Es können Erkenntnisse über die akute und chronische Toxizität eines Stoffes gewonnen werden, ohne dass ein Lebewesen diese Substanz einatmen muss.

„Um auf den Menschen übertragbare Forschungsergebnisse zu erzielen und das Leiden der Tiere zu beenden, muss dringend auf tierversuchsfreie Forschungsmethoden umgestiegen werden“, so Gericke abschließend. Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Bundesregierung muss Autolobby endlich besser kontrollieren

Der von der Autoindustrie gegründete Lobbyverein EUGT hat fragwürdige Experimente in Auftrag gegeben, um die angebliche Unbedenklichkeit von Dieselabgasen zu beweisen. Christina Deckwirth von LobbyControl kommentiert:

„Der Fall zeigt, mit welch manipulativen Methoden die deutschen Autokonzerne dem Diesel ein umweltfreundliches Sauber-Image verpassen wollten. Das erinnert an die Fake-Science-Methoden der Tabak- oder Lebensmittelindustrie: Wissenschaftler finanzieren, um die gesundheitlichen Schäden ihrer Produkte zu bagatellisieren und schärfere Gesetze abzuwenden.

Es reicht nicht, wenn sich die Autokonzerne für die nun bekannt gewordenen unethischen „Forschungsmethoden“ entschuldigen. Jetzt ist die Politik am Zuge. Die Bundesregierung muss ihren Kuschelkurs mit der Autoindustrie beenden und sich generell beim Umgang mit Lobbyisten neu aufstellen. In Deutschland versuchen tausende Lobbyisten, mit viel Geld und guten Netzwerken, Gesetze, Politik und öffentliche Meinung zu beeinflussen. Bislang müssen sie darüber keine Rechenschaft ablegen. Hinter die Jamaika-Einigung zur Einführung eines verbindlichen Lobbyregisters dürfen die Verhandler der Großen Koalition nicht zurückfallen.

Auch in der Aufarbeitung des Dieselskandals muss die Bundesregierung nachlegen – hier ist man den USA offenbar schon sehr viel weiter. Das hat auch der Bundestags-Untersuchungsausschuss zur Abgasaffäre belegt. Als Sachverständigen hatte die Bundesregierung Prof. Helmut Greim geladen, der in zentraler Rolle an den nun bekannt gewordenen Experimenten beteiligt war. Als Vorsitzender des EUGT-Forschungsbeirats war Greim nicht nur eine Schlüsselfigur in der Diesel-Sauberwasch-Kampagne der Autokonzerne, sondern bereits bei der Einschätzung der Gesundheitsauswirkungen von Glyphosat mit Interessenkonflikten und industrienahen Positionen aufgefallen. Die deutsche Politik muss sich endlich von fragwürdigen „Experten“ wie Prof. Helmut Greim distanzieren.“ LobbyControl

DasParlament

Eine Antwort auf "Ärzteverein verurteilt Abgasversuche an Affen aufs Schärfste"

  1. Anonymous   Montag, 29. Januar 2018, 16:17 um 16:17

    Auch in der Aufarbeitung des Dieselskandals muss die Bundesregierung nachlegen – hier ist man den USA offenbar schon sehr viel weiter.

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