Bankencheck der Verbraucherzentrale NRW zu Baufinanzierungsdarlehen:Hohe Gebühren bei Scheidung

Nach jüngster Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) keine Impulse zu höheren Zinsen

Bankencheck der Verbraucherzentrale NRW zu Baufinanzierungsdarlehen:Hohe Gebühren bei Scheidung

Wenn ein Ehepaar, das eine gemeinsame Immobilie besitzt, sich scheiden lässt, müssen häufig die Finanzierungsverträge geändert werden. In einer Stichprobe wollte die Verbraucherzentrale NRW von zwölf Banken wissen, welche Gebühren sie in diesen drei Fällen kassieren. Ärgerlich jedoch: Einige Anbieter mochten offenbar ihre Entgelte nicht veröffentlicht lesen. Komplett mauerte in der Umfrage die DZ Hyp, die als bundesweit tätiger Immobilienfinanzierer der Genossenschaftsbanken ihre Darlehen vor allem von Volks- und Raiffeisenbanken vermitteln lässt.

Postbank und Dortmunder Volksbank wiederum blieben im Nebel: Der „Arbeitsaufwand“ bestimme die Höhe der Gebühr. Als Richtschnur sollten Kunden des Dortmunder Institutes dabei mit „mindestens 100 Euro“ rechnen.

Aber auch die auskunftsfreudigen Banken sorgten für Erstaunen: Nur in einem Fall gab`s eine der drei abgefragten Leistungen für unter 100 Euro. Nach oben konnten die Kassiergelüste oft nur mit vierstelligen Beträgen befriedigt werden. Spannen, die eine Preispolitik nach Gutsherrenart vermuten lassen.

Ein Beispiel dafür war die „Haftungsentlassung eines Schuldners“ bei der Sparkasse Rheine. Wer noch hohe Restschulden auf dem Darlehen hatte, konnte hier in eine fiese Gebührenfalle tappen. Es wurden nämlich 0,5 Prozent der Kreditsumme, mindestens jedoch 150 Euro fällig. Das ergibt bei einem Darlehensstand von 250.000 Euro eine Gebühr von horrenden 1250 Euro.

Die Sparkasse Köln-Bonn verlangte für die Entlassung mindestens 400 Euro, Santander wiederum 500 Euro. Noch am günstigsten waren DKB, ING und Sparda West, die unisono 250 Euro für die Leistung aufriefen.

Oft doppelt und dreifach teurer wurde es beim Gros der Institute, wenn das Darlehen komplett auf einen anderen Schuldner umgeschrieben werden sollte. Den günstigsten Fixpreis bot die PSD Westfalen-Lippe mit 700 Euro. Sparda West, Santander, ING, DKB und Commerzbank folgten mit 750 Euro. Die Sparkasse Köln-Bonn hantierte mit einen „Mindestpreis“ von 560 Euro.

Ihre Gebührenfalle bei der Haftungsentlassung hatte die Sparkasse Rheine auch bei der Umschreibung aktiviert. Die 0,5 Prozent konnten so auch hier bei höheren Darlehenssummen zu einer vierstelligen Euro-Explosion führen.

Bei so viel Chuzpe überrascht es doch, dass ausgerechnet die Rheiner den Austausch des Beleihungsobjektes gratis ausführten – als einziges Institut des Testfeldes. Das Gros lag hier wieder mal bei rund 750 Euro. Unrühmliche Spitzenreiter waren Santander (1000 Euro) und Commerzbank (1200).

Solche willkürlich wirkenden Entgelte legen es nahe, vor dem Abschluss einer Baufinanzierung nicht nur die die Höhe der Zinsen, sondern auch die Gebühren für Änderungen am Darlehensvertrag zu vergleichen. Wenn Banken, wie im Check der Verbrauchzentrale, die Sätze für solche Sonderleistungen im Preisverzeichnis verschweigen, hilft nur gezieltes Nachfragen. Bieten zwei Institute identische Zinskonditionen, sollte der Kreditgeber den Vorzug erhalten, der bei einer späteren Änderung des Darlehensvertrags weniger zulangt.¹

Interhyp-Zinsbericht: Historisch niedrige Bauzinsen, kein nachhaltiger Aufwärtstrend in Sicht

Wie erwartet können Immobilienkäufer nach der jüngsten EZB-Sitzung aufatmen: Die Währungshüter haben die Leitzinsen am Donnerstag nicht angetastet und führen ihre Politik des billigen Geldes fort. „Mit Blick auf die niedrige Inflation, Konjunktursorgen und politische Unwägbarkeiten wie Brexit und Handelsstreit gibt es aktuell keinen geldpolitischen Spielraum nach oben. Die Bauzinsen sind im Zuge dessen in den vergangenen Tagen bereits auf ein neues historisches Allzeittief gefallen“, erklärt Mirjam Mohr, Vorständin der Interhyp AG, Deutschlands größtem Vermittler für private Baufinanzierungen. Die im monatlichen Interhyp-Bauzins-Trendbarometer befragten Experten sehen mehrheitlich anhaltend niedrige Zinsen, sowohl in den nächsten Wochen als auch auf Halbjahres- bis Jahressicht.

„Das historische Allzeittief beim Baugeld kann zum entscheidenden Schlüssel für Wohneigentum werden – wenn Käufer besonnen und vorausschauend finanzieren“, erklärt Mohr. Bei aktuellen Bestkonditionen von deutlich unter einem Prozent für zehnjährige Darlehen rät die Expertin zu Anfangstilgungen von mindestens drei Prozent und mehr. Wie günstig Darlehen sind, zeigt laut Interhyp ein Blick auf den Zinsverlauf der vergangenen Jahre, als die Zinsen teilweise beim Doppelten und Dreifachen lagen – vor zehn Jahren lag das Zinsniveau sogar bei mehr als dem Vierfachen.

An dem historisch günstigen Zinsniveau wird sich voraussichtlich nicht viel ändern, selbst wenn es zu kleinen Korrekturen kommt. Das geht aus dem aktuellen Interhyp-Bauzins-Trendbarometer hervor, für das Interhyp monatlich die Experten von zehn namhaften Kreditinstituten in Deutschland befragt. Schon zum zweiten Mal in Folge sind diejenigen Experten, die in absehbarer Zeit mit steigenden Zinsen rechnen, nicht mehr in der Mehrheit. Vielmehr erwarten die meisten auf Halbjahres- bis Jahressicht eher gleichbleibende Zinsen – einige halten sogar fallende Zinsen für möglich. Mohr: „Anzeichen für eine nachhaltige Trendwende sehen wir derzeit nicht.“

Solange die Konjunktur weltweit schwächelt und die Märkte schwer einschätzbar sind, greifen Investoren zu sicheren Anlagen wie etwa den zehnjährigen Bundesanleihen. Die hohe Nachfrage lässt deren Renditen sinken, was Anleger für die versprochene Sicherheit gern in Kauf nehmen. Weil sich die Bauzinsen unter anderem an den Renditen der langfristigen Anleihen orientieren, tendieren sie aktuell so günstig. Auch von den Notenbanken gehen aktuell keine Impulse für steigende Zinsen aus.²

¹Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen e.V. ²Interhyp AG

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