Causa Özil – Ernsthafte Gespräche: Neuanfang ohne Grindel

Integration und Özil

Causa Özil – Ernsthafte Gespräche: Neuanfang ohne Grindel

Es klingt nett, überzeugt aber nicht. Schon deshalb weil Grindel viel zu lange geschwiegen hat. Er wollte die Debatte um Özil aussitzen, ignorierte die rassistisch motivierten Attacken. Von Solidarität, ein Wert, für den Grindel stehen möchte, war nichts zu spüren. Seine Wortmeldung kam erst, nachdem Özil ihn mit seiner Attacke praktisch dazu gezwungen hatte. Und ein klares Zeichen gegen Antidiskriminierung sieht auch anders aus als ein schriftliches Statement mit vielen Worthülsen: Wir müssen uns fragen, wo wir im Bereich Integration neue Impulse setzen können, heißt es. Konkreter wird es nicht.¹

Das DFB-Debakel geht munter weiter. Auch die späte Erklärung des schwer angezählten obersten nationalen Fußballers Reinhard Grindel war alles andere als ein großer Wurf. Der DFB-Chef, Ex-CDU-Abgeordnete und Ex-TV-Journalist flüchtete sich vor allem in eines – Allgemeinplätze. Und in schlechter, recht neuer Tradition: Nachfragen sind nicht möglich. Dabei wäre durchaus Bedarf vorhanden. Zum Beispiel, wie er das denn nun wirklich gemeint hat im Bundestag in Sachen Zuwanderung, Optionsmodell und Integration.

Oder ob er es wirklich erstaunlich findet, dass Mesut Özil (oder einer seiner Berater) die Grindel-Rede im Bundestag aus dem Jahr 2004 (»Multikulti ist in Wahrheit Kuddelmuddel. Es ist eine Lebenslüge«) vor dem aktuellen Hintergrund noch etwas schlechter findet als zahlreiche andere Bundestagsabgeordnete, die den DFB 2013 darüber informierten, dass sein Schatzmeister vielleicht doch nicht so ganz zu den Werten des Deutschen Fußball-Bundes passt. Aber: Nachfragen unerwünscht. So wurschtelt der DFB munter weiter. Und es ist keiner in Sicht, der den DFB wieder in Führung bringen könnte. Reinhard Grindel auf jeden Fall nicht.²

Seit Wochen blamiert sich der deutsche Fußball bis auf die Knochen. Zuvorderst DFB-Präsident Reinhard Grindel. Als Volksvertreter im Bundestag für die CDU war er ein stramm konservativer Hinterbänkler. An der Spitze des größten Sportfachverbands der Welt stolpert der 56-Jährige von einer Peinlichkeit in die nächste. Durch seine Sprachlosigkeit im Umgang mit Mesut Özil hat er seine Planlosigkeit offenbart. Es mangelt Grindel an Themen und Glaubwürdigkeit. Es ist seine Aufgabe, allen Mitgliedern im DFB das Gefühl von Heimat zu bieten: egal, ob sie Michael, Murat oder Melanie heißen.

Grindel steuert den DFB immer mehr in die internationale Isolation. Er wird auf großer Bühne bei der Uefa schlicht nicht mehr ernst genommen. Der DFB droht bei der Vergabe des EM-Turniers 2024 der Türkei zu unterliegen. Und diese Entwicklung hat zum überwiegenden Teil Grindel zu verantworten. Um das Schlimmste abzuwenden, ist es mehr als überfällig, dass er die Konsequenzen aus seinem Missmanagement zieht und zurücktritt. Für Grindel ist der Job beim DFB mindestens eine Nummer zu groß.³

¹ Mitteldeutsche Zeitung ² Westfalen-Blatt ³ Gianni Costa – Rheinische Post

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