Dopingsperren-Urteil: IOC sollte Entscheid des Sportgerichtshofs umsetzen

Das IOC verliert wieder

Dopingsperren-Urteil: IOC sollte Entscheid des Sportgerichtshofs umsetzen

Eines ist bemerkenswert in der schon Monate währenden Aufarbeitung des Skandals um russisches Staatsdoping: Egal, welche Wendung diese nimmt – das Internationale Olympische Komitee (IOC) steht in der Meinung einer breiten Öffentlichkeit jedes Mal als Verlierer da. So auch jetzt, da der Internationale Sportgerichtshof (Cas) bei 28 russischen Sportlern die vom IOC verhängte lebenslange Sperre für Olympische Spiele aufgehoben hat. Aus Mangel an Beweisen für individuelle Schuld. Warum aber sehen viele selbst in so einem Urteil einen Grund zur Kritik am IOC, das doch mit den lebenslangen Sperren Härte gegenüber russischen Athleten demonstriert hatte? Die Antwort: Diese Härte wirkte im Gesamtbild nur wachsweich, weil Präsident Thomas Bach und seine Mitstreiter sich zuvor eben geweigert hatten, die Russen mit einem Komplettausschluss für Olympia zu belegen und ihnen so eine Kollektivschuld am größtmöglichen Sportbetrug zu attestieren. Nichts anderes tat der Cas nun. Der Gewinner in beiden Fällen: Russland. Der Verlierer: das IOC. Bemerkenswert. Rheinische Post

Natürlich musste sich der oberste Sportfan Russlands an so einem Freudentag äußern. »Das bestätigt unsere Position, dass die überwältigende Mehrheit unserer Athleten sauber ist«, meinte Wladimir Putin zum Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs. Das ist, wie so vieles andere, was der Präsident von sich gibt, natürlich Unfug. Denn festgestellt haben die Richter in Lausanne nur folgendes: Die Beweise, die vorgelegt wurden, reichten nicht, um die individuelle Schuld der klagenden Sportler des größten Dopingskandals seit 1990 zu belegen. Nicht mehr, nicht weniger. Und auch wenn es schwerfällt: Auch für Sportler gelten zentrale Grundsätze der Rechtssprechung. Das Schlimme an dem Urteil ist, dass erneut das Internationale Olympische Komitee wie ein Dilettant dasteht. Aber nicht nur das IOC – auch die Weltantidopingagentur um ihren Chefermittler Richard McLaren hat eine denkbar schlechte Figur abgegeben.

Hurra, wir haben einen Whistleblower, dem glauben wir jetzt mal, schien das Motto der Ermittlungen gewesen zu sein. Oder wie es der Anwalt des russischen Skilangläufers Alexander Legkow, der Bochumer Christof Wieschemann, sagte: »Die Verantwortlichen des IOC haben ihnen seit langem vorliegende Erkenntnisse, die wichtige Teile der Angaben von Dr. Grigori Rodschenkow greifbar widerlegen, nie gewürdigt.« Für Menschen, die sich intensiver mit dem Thema Doping und seiner Bekämpfung beschäftigen, stellt sich immer mehr die Frage: Wann endlich ist es so weit, dass Politik, Sport und Justiz einen weltweit einheitlichen Weg finden, rechtsfest gegen die chemische Manipulation von körperlichen Höchstleistungen vorzugehen? Wann endlich werden die Täter, seien sie Sportler, Trainer, Mediziner, Politiker, so bestraft, dass es eine nachhaltige Wirkung hat – ohne dass die Täter schlechter gestellt werden als andere Menschen, die in ihrem Arbeitsbereich gegen Regeln verstoßen haben? Seit 50 Jahren gelten die Olympischen Spiele als dopingverseucht.

Eigentlich genügend Zeit, um zu handeln. Doch so richtig wollte eben keiner ran an das Thema. Schließlich wurden die Athleten besser, die Trainer besser bezahlt, die Mediziner sonnten sich im Glanz der Medaillen ihrer Steroid-Kreationen, die Fans fühlten sich auch gerne goldig – und natürlich fühlten sich die Politiker noch etwas wichtiger. Eine substanzielle Veränderung dieses Denkens hat nicht stattgefunden. Noch immer sind schon die Versuche hilflos, die Täter zu erwischen. Auch in Deutschland übrigens, wo die Finanzierung des Antidopingprogramms ein Trauerspiel ist. Das aktuelle Urteil hat keine Gewinner – auch nicht die russischen Athleten. IOC, Wada, Olympia, der Sport im Allgemeinen – das sind die großen Verlierer. Glaubwürdigkeit konnte der Sport ja schon nicht mehr verlieren. Westfalen-Blatt

„Die Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) verhängten und zum Teil lebenslangen Dopingsperren gegen russische Sportlerinnen und Sportler wegen unzureichender Beweislage aufzuheben, ist angesichts des großen politischen und öffentlichen Drucks ein ermutigendes Zeichen für eine funktionierende Sportgerichtsbarkeit“, erklärt André Hahn, sportpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. Hahn weiter:

„Seit der Veröffentlichung des McLaren-Reports über Doping-Praktiken in Russland hat DIE LINKE immer wieder betont: Jeder nachgewiesene Einzelfall muss nach den geltenden Regeln des Sports bestraft und unter Zuhilfenahme von Doping errungene Titel und Medaillen müssen aberkannt werden. Zudem müssen selbstverständlich auch die Drahtzieher wie Trainer, Ärzte und anderweitig Verantwortliche verfolgt werden, gegebenenfalls auch strafrechtlich. Sie dürfen ebenso wie wiederholte Dopingsünder künftig im internationalen Sport keine Rolle mehr spielen und haben bei Olympischen Spielen tatsächlich nichts zu suchen.

Wir haben gleichzeitig stets darauf hingewiesen: Es ist keine gesamte Nation, die die Sportwelt betrogen hat. Nicht alle russischen Athletinnen und Athleten über sämtliche Sportarten hinweg dürfen in eine Kollektivhaftung genommen und für Olympische Spiele gesperrt werden, weil Einzelne mit unlauteren Mitteln unverdient Erfolge errungen haben.

Deshalb haben wir es begrüßt, dass das IOC unbelastete und zum Teil auch mehrfach ohne jeden Befund getestete Sportlerinnen und Sportler aus Russland die Teilnahme an den bevorstehenden Winterspielen in Pyeongchang (Südkorea) ermöglicht hat.

Das Internationale Olympische Komitee hat sich früher immer gern auf Entscheidungen des CAS berufen, wenn seine Sperren oder Strafen von den Sportrichtern bestätigt wurden. Das muss nun auch gelten, wenn ein Urteil wie aktuell auch mal gegen das IOC ausfällt. Das IOC ist gut beraten, sich an den Richterspruch zu halten und diesen nicht zu ignorieren. Die freigesprochenen Athletinnen und Athleten sollten an den Winterspielen teilnehmen dürfen. Ansonsten untergräbt man das Vertrauen in die Unabhängigkeit und Wirksamkeit des letztinstanzlichen Sportgerichthofs.“ Partei Die Linke im Bundestag

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