Eurowings-Streik: Gewerkschaftsexperte spricht von „raffiniertem Taktieren der Gewerkschaft Ufo“

Eurowings mit Verspätungsrekord: Lufthansa-Billigtochter kämpft mit Problemen im Europa-Verkehr

Eurowings-Streik: Gewerkschaftsexperte spricht von „raffiniertem Taktieren der Gewerkschaft Ufo“

Lesch : „Man hat offensichtlich mit der Forderung nach mehr Teilzeitarbeit bei Germanwings einen Grund gesucht, um nun eine doppelte Streikfront aufzubauen, statt nur bei Eurowings Deutschland zu streiken. Normalerweise würde ja niemand wegen Teilzeitarbeit plötzlich zum Arbeitskampf aufrufen.“

Riskanter Streik

Dumm sind die Flugbegleiter des Lufthansa-Ablegers Eurowings nicht: Weil sie wussten, dass ein isolierter Streik bei der Eurowings GmbH in Deutschland wegen nur 23 Jets ins Leere gelaufen wäre, haben sie nun einen Vorwand gefunden, um auch noch weitere 58 Maschinen der Schwesterfirma Germanwings lahmlegen zu können. Also droht heute praktisch der komplette Stillstand beim innerdeutschen und innereuropäischen Flugverkehr bei der Eurowings-Gruppe. Das ist ein Desaster auch für Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der mit Eurowings ein Gegengewicht zu Ryanair und Easyjet aufbauen will. Man kann Gewerkschaft und Management nur raten, sich schnell zusammenzuraufen. Den Passagieren ist schon der heutige Streik nicht zuzumuten. Jede Verlängerung wäre katastrophal. Hinzu kommt, dass in der Luftfahrt Unternehmen und Mitarbeiter noch mehr gemeinsame Interessen haben als in vielen anderen Branchen: Jeder Verlust von Marktanteilen bedeutet direkt weniger Jobs. Was also tun? Die Kontrahenten sollten einen Schlichter berufen. Rheinische Post

Hürde für Integration der Air Berlin-Maschinen

Die Flugverspätungen der Lufthansa-Billigflugtochter Eurowings haben sich im Sommer drastisch verschärft. Das zeigen Daten, die das Verbraucher-Portal FairPlane für das Wirtschaftsmagazin ‚Capital‘ analysiert hat. Allein im Juni startete oder landete demnach fast jede zweite Maschine im Europa-Verkehr mehr als 15 Minuten zu spät. Die durchschnittliche Verspätung war sogar weit größer und betrug 46 Minuten. Von Juni bis September war im Schnitt gut ein Drittel aller Flüge verspätet.

So lange lässt kaum eine europäische Regionalfluggesellschaft ihre Passagiere warten: Waren bei Eurowings im Juni 42 Prozent aller gut 4.000 Verbindungen mehr als eine Viertelstunde zu spät, waren es bei der Konkurrenz nur 21 Prozent. In die Analyse sind die Daten der drei großen Luftverkehrs-Portale FairPlane, Flightstats und OAG eingeflossen. Eurowings fällt branchenüblich in die Kategorie der Regionalfluggesellschaften und wurde mit 30 Wettbewerbern verglichen, die jeweils mehr als 1.500 Verbindungen pro Monat im Europa-Verkehr anbieten; Billig-Anbieter wie Ryanair und Easyjet oder traditionelle Netzwerkgesellschaften wie Lufthansa sind in diesem Ranking nicht enthalten.

Die Zahlen sind alarmierend für Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Eurowings ist für ihn der Schlüssel im Kampf gegen aggressive Wettbewerber, die Billigtochter soll kräftig expandieren. So soll Eurowings in den kommenden Monaten 35 Maschinen samt Besatzung vom kriselnden Rivalen Air Berlin und 49 Flieger von Brussels Airlines übernehmen. Die Integration mehrerer Marken unter einem Dach ist ein wichtiger Grund für die Verzögerungen. Neben den alten Lufthansa-Töchtern Germanwings und Eurowings müssen bald auch Brussels Airlines- und die ehemaligen Air-Berlin-Maschinen unter der Marke Eurowings zusammengeführt werden. Technische Ausfälle und Personalengpässe frustrieren jedoch Mitarbeiter und Kunden.

Zu Jahresbeginn war die Fluglinie bereits wegen massiver Verspätungen im Langstreckenverkehr in die Schlagzeilen geraten. Eurowings-Chef Karl Ulrich Garnadt hatte daraufhin eine Taskforce gegründet, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Jedoch haben die Verspätungen nun auf das deutlich relevantere Kerngeschäft in Europa übergegriffen. „Wir hatten Probleme, und der Betriebsablauf entsprach nicht unserem Anspruch“, räumte ein Eurowings-Sprecher auf Anfrage ein. Man habe Maßnahmen zur Verbesserung eingeleitet. Jenny von Zepelin – Redaktion ‚Capital‘

Eurowings bietet Schlichtung aller offenen Tarifvertragsthemen an

Sieben Prozent Vergütungserhöhung, Erfolgsbeteiligung, Aufbau einer Unterstützungskasse: Fluglinie appelliert an Verantwortung der Gewerkschaft Ufo

Eurowings und die Kabinengewerkschaft Ufo konnten sich trotz intensiver Gespräche auch am Mittwoch noch nicht auf eine Lösung im Tarifkonflikt einigen. Dabei hat die Geschäftsführung der Fluggesellschaft allen Flugbegleitern der Eurowings Deutschland nicht nur substanzielle Vergütungserhöhungen angeboten, sondern der Ufo darüber hinaus eine Schlichtung aller offenen Tarifvertragsthemen bei der Eurowings.

Das gesamte Angebot an die Flugbegleiter entspricht im Paket einer Tariferhöhung von durchschnittlich sieben Prozent über die Laufzeit von drei Jahren und drei Monaten – zuzüglich einer variablen Vergütung. Die wichtigsten Inhalte des Angebots an die Eurowings Kabinenmitarbeiter sind:

– Einführung einer neuen Purser-Struktur in der Kabine der Eurowings Deutschland, wie von der Mitarbeitergruppe gefordert.

– Vergütungserhöhungen: Über die nächsten drei Jahre soll es bei den „Chefs de Cabine“ mit Einführung einer Purser-Tabelle sukzessive zur Angleichung der Vergütung an die Purser-Kolleginnen und -Kollegen bei der Schwester Germanwings kommen. Auch Flugbegleiter erhalten dabei substanzielle Vergütungserhöhungen.

– Zusätzliche variable Vergütung: Eurowings bietet eine zusätzliche variable Vergütung an, die Flugbegleiter unmittelbar am Erfolg der wachsenden Eurowings beteiligt. Im Flugbetrieb der Eurowings Deutschland wird sich die Anzahl der Flugbegleiter durch Einflottung neuer Airbus A320 Maschinen innerhalb kurzer Zeit von 270 auf 550 mehr als verdoppeln.

– Aufbau einer Unterstützungskasse: Eurowings wird sich am Aufbau einer Unterstützungskasse beteiligen, die gemeinsam durch den Arbeitgeber und den Mitarbeiter finanziert wird.

„Mit diesem ganzen Paket an angebotenen Verbesserungen und deutlichen Tariferhöhungen gehen wir an die Grenze dessen, was in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld machbar und vertretbar ist“, sagt Joerg Beißel, Geschäftsführer Personal bei Eurowings. „Während bei anderen Fluggesellschaften über Abbau gesprochen wird, sprechen wir über Wachstum und Tariferhöhungen in einem schwierigen Marktumfeld. Vor diesem Hintergrund appellieren wir an die Verantwortung der Ufo, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und lösbare Tarifkonflikte nicht auf dem Rücken unserer Kunden auszutragen.“ Eurowings

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