FDP attackiert Umweltministerin: Strafsteuer auf Einweg-Kaffeebecher löst Probleme nicht

Generalsekretärin Teuteberg kritisiert "enormen Aufwand" und geringe Wirkung

FDP attackiert Umweltministerin: Strafsteuer auf Einweg-Kaffeebecher löst Probleme nicht

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg hält die von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) vorgeschlagenen Maßnahmen gegen Einweg-Kaffeebecher für weitgehend wirkungslos. „Eine Straftsteuer löst kein Problem und schafft enormen Aufwand für alle Beteiligten“, sagte Teuteberg der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Zur Vermeidung und besseren Verwertung von Abfällen könne Deutschland „mehr und Intelligenteres tun“.

Die FDP-Generalsekretärin forderte zum Beispiel mehr Transparenz und Verantwortlichkeit im Entsorgungssystem. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Plastikabfälle aus Deutschland im Ausland auf Deponien landen, statt umweltfreundlich verwertet zu werden“, bemängelte die Liberale. Sie sprach sich ferner dafür aus, den Aufbau von Entsorgungssystemen in Schwellen- und Entwicklungsländern stärker zu unterstützen. „Dabei müssen auch diejenigen in die Pflicht genommen werden, die vom Export von Konsumgütern in diese Länder wirtschaftlich profitieren“, forderte Teuteberg.¹

5.300 verbrauchte Einwegbecher pro Minute: Deutsche Umwelthilfe fordert Abgabe und verbindliches Reduktionsziel zum Stopp der Kaffeebecherflut

Neue Studie des Umweltbundesamtes belegt Ausmaß des Problems mit Einwegbechern in Deutschland: jährlicher Verbrauch von 2,8 Milliarden Einwegbechern für Heiß- und 3 Milliarden für Kaltgetränke im Außer-Haus-Konsum – Einwegbecher werden besonders oft in der Umwelt gefunden und verschmutzen öffentliche Plätze, Parks und die Natur – Nur ein Bruchteil der Einwegbecher wird recycelt – Deutsche Umwelthilfe fordert Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einwegbecher, 10 Cent auf Einwegdeckel und die Einführung eines verpflichtenden Reduktionsziels von 70 Prozent bis 2022

Das Bundesumweltministerium hat am heutigen Dienstag, den 21. Mai 2019, neue Zahlen zum Einwegbecherverbrauch in Deutschland veröffentlicht. Demnach wurden im Jahr 2016 2,8 Milliarden Einwegbecher für Heißgetränke und 3 Milliarden Einwegbecher für Kaltgetränke Außer-Haus verbraucht. Das entspricht einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von insgesamt 70 Wegwerfbechern (34 Einwegbecher für Heiß- und 36 für Kaltgetränke). Durch die ständige Neuherstellung von Einwegbechern werden Ressourcen vergeudet, das Klima belastet und die Umwelt verschmutzt. Um das Becherproblem zu lösen, fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einwegbecher, 10 Cent auf Einwegdeckel und die Einführung eines verpflichtenden Reduktionsziels von 70 Prozent bis 2022 im Vergleich zum Becherverbrauch in 2016. Große Coffee-to-go-Ketten, Bäckereien und Kantinenbetreiber sollen ein flächendeckendes System mit Mehrwegpfandbechern aufbauen.

„Pro Minute fallen in Deutschland 5.300 Einwegbecher für Kaffee, Tee und andere Heißgetränke an. Über das gesamte Jahr ergibt dies einen Abfallberg aus 2,8 Milliarden Bechern. Das ist ein Grund zur Sorge, denn für deren Herstellung werden nicht nur Ressourcen verschwendet und das Klima belastet. Genau diese Becher landen auch besonders häufig in der Umwelt. Wir brauchen deshalb ambitionierte gesetzliche Regelungen, die viel wirksamer sind, als es freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft je sein könnten. Wir fordern die Einführung eines verpflichtenden Reduktionsziels von 70 Prozent und einer Abgabe auf Einwegbecher und Deckel. Selbstverpflichtungen haben bisher noch kein Umweltproblem nachhaltig gelöst“, sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

„Als Alternative zu Einwegbechern können Verbraucher ihren Kaffee klassisch vor Ort aus einer Tasse trinken, ihren eigenen Mehrwegbecher zur Wiederbefüllung mitbringen oder das Getränk aus einem Mehrwegbecher mit Pfand genießen, den viele Coffee-to-go-Anbieter gleichermaßen nutzen. Allerdings beteiligen sich an besonders verbraucherfreundlichen Mehrwegbechersystemen mit Pfand bislang kaum große Coffee-to-go-Ketten. Das ist jedoch notwendig, damit eine Flächendeckung bei den Rückgabestellen erreicht wird. Je einfacher die Becherrückgabe, desto größer die Akzeptanz bei den Verbrauchern. Eine Abgabe und ein ambitioniertes Reduktionsziel für Einwegbecher würde insbesondere die Teilnahme von großen Kaffeehausketten und Kantinenbetreibern an Pool-Bechersystemen massiv vorantreiben“, erklärt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.

Die vorgestellte Studie des Umweltbundesamtes belegt außerdem ökologische Vorteile von Pool-Mehrwegbechern aus Kunststoff bereits nach rund 20 Wiederbefüllungen gegenüber Einwegbechern. Bei der Nutzung von Mehrwegbechern ist allerdings darauf zu achten, dass keine Einwegdeckel verwendet werden. Bei individuellen Mehrwegbechern kann ab einem Jahr Nutzungsdauer von mehr als 50 Wiederverwendungen ausgegangen werden, wodurch die Umweltlasten aus der Herstellung und Entsorgung nicht mehr ins Gewicht fallen.²

¹Neue Osnabrücker Zeitung ²Deutsche Umwelthilfe e.V.

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