FDP erneuert Vorwürfe gegen Bundesamt

Hackerangriff: Der neue Krieg

FDP erneuert Vorwürfe gegen Bundesamt

Auch wenn man Horst Seehofer nichts Böses will, so muss man doch nüchtern feststellen, dass er bald 70 Jahre alt wird, von der Online-Welt wenig versteht und bis heute auch wenig Interesse an ihr zeigt. Es ist jedenfalls kein Zufall, dass sich der CSU-Politiker zuletzt so still verhalten hat und jetzt durch die Vorladung zuständigen Verantwortlichen nacharbeiten muss. Nein, der Hackerangriff ist beileibe nicht Seehofers Schuld. Doch dessen Bewältigung fällt fraglos in seine Verantwortung – was ein gewisses Verständnis für die Komplexität der Dinge und den Willen zur Beseitigung der Missstände voraussetzt.¹

Die FDP hat die Vorwürfe gegen das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik angesichts der jüngsten Erkenntnisse zum Datendiebstahl erneuert. „Das BSI hat zwar zutreffend darauf hingewiesen, dass es für den Schutz der Abgeordneten nicht zuständig ist, es war aber sehr wohl verpflichtet, die anderen Sicherheitsbehörden zu informieren“, sagte FDP-Digitalexperte Manuel Höferlin der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Das sei offensichtlich unterblieben und werfe ein bezeichnendes Licht auf den Umgang von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mit den ihm unterstellten Behöden. „Zuerst hat er sich nicht dafür interessiert und nun handelt er das Thema Cybersicherheit als eine Art Nebenbeschäftigung ab“, sagte der FDP-Politiker. „Die große Koalition kann keine Innere Sicherheit“, sagte Höferlin, denn auch was die SPD-Justizministerin Katarina Barley an Vorschlägen unterbreite, sei „sinnfrei“ und habe mit der Bewältigung der aktuellen Vorkommnisse nichts zu tun.²

Eigentlich könnte sich der Beobachter gelangweilt abwenden. Ach, schon wieder ein paar persönliche Daten sind gehackt und veröffentlicht worden. Diesmal von Politikern und anderen Prominenten. Was geht es mich an? Kennen wir doch schon. Diese Reaktion wäre fatal. Denn der neuerliche Angriff ist nur ein Beispiel für inzwischen tausendfache Cyber-Angriffe auf alle Lebensbereiche. Wenn nur ein paar persönliche Daten auf diese Weise veröffentlicht werden, ist das eine üble Tat und kriminell. Der Betroffene mag sich ärgern, hat den Schaden und viel Arbeit. Mehr nicht. Allerdings mehren sich gezielte Attacken auf öffentliche Einrichtungen und Institutionen, die teils lebensnotwendig sind. Zwar ist der Roman „Blackout“ von Marc Elsberg eine Erfindung. Aber ausgeschlossen sind solche Angriffe nicht mehr. In dem Werk legen Hacker Kraftwerke und Stromnetze in ganz Europa und den USA lahm.

Die komplette Versorgung der Menschen bricht binnen Tagen zusammen, purer Existenzkampf hält Einzug. Eine Schreckensvision, die so unrealistisch nicht mehr ist. In der Ukraine kam es im Winter 2015 zu einem massiven Stromausfall nach einem Cyberangriff, im Baltikum wurden Regierungs- und Parlamentsnetze infiziert und auch der Deutsche Bundestag war wiederholt im Visier ausländischer Hacker. Die Täter können oft gar nicht ermittelt werden. Erst im August vergangenen Jahres warnte das Nationale Cyberabwehrzentrum vor einem so herbeigeführten Stromausfall in ganz Europa. Auch gezielte Angriffe ausländischer Geheimdienste sind Thema. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die Kommunikation hoher EU-Beamter und Diplomaten ausgespäht worden ist. Besonders im Verdacht sind immer wieder Russland und China, aber auch die westlichen Staaten sind nicht untätig.

Es geht nicht mehr nur darum, sein eigenes persönliches Passwort so stark wie möglich zu haben, für alle Dienste unterschiedliche Sicherungen zu nutzen und ganz wichtige und sensible Daten auf einer externen Festplatte ohne Internet-Anschluss zu speichern. Es geht um die nationale Sicherheit. Der neue Krieg ist digital. Angriffssysteme werden immer raffinierter. Die Abwehr muss mithalten. Das Cyberabwehrzentrum sollte deutlich aufgerüstet und besser ausgestattet werden. Die IT-Sicherheit sollte nicht einer Behörde in Bonn mit gut einem Dutzend Mitarbeitern überlassen sein, sondern ins Zentrum rücken. Der aktuelle Datenklau ist hoffentlich ein Weckruf.³

¹Mitteldeutsche Zeitung ²Rheinische Post ³Carsten Heil – Neue Westfälische

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