Flughafenchaos: Sicherheitskontrollen an Flughäfen

Problemen im Flugverkehr

Flughafenchaos: Sicherheitskontrollen an Flughäfen

Kleine Ursache, katastrophale Wirkung: Tausende stranden auf Deutschlands zweitgrößtem Flughafen, weil – tja, weil eine Frau um die 40, Hokuspokus, unkontrolliert im Sicherheitsbereich entschwindet und nicht mehr ausfindig gemacht werden kann. Wollte sie die Sicherheitsleute ärgern, die sie vorher gerüffelt hatten? Oder hat sie sich, unbedarft in Sachen Fliegerei und schon aufgeregt, einfach vertan im allgemeinen Gewühl auf dem Münchener Großflughafen, der mit dem Ferienbeginn im Freistaat die erste ganz große Reisewelle zu bewältigen hatte?

In Sekunden hätte sie gestoppt werden müssen, aber Stunden hat es gedauert, sie ausfindig zu machen – wo auch immer. Über die genauen Umstände schweigen die Behörden noch. Wie kann dergleichen passieren? In Deutschland, und – pikant – noch dazu in Bayern, dem es ja stets gefällt, sich als besonders kompetent in Sachen Sicherheit herauszuheben. Nun denn, der Fluggast hat es auszubaden – und das nicht erst seit diesem Samstag in München. Personalnot und Desorganisation sind Alltag im Sicherheitsbereich der deutschen Flughäfen. Das nächste Chaos hat schon eingecheckt.¹

Privat vor Staat, diese Devise ist in hoch sensiblen Bereichen wie dem Flugverkehr an ihre Grenzen gestoßen. Daraus sollte die Bundesregierung, die das Wachgewerbe an den Airports regulieren und die Luftsicherheitskontrollen reformieren will, die richtigen Schlüsse ziehen. Der Staat ist verantwortlich für den Schutz der Bürger – er kann sich keinen schlanken Fuß machen und Zuständigkeiten auf Private abwälzen. Prekäre Arbeit und Gewinnmaximierung vertragen sich nicht mit dem Anspruch, größtmögliche Verlässlichkeit zu bieten. Sicherheit kostet eben Geld.²

Air Berlin hatte den Spagat versucht, aus einem Ferienflieger auch eine „Qualitätsairline“ zu machen, die für Geschäftsreisende interessant ist. Die Lufthansa – anfangs noch dafür belächelt – versucht den umgekehrten Weg: Wer mehr bezahlt, sollte auch mehr Leistung erwarten dürfen. Gerade der Stau am Himmel zeigt aber, dass es aus unternehmerischer Sicht zwingend erforderlich ist, den komplexen Flugbetrieb mit einer „Mischkalkulation“ aufrechtzuerhalten. Es muss die Passagiere geben, die bereit sind, für mehr Qualität einen höheren Preis zu zahlen. Wenn sie dabei aber im gleichen Stau landen wie alle anderen, dann wird auch diese Bereitschaft abnehmen.³

Deutsche Flughafenchefs mit klaren Erwartungen an die Politik

Die Vorstände und Geschäftsführer der deutschen Flughäfen kamen letztes Wochenende zu ihrer Sommertagung auf Einladung des Flughafens Weeze zusammen. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die hohe Verkehrsbelastung der Flughäfen zur Sommerreisezeit und das Engagement der Branche für einen verbesserten Fluglärmschutz. Ebenfalls gewürdigt wurde die erfolgreiche Entwicklung der kleineren Flughafenstandorte in Deutschland, für die der Flughafen Weeze beispielhaft steht.

Airportchef Ludger van Bebber stellte entscheidende Erfolgsfaktoren exemplarisch anhand des Flughafens Weeze dar: Mut, Wille, Kundenorientierung sowie ein fortwährendes Kostenmanagement haben den Flughafen Weeze nachhaltig auf die Erfolgsspur gebracht. ADV-Präsident Dr. Stefan Schulte bedankt sich beim gastgebenden Flughafen für eine intensiv geführte Debatte mit guten Erkenntnissen. „Der fachliche Austausch ist für alle Flughäfen essentiell – ganz gleich ob großer oder kleiner Flughafen“.

Langfristige Stabilisierung auch durch Neuorganisation der Luftsicherheit

Eines der zentralen Themen und besonders für Reisende in den Sommermonaten hochaktuell – die Pünktlichkeit im Luftverkehr. Die deutschen Flughäfen arbeiten gemeinsam mit Airlines und Flugsicherung intensiv an Maßnahmen für einen verlässlichen Flugbetrieb trotz Hochbetrieb und neuen Rekordwerten bei der Zahl der Passagiere.

Denn: Ferienzeit ist Reisezeit und Reisezeit soll bereits Erholungszeit sein! Viele Menschen möchten in ihren wohlverdienten Urlaub fliegen, und zwar unkompliziert und komfortabel. Die deutschen Flughäfen nehmen die Herausforderungen an. Auf die hohe Zahl der Reisenden haben sich die Flughäfen mit zusätzlichen Personaleinstellungen und neuen Sicherheitskontrolllinien vorbereitet. Die Sommerspitze soll möglichst reibungslos ablaufen, mit effizienten Terminalprozessen und ohne lange Warteschlangen an den Sicherheits- und Grenzkontrollen.

Aus Sicht des Flughafenverbandes ADV müssen die Abläufe an den Sicherheitskontrollen noch effektiver, wirtschaftlich effizienter und passagierfreundlicher gestaltet werden. Am Boden setzen die Flughäfen dafür in erster Linie auf eine flexible Organisation bei den Luftsicherheitskontrollen, Leistungsanreize bei den eingesetzten Dienstleistern und eine Neuregelung der Zuständigkeiten. „Ein erster Schritt ist getan: Die Bundesregierung hat dieses wichtige Thema in ihrem Koalitionsvertrag verankert. Entscheidend sind jetzt schnelle politische Weichenstellungen für eine erfolgreiche Umsetzung“, so Dr. Stefan Schulte, Präsident des Flughafenverbandes ADV und Vorstandsvorsitzender der Fraport AG.

Maßnahmenbündel aus aktiven und passiven Schallschutzmaßnahmen

Um dem Schutzbedürfnis der Anwohner gerecht zu werden, engagieren sich die Flughäfen seit Jahrzehnten umfassend beim Fluglärmschutz. Ziel ist es, auf Grundlage der geltenden Rechtslage eine ausgewogene Balance zwischen den Interessen der Flughafennachbarn einerseits und den Erfordernissen der Wirtschaft und den Mobilitätsbedürfnissen der Reisenden andererseits zu erreichen. Um Lärmauswirkungen des Luftverkehrs zu mindern, hat sich ein Mix aus aktiven und passiven Schallschutzmaßnahmen bewährt. Neue Flugzeuge sind spürbar leiser geworden und Flugrouten werden fortwährend lärmmindernd optimiert. Den Einsatz moderner Flugzeuge unterstützen die Flughäfen durch eine intelligente Weiterentwicklung der lärmabhängigen Flughafenentgelte. Tatsächlich hat sich der Anteil der lärmabhängigen Entgelte am gesamten Aufkommen alleine in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt.

Mit dem geltenden Fluglärmschutzgesetz und den nachfolgenden Durchführungsverordnungen sind anspruchsvolle und auf Erkenntnissen der aktuellen Lärmwirkungsforschung basierende Schutzkriterien festgelegt und deutlich erhöht worden. Die Flughäfen setzen für die Zukunft auf eine einfachere und nachvollziehbare Umsetzung des Schallschutzes, um die Akzeptanz der Maßnahmen bei den Betroffenen weiter zu erhöhen. Dies muss das übergeordnete Ziel für die Weiterentwicklung der Regelungen sein. „Das Fluglärmschutzgesetz ist ein modernes Gesetz. Mit Selbstbewusstsein können wir sagen, dass es den aktuellen Anforderungen vollumfänglich entspricht“, so Dr. Schulte abschließend.⁴

¹Westfalen-Blatt ²Stuttgarter Zeitung ³Stuttgarter Nachrichten ⁴ADV Deutsche Verkehrsflughäfen

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