Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hält Frauenquote für zweischneidig

Frauenrechtlerin Alice Schwarzer hält Frauenquote für zweischneidig

In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zum 40. Geburtstag der Frauenzeitschrift „Emma“ sagte die Herausgeberin: „Strukturelle Maßnahmen zur Förderung von Frauen sind leider noch notwendig – denn sie werden ja auch strukturell benachteiligt.“ Allerdings halte sie die Frauenquote für zweischneidig: „Die Quote kommt übrigens nicht von uns Feministinnen, sondern von den Politikerinnen. Was ich verstehe: Die wussten sich in ihren Männerparteien irgendwann nicht mehr anders zu helfen.“

Trotz großer Fortschritte seien Frauen immer noch enorm benachteiligt. So gebe es immer noch die alte Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern, jede zweite berufstätigte Frau in Deutschland arbeite in Teilzeit. Schwarzer sagte: „Das heißt, sie steuert, bei Trennung, auf eine dramatische Altersarmut zu.“ Auf den Weltfrauentag am 8. März kann die Frauenrechtlerin nach eigenen Worten aber getrost verzichten. Schwarzer sagte: „Jeder Tag sollte ein Tag der Frauen sein.“ Neue Osnabrücker Zeitung

Aus Schaden klug werden

Insgeheim wissen viele in der Landesregierung längst, dass es ein schwerer Fehler war, die gut gemeinte Gleichstellung mit allerlei Gummiparagrafen im Dienstrecht zu verankern. Fünf Verwaltungsgerichte in NRW haben die neue Frauenquote als verfassungswidrig und mit dem Leistungsprinzip unvereinbar eingestuft.

Handwerklich schlimmer: Das Land hat eine Vorschrift ins Werk gesetzt, für die es gar keine Regelungskompetenz besaß. Die Folgen in vielen Behörden sind fatal: Klagen grundlos zurückgesetzter Männer, kompetente Frauen unter kollegialem Rechtfertigungsdruck, Blockade von Beförderungsrunden.

Wie man bei dieser Ausgangslage die Frauenquote auch noch in Stadtverwaltungen und kommunale Unternehmen tragen konnte, bleibt ein politisches Rätsel. Wäre man in Düsseldorf aus Schaden klug geworden, wären schleunigst überzeugende Alternativen geprüft worden, um mehr weibliche Führungskräfte im öffentlichen Dienst zu fördern.

Für die Landesregierung mag es vor der Landtagswahl eine Frage der Selbstachtung sein, in nächster Instanz für die Frauenquote zu kämpfen. Dann aber sollte Schluss sein mit der Prozesshanselei. Tobias Blasiuszur – Westdeutsche Allgemeine Zeitung

Frauenanteil in Professorenschaft 2015 auf 23 % gestiegen

Ende 2015 lehrten und forschten an deutschen Hochschulen und Hochschulkliniken rund 46 300 Professoren und Professorinnen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, waren das rund 600 oder 1,2 % mehr als 2014. Die Gesamtzahl der Professoren und Professorinnen ist in den letzten zehn Jahren um 22 % gestiegen. Im selben Zeitraum erhöhte sich der Frauenanteil innerhalb der Professorenschaft stetig. Er nahm zwischen 2005 und 2015 von 14 % auf 23 % zu. Die Zahl der Professorinnen hat sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt und erreichte 2015 mit rund 10 500 einen neuen Höchststand.

Mit knapp 13 300 Lehrstühlen insgesamt war Ende 2015 die Fächergruppe Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften bei Professorinnen (3 800) und bei Professoren (9 500) am häufigsten vertreten. Der zweite Rang bei der Anzahl an Lehrstühlen insgesamt entfiel auf die Ingenieurwissenschaften (12 200; 1400 Frauen und 10 800 Männer). Wie in den Vorjahren gab es die höchsten Frauenanteile bei den Geisteswissenschaften (36 %) und bei Kunst, Kunstwissenschaft (32 %).

Insgesamt waren Ende 2015 an deutschen Hochschulen und Hochschulkliniken 686 100 Personen tätig. Das waren 2 % mehr als Ende 2014 (675 100) und 38 % mehr als Ende 2005 (497 200). Im Jahr 2015 gehörten 386 300 dem wissenschaftlichen und künstlerischen Hochschulpersonal sowie 299 800 dem Verwaltungs-, technischen und sonstigen Hochschulpersonal an. Dabei betrug der Anstieg beim Verwaltungs-, technischen und sonstigen Hochschulpersonal in den letzten zehn Jahren 17 %, beim wissenschaftlichen und künstlerischen Personal lag der Zuwachs bei 61 %. Statistisches Bundesamt (Destatis)

DAX-30-Unternehmen erreichen erstmals 30 Prozent Frauenanteil in Aufsichtsräten – In den Vorständen hingegen herrscht Stagnation

In den ersten fünf Monaten nach Einführung der Geschlechterquote ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten deutlich gestiegen (von 26,8 auf 30,2 Prozent) – 18 der DAX-30-Unternehmen erfüllen die 30-Prozent-Quote bereits

Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der 30 größten börsennotieren Unternehmen des Landes ist seit Einführung der Geschlechterquote um mehr als drei Prozentpunkte gestiegen. Anfang Juni lag er bei 30,2 Prozent. Das zeigt eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Demnach überschritten die DAX-30-Unternehmen insgesamt erstmals die 30-Prozent-Marke bei den Frauenanteilen in den Aufsichtsräten. Einzeln betrachtet erfüllen bereits 18 der 30 Unternehmen die gesetzliche Quote, die für den Großteil dieser DAX-Unternehmen seit Januar 2016 gilt. „Dieser Anstieg ist ein vergleichsweise deutlicher Schritt in die richtige Richtung und könnte ein Anzeichen für die Wirkung der Quote sein“, sagt Elke Holst, DIW-Forschungsdirektorin für Gender Studies.

Zwölf der DAX-30-Unternehmen haben die 30-Prozent-Marke noch nicht erreicht, die meisten stehen aber kurz davor. So würden acht weitere Unternehmen sie bereits erreichen, wenn sie einen einzigen Mann durch eine Frau im Aufsichtsrat ersetzen würden. In sämtlichen DAX-30-Unternehmen sitzen jetzt mindestens zwei Frauen im Aufsichtsrat. Die höchsten Frauenanteile haben die Deutsche Börse AG mit 41,7 Prozent und mit jeweils 40 Prozent die Deutsche Telekom AG, die Deutsche Post AG und die Munich RE. Die geringsten Frauenanteile finden sich bei der Volkswagen AG mit 15 Prozent und HeidelbergCement AG mit knapp 16,7 Prozent. Insgesamt stellen die Arbeitnehmervertretungen nur noch knapp die Hälfte der Aufsichtsrätinnen: Von 145 Frauen in den DAX-30-Aufsichtsräten entsenden sie derzeit 72. Das entspricht einem Anteil von 49,7 Prozent. Anfang Januar 2016 waren es 70 von 128 und damit 55 Prozent gewesen. Die Kapitalseite hat damit gleichgezogen.

Keine Weiterentwicklung in Vorständen

Deutlich anders sieht es in den Vorständen aus, die nicht von der Quote betroffen sind. Hier stagniert der Frauenanteil bei unter einem Zehntel: Anfang Juni waren 9,4 Prozent der Posten in Vorständen und Geschäftsführungen mit Frauen besetzt, Anfang 2016 lag der Anteil bei 9,6 Prozent. Die Zahl der weiblichen Vorstände blieb mit 19 seit Jahresbeginn unverändert. „In den Vorständen verharrt der Frauenanteil auf unter einem Zehntel. „Um Frauen auch den Zugang in operative Spitzenpositionen zu ermöglichen, bedarf es deutlich größerer Anstrengungen“, so Holst. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

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