Gerechte Rente – aber wie? Es drohen 27 Prozent Rentenbeitrag

Arbeiten bis zum Umfallen breitet sich aus

Gerechte Rente – aber wie? Es drohen 27 Prozent Rentenbeitrag

In den Parteien werden bereits erste Renten-Wahlversprechen formuliert und die Gewerkschaften fordern kostspielige Rentenerhöhungen. Aber würde ein höheres Rentenniveau tatsächlich gezielt und effizient Altersarmut verhindern? Und was würde das die Beitragszahler kosten? In Berlin diskutierten heute Rentenexperten von Union und SPD mit dem Demografie- und Sozialversicherungsforscher Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen.

Sollte die Politik der Forderung nach einem höheren Rentenniveau nachgeben, würde sie künftige Beitragszahler einseitig belasten. Das zeigen Schätzungen des Rentenexperten Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen (Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg): „Wer die Beibehaltung des heutigen Rentenniveaus fordert, beseitigt keine Altersarmut, sondern belastet einseitig zukünftige Generationen. Ab 2040 müssten die Beitragszahler voraussichtlich fast 27 Prozent ihres Einkommens in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Profitieren würden Rentner, die im Durchschnitt nur 20 Prozent gezahlt haben.“

Raffelhüschen diskutierte bei einer Veranstaltung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) mit den Rentenexperten von CDU und SPD, Jens Spahn MdB (parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium) und Prof. Dr. Karl Lauterbach MdB (stellv. Fraktionsvorsitzender). Dabei wurde deutlich, dass das Thema Rente einer der zentralen Streitpunkte im Bundestagswahlkampf 2017 werden könnte. Spahn: „Wir haben die Rente für eine älter werdende Gesellschaft fit gemacht. Diesen Grundkonsens dürfen wir nicht aufgeben. Gerade in einem Jahr, in dem die Renten so stark steigen wie lange nicht, sollten wir uns über gezielte Verbesserungen unterhalten und nicht Rentenpolitik mit der Gießkanne betreiben. Das hilft niemandem.“

Lauterbach kritisierte indirekt die Diskussion um einen späteren Rentenbeginn: „Ich kann die Finanzierungsprobleme der Rente nicht damit lösen, dass die Menschen die Rente gar nicht mehr erleben. Die Finanzierung der Renten muss den Prinzipien der Solidarität und der Parität entsprechen. Langfristiges Ziel ist der Umbau der Rentenversicherung zu einer Erwerbstätigenversicherung für alle, in die auch Abgeordnete, Freiberufler, Selbständige und Beamte einzahlen.“

Raffelhüschen verwies darauf, wer für das Schrumpfen der Erwerbsbevölkerung verantwortlich sei und argumentierte aus Sicht künftiger Beitragszahler: „Dafür, dass ihr, die Rentner, so viele seid – dafür können wir doch nichts. Dafür aber, dass wir so wenige sind, dafür könnt ihr was. Das habt ihr doch selbst verursacht.“ Sein Fazit: „Halten wir im Sinne der Generationengerechtigkeit doch bitte die Beiträge konstant und passen das Rentenniveau entsprechend der Fertilitätsleistung der jeweiligen Generationen an!“

Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM, wies darauf hin, dass die Warnung vor sinkenden Renten jeglicher Grundlage entbehre: „Auch in Zukunft werden die Renten weiter steigen – lediglich nicht mehr ganz so deutlich wie die Löhne. Eine Rentensenkung ist sogar gesetzlich ausgeschlossen. Die Rentner des Jahres 2030 werden sich daher mehr leisten können, als die jetzigen Rentner. Und das ist gut so.“ Pressesprecher INSM: Florian von Hennet

Arbeiten bis zum Umfallen breitet sich aus

„Dass sich die Zahl der erwerbstätigen Seniorinnen und Senioren seit 2005 mehr als verdoppelt hat, ist ein besorgniserregender Befund. Das Rentenalter bedeutet für immer weniger Menschen Ruhestand und Erholung nach einem anstrengenden Arbeitsleben. Das Rentenniveau sinkt, Armut breitet sich in der Gesellschaft aus, und damit steigt der Druck, weiter zu arbeiten“, erklärt Sabine Zimmermann, stellvertretende Vorsitzende und arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zur wachsenden Zahl älterer Menschen, die auch nach dem Renteneintritt einer Beschäftigung nachgehen. Zimmermann weiter:

„Arbeiten bis zum Umfallen wird für immer mehr Menschen zur traurigen Realität, und die Politik ist gefordert, darauf zu reagieren. DIE LINKE setzt sich für eine armutsfeste solidarische Mindestrente für alle ein. Das Rentenniveau muss wieder deutlich angehoben werden. Die leidige Debatte um eine weitere Erhöhungen des Renteneintrittsalters muss beendet werden, denn letztlich geht es dabei immer nur um weitere versteckte Rentenkürzungen.“ Partei Die Linke im Bundestag

Altersvorsorge
Altersvorsorge

Junge Auszubildende: Mehr Konsum, weniger Vorsorge

In diesen Wochen haben wieder viele Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland ihre Ausbildung begonnen. Bundesweit sind es mehr als 500.000, die jedes Jahr in den Beruf starten und zum ersten Mal ihr eigenes Geld verdienen. Im Schnitt 832 Euro brutto im Monat hat ein Lehrling in Westdeutschland im vergangenen Jahr verdient, in Ostdeutschland waren es 769 Euro. Das reicht zwar häufig noch nicht, um bei den Eltern auszuziehen, wohl aber, um regelmäßig ein paar Euro zurückzulegen, etwa für den Urlaub oder das erste Auto. Woran viele Berufsanfänger häufig jedoch noch nicht denken, ist die Altersvorsorge. Dabei steht jetzt schon fest, dass aufgrund des demografischen Wandels die staatliche Rente für die jungen Generationen künftig nicht mehr ausreichen wird.

Das ist den unter 30-Jährigen auch durchaus bewusst, gleichwohl nimmt ihre Sparneigung ab. Laut Vermögensbarometer 2014, einer Untersuchung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, bilden gut 50 Prozent der 24- bis 29-Jährigen keine Rücklagen für das Alter. Der Trend zur Vorsorge ist sogar rückläufig. Gleichzeitig steigt die Konsumlaune der Jugendlichen und jungen Erwachsenen: 15 Prozent der Befragten gaben an, mehr Geld ausgegeben zu haben als im Vorjahr; 18 Prozent wollten künftig sogar noch mehr ausgeben. Dass es auch anders geht, zeigt die andere Hälfte der unter 30-Jährigen: Immerhin jeder zweite (47 Prozent) sorgt aktiv für das Alter vor oder beschäftigt sich zumindest mit dem Thema. „Wenn es um die Altersvorsorge geht, dann gilt im wahrsten Sinne des Wortes: ‚Zeit ist Geld'“, sagt Monika Grave von der LBS. „Je früher junge Menschen mit der Vorsorge beginnen, desto leichter lässt sich schon mit kleinen Beiträgen über die Zeit ein solides finanzielles Fundament aufbauen.“

Angesichts der anhaltenden Niedrigzinsen lohnt es sich zum Beispiel, über Wohneigentum nachzudenken. Ein Tipp, der vielen entgegenkommen dürfte. Denn laut Trendindikator 2015, einer Untersuchung von TNS Infratest unter anderem im Auftrag der Landesbausparkassen, möchte jeder Dritte unter 30-Jährige in den nächsten zehn Jahren eine Immobilie kaufen oder bauen. 61 Prozent sehen Haus und Grundbesitz sogar als „beste Geldanlage“ an. Flora Rothe LBS Infodienst Bauen und Finanzieren

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