Hackerangriff – massenhaft persönliche Daten von Politikern geleakt

Böhmermann, Welke und Journalisten von ARD und ZDF zählen offensichtlich zu Hauptbetroffenen des Hackerangriffs

Hackerangriff – massenhaft persönliche Daten von Politikern geleakt

Bei dem breit angelegten Hackerangriff auf Politiker, Prominente und Journalisten zählen die Fernseh-Moderatoren Jan Böhmermann und Oliver Welke sowie Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks offensichtlich zu den Hauptbetroffenen. Nach den der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vorliegenden Daten kursieren im Internet nun private, persönliche und vertrauliche Informationen über sie wie Handy-Nummern, Adressen von Kindern und Ehepartnern. Ferner sind Impfpässe, Reisepässe und Führerscheine von ARD-Journalisten einzusehen. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sind die E-Mail-Adressen aus Kanzleramt und CDU sowie eine Fax-Nummer veröffentlicht.¹

Nach Informationen des rbb-Inforadios wurden von Hackern massenweise persönliche Daten und Dokumente von hunderten Politikern auf Bundes- und Landesebene im Internet veröffentlicht.

Die Leaks wurden gestern im Laufe des Abends bemerkt und beschäftigen seitdem die Partei- und Fraktionsführungen. Betroffen sind alle im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD. Veröffentlicht wurden vor allem Handynummern und Adressen, aber zum Teil sehr persönliche Daten wie Personalausweise, Chats, Briefe, Rechnungen oder Kreditkarteninformationen. In Einzelfällen wurden sogar private Chats im Familienkreis und Kreditkarteninformationen von Familienmitgliedern ins Internet gestellt.

Die Auswahl der geleakten Dokumente scheint willkürlich. Darunter befinden sich parteiinterne Briefe, Mitglieder- oder Adresslisten, die zum Teil mehrere Jahre alt sind. Verbreitet wurden die Leaks über ein Twitter Account. Kurioserweise wurden sie bereits vor Weihnachten auf einer Art Adventskalender verbreitet, bemerkt wurden sie jedoch erst gestern im Laufe des Abends.

Der Inhaber des Accounts beschreibt sich selbst mit Begriffen wie Security Researching, Künstler, Satire und Ironie. Nach eigenen Angaben befindet er sich in Hamburg. Der Account hat angeblich mehr als 16.000 Follower. Wer dafür verantwortlich ist und mit welcher Motivation die Daten abgesaugt und öffentlich gemacht wurden, ist noch unklar. Auch wo die Daten erbeutet wurden ist noch rätselhaft.²

Cyber Security Report von Deloitte und IfD Allensbach befragt Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft zum Thema Digitalisierung und Cyber-Risiken.

Die Dynamik der Digitalisierung zählt zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren für die Wirtschaft in Europa und insbesondere Deutschland. Vor allem Industrie 4.0, Big Data und Künstliche Intelligenz gehören zu den entscheidenden Wirtschaftsfaktoren der Zukunft. Allerdings sind diese bis dato sehr unterschiedlich in der Unternehmensrealität angekommen: Ein Viertel (25 %) der Befragten greift heute schon auf Big Data beziehungsweise die Analyse großer Datenmengen zu, weitere 13 Prozent arbeiten daran und 15 Prozent planen es für die Zukunft. Künstliche Intelligenz ist lediglich für neun Prozent ein Thema. Acht Prozent arbeiten daran und 21 Prozent planen den Einsatz für die Zukunft.

Für knapp zwei Drittel (62 %) ist KI hingegen weitgehend irrelevant. Gleichzeitig ist die Vernetzung von Produktionsanlagen bereits weit fortgeschritten. In insgesamt 45 Prozent der Unternehmen sind die Produktionsanlagen bereits untereinander oder mit Büroanwendungen vernetzt, weitere 8 Prozent arbeiten konkret an einer solchen Vernetzung und 9 Prozent planen das für die Zukunft. Das sind zentrale Ergebnisse des Cyber Security Report 2018 von Deloitte und dem Institut für Demoskopie Allensbach, das Entscheider aus Wirtschaft und Politik zur Digitalisierung und Cyber-Security befragt hat.

Gleichzeitig ist die breite Mehrheit der Befragten überzeugt, dass Industrie 4.0 entscheidend für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands ist. So sind von den Entscheidungsträgern in Unternehmen 61 Prozent davon überzeugt, dass Industrie 4.0 für den Wirtschaftsstandort Deutschland sehr wichtig ist, von den Abgeordneten sind es sogar 82 Prozent. Die Bedeutung von Industrie 4.0 für das eigene Unternehmen empfinden Wirtschaftslenker ebenfalls als hoch, allerdings nicht so hoch wie für den Wirtschaftsstandort insgesamt. Aktuell halten 56 Prozent Industrie 4.0 für die Zukunft des eigenen Unternehmens für wichtig beziehungsweise sehr wichtig. Mit dem Thema haben sich jedoch bisher nur 38 Prozent der Führungskräfte intensiv beschäftigt.

Mit der Nutzung von Industrie 4.0 steigt auch die Anfälligkeit gegenüber Cyber-Attacken für Unternehmen: Hierin sind sich Unternehmenslenker und Abgeordnete weitgehend einig. Von den Entscheidern aus der Wirtschaft gaben dies 83 Prozent an, von denjenigen aus der Politik sagten es 75 Prozent.

Gefahr von Cyber-Risiken steigt: Schadsoftware größte Bedrohung

Als größtes Risiko werden von den Top-Entscheidern aktuell Computerviren beziehungsweise Schadsoftware wahrgenommen. 77 Prozent gaben das an. Damit ist der Anteil der Führungskräfte, die darin eine große Gefahr sehen, seit 2013 von 57 Prozent um 20 Prozentpunkte gewachsen. Auch die Manipulation der öffentlichen Meinung durch Fake-News (75 %) und Datenbetrug im Internet (74 %) werden als weitere große Gefahren gesehen. Dabei ist auffällig, dass auch die Zahl derjenigen, die Fake-News als Bedrohung ansehen, stetig zunimmt. 2017 sahen noch 67 Prozent dies als Risiko an. In der Liste der Cyber-Risiken folgen die Lahmlegung wichtiger Infrastruktureinrichtungen durch Cyber-Angriffe (68 %) sowie der Missbrauch von persönlichen Daten durch andere Nutzer in sozialen Netzwerken (65 %).

Cyber-Attacken: Für nahezu alle Unternehmen mittlerweile „Tagesgeschäft“

Für die befragten Entscheider aus Unternehmen gehören Cyber-Angriffe inzwischen fast zum Alltag: Rund die Hälfte (46 %) gab an, täglich bis wöchentlich attackiert zu werden. Insgesamt 93 Prozent der mittleren und großen Unternehmen waren bereits IT-Angriffen ausgesetzt. Bisher verantwortet die Wirtschaft die aktive Eindämmung der Angriffe selbst, wobei 56 Prozent der Wirtschaftslenker der Meinung sind, dass der Staat grundsätzlich Unternehmen bei Cyber-Angriffen wirkungsvoll unterstützen könnte. „Unternehmen erwarten von staatlichen Einrichtungen eine aktive Unterstützung, sowohl bei der Cybersicherheit als auch bei der Digitalisierung. Hier besteht konkreter Handlungsbedarf, um die Weichen für eine Digitalisierung der Wirtschaft erfolgreich zu stellen“, erklärt Katrin Rohmann, Leiterin Government & Public Services bei Deloitte.

Insgesamt sieht die Mehrheit der Abgeordneten und Wirtschaftslenker jedoch die Ausstattung staatlicher Stellen hinsichtlich der für die Aufgaben erforderlichen Fachkompetenz kritisch, so zum Beispiel, wenn es um die Schaffung gesetzlicher Rahmenbedingungen bei der IT-Sicherheit geht. Gut zwei Drittel der politischen Entscheider (68 %) und 79 Prozent der Entscheider aus Unternehmen haben daran ausdrücklich Zweifel. Doch gibt es überhaupt wirksamen Schutz gegen Hackerangriffe? Bei dieser Frage sind Abgeordnete und Führungskräfte unterschiedlicher Meinung. 60 Prozent der Abgeordneten denken, dass Computernetzwerke sich wirksam gegen Hackerangriffe schützen lassen, von den Führungskräften aus Unternehmen sind es nur 32 Prozent.

„Die Führungskräfte zeigen sich in mancherlei Hinsicht erstaunlich ahnungslos, dabei besteht in vielen Feldern dringender, konzertierter Handlungsbedarf. Dazu gehört eine permanente Evaluierung der Digitalisierungspolitik ebenso wie ein intensiver Dialog zwischen Wirtschaft und Staat, eine strategische und systematische Vorbereitung auf Cyber-Angriffe, die Zentralisierung von Informationen sowie nicht zuletzt auch eine Debatte über eine mögliche Vorwärtsverteidigung“, resümiert Peter Wirnsperger, Leiter Cyber Risk bei Deloitte.³

¹Rheinische Post ²Rundfunk Berlin-Brandenburg ³Deloitte Touche Tohmatsu Limited

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