ifo: Schwarmfinanzierungen nehmen stark zu

ifo: Schwarmfinanzierungen nehmen stark zu

Die Schwarmfinanzierung in Deutschland verzeichnet auch nach Einführung des Kleinanleger-Schutzgesetzes ein hohes Wachstum. In den 30 Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes 2015 konnten die Schwarmfinanzierer 279 Millionen Euro vermitteln. In den 30 Monaten davor waren es lediglich 70 Millionen. Das geht aus einer Studie des ifo Instituts und der Universität Bremen für das Bundesfinanzministerium hervor.

Insgesamt wurden zwischen 2011 und April 2018 Finanzierungen in Höhe von 364 Millionen Euro vermittelt. Die Wachstumsrate betrug satte 197 Prozent pro Jahr. „Die Befürchtung, das Gesetz werde diese Finanzierungsart bremsen, hat sich nicht bewahrheitet“, sagt Christa Hainz, stellvertretende Leiterin des ifo Zentrums für Internationalen Institutionenvergleich und Migrationsforschung. Lars Hornuf, Professor für Finanzdienstleistungen und Finanztechnologie in Bremen, ergänzt, dass er „gleichzeitig noch viel Verbesserungspotenzial“ sieht. „Zum Beispiel könnten die Anlagen an einem Sekundärmarkt handelbar gemacht werden.“

Unter Schwarmfinanzierung (englisch Crowdfunding) versteht man eine Form der Finanzierung über eine Gruppe von Internetnutzern.

Das Wachstum in den letzten Jahren wurde vor allem von den Immobilienfinanzierungen getrieben, auf die mittlerweile 220 Millionen Euro entfallen.

Im Beobachtungszeitraum kam es bei 73 der insgesamt 743 erfolgreichen Finanzierungsrunden zu Insolvenzen, die meisten jedoch vor Inkrafttreten des Gesetzes.

Auch die im Gesetz erlaubten Ausnahmen und Befreiungen zeigen ihre Wirkung. Mittlerweile werden überwiegend Darlehen mit Erfolgsbeteiligung und vor allem Nachrangdarlehen als Vermögensanlagen verwendet. Außerdem kommen mehr Emittentinnen in die Nähe des Grenzwertes von 2,5 Millionen Euro. Auch werden häufiger Anlagebeträge von exakt 1000 Euro investiert, bis zu denen keine Selbstauskunft über die Einkommens- und Vermögensverhältnisse nötig ist.

Bei sozialen und gemeinnützigen Projekten werden die Ausnahmeregelungen kaum angewendet, da andere Befreiungsvorschriften eine einfachere Entbindung von der Prospektpflicht ermöglichen.¹

„Verbesserungen für Crowdfunding-Plattformen werden zum Wachstum der Branche beitragen – Chance verpasst bei Eigenkapitalfinanzierungen von jungen Unternehmen“

Der Bundesverband Crowdfunding e. V. begrüßt die vom Deutschen Bundestag beschlossenen Änderungen an den rechtlichen Rahmenbedingungen für Schwarmfinanzierungen von Vermögensanlagen und Wertpapieren.

Die Crowdfunding-Branche kann sich jetzt darauf konzentrieren, am Standort Deutschland weiterhin stark zu wachsen und den Anlegern attraktive Investitionsmöglichkeiten zu bieten. Der Bundestag hat dafür die richtigen Weichen gestellt.“, so Jamal El Mallouki, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Crowdfunding e. V.

Die Branche begrüßt die folgenden Änderungen:

  • Die Ausweitung der Schwarmfinanzierungsausnahme auf Genussrechte sorgt für mehr Gestaltungsmöglichkeiten bei den Schwarmfinanzierungen.
  • Die Erhöhung der Prospektpflichtgrenze auf 6 Millionen Euro entspricht den Forderungen des Verbandes im Rahmen der Evaluierung und wird für größere Finanzierungsrunden sorgen.
  • Ebenso wird begrüßt, dass die Schwelle der Prospektpflicht sich in Zukunft auf einen Zeitraum von 12 Monaten bezieht.
  • Die Erhöhung der Einzelanlagenschwelle von 10.000 Euro pro Investor auf 25.000 Euro ermöglicht es, dass Investoren auch größere Einzelinvestments vornehmen.
  • Die Klarstellung, dass nicht emittierte oder bereits zurückgezahlte Vermögensanlagen nicht auf die Berechnung der Schwelle angerechnet werden, wird ebenfalls begrüßt, denn hier muss die BaFin Ihre Verwaltungspraxis der Intention des Gesetzgebers anpassen.
  • Die Möglichkeit von Investoren, über eine GmbH & Co KG über die Einzelanlagenschwelle hinaus zu investieren, ist ebenfalls im Interesse der Anleger.

Zugleich aber sieht sich die Branche enttäuscht, in der Schwarmfinanzierungsausnahme weiterhin keine angemessene Beteiligungsform für GmbH-Beteiligungen berücksichtigt wurde. Diese sind weiterhin prospektpflichtig, womit Startups und Wachstumsunternehmen nicht von den beschlossenen Änderungen profitieren werden.

Einerseits wird in der Politik von vielen Seiten mehr privates Engagement bei der Förderung von Innovationen gefordert. Auf der anderen Seite wird genau das ohne eine nachvollziehbare Begründung und ausgerechnet bei der Rechtsform der GmbH unterbunden. Das ist ein Nachteil für die Unternehmensfinanzierung in Deutschland.“, so Tamo Zwinge, Vorstandsmitglied zuständig für Regulierung.

Der Verband befürchtet, dass Deutschland im Vergleich mit internationalen Entwicklungen in Marktsegment der Unternehmensfinanzierung nicht aufschließen kann an die Nachbarländer, in denen Eigenkapitalfinanzierungen mittels Crowdfunding möglich ist.²

¹ifo Institut für Wirtschaftsforschung e.V. ²Bundesverband Crowdfunding

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