Jobsuche im Januar: München und Düsseldorf punkten, während die Hauptstadt schwächelt

Boomender Arbeitsmarkt

Jobsuche im Januar: München und Düsseldorf punkten, während die Hauptstadt schwächelt

Das ist zuerst ein Anlass für Freude und Zuversicht, weil die Konjunktur in Deutschland seit der dramatischen Finanzkrise vor knapp zehn Jahren bereits zum neunten Mal in Folge zulegt. Eine solch lange Wachstumsphase erinnert an die Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders in den Wiederaufbau-Jahren. Allerdings können die guten Arbeitsmarktzahlen aus Nürnberg auch sorglos machen, die trügerische Hoffnung nähren, es ginge nun einfach immer so weiter. Doch dem ist nicht so. Der Rückenwind der guten Beschäftigungslage sollte deshalb Ansporn und Herausforderung für Union und SPD sein, endlich eine vernünftige, beschäftigungsorientierte Bundesregierung hinzubekommen. Doch derzeit scheint es, als spielten zentrale Themen, wie Wachstum und Beschäftigung, Globalisierung und Digitalisierung, Bildung und Innovation bei den Treffen der möglichen Regierungspartner nur eine untergeordnete Rolle. Welch ein Trugschluss!

Dass der Jobmotor derzeit so relativ gut läuft, hat zudem weniger mit der Politik der jetzigen geschäftsführenden Groko zu tun, die Wachstum zumindest nicht all zu sehr verhindert hat, sondern mehr mit dem günstigen internationalen Umfeld. Mit der nach wie vor vorhandenen Export- und Wettbewerbsstärke vieler deutscher Unternehmen, mit dem anziehenden Binnenkonsum in Deutschland, ja sogar etwas mit der überaus lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, mit der Investitionen erleichtert werden, weil das Geld immer noch extrem billig ist. Freilich wird EZB-Chef Mario Draghi nicht noch weitere Jahre lang Milliarden Euro in den Markt pumpen können. In den USA tritt man bereits vorsichtig auf die Geldbremse. Über kurz oder lang wird das auch die Euro-Bank in Frankfurt tun müssen. Hinter den guten Zahlen aus Nürnberg verbergen sich zudem noch einige andere teilweise besorgniserregende Entwicklungen, die sich eine künftige Regierung vornehmen sollte. So ist und bleibt es im Boomland Deutschland immer noch ein Skandal, dass Millionen Beschäftigte lediglich Niedriglöhne beziehen, die sie mit Hartz IV aufstocken, unfreiwillig in Teilzeit oder auf befristeten Stellen arbeiten oder mehrere Jobs annehmen müssen, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Von der guten wirtschaftlichen Entwicklung profitieren nicht alle Beschäftigten, manche gar nicht. Bei den anstehenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst oder in der Metall- und Elektroindustrie dürfte es deshalb hart zur Sache gehen. Nicht vergessen werden dürfen dabei ebenfalls nicht die immer noch knapp eine Million Langzeitarbeitslosen, für die es Brücken in den Arbeitsmarkt zu bauen gilt. Fördern und fordern. Dass Nürnberg gleichzeitig nur rund eine Dreiviertelmillion offene Stellen verzeichnet, gibt das grassierende Problem des Fachkräftemangels indes in seiner ganzen Dimension nur bedingt wider. Das Fehlen gut ausgebildeter Mitarbeiter ist bereits zu einer Wachstumsbremse geworden.

Unternehmen können zum Teil lukrative Aufträge nicht annehmen, weil das Personal fehlt. Deutschland muss viel verantwortungsvoller mit seinen jungen Leuten umgehen. Wenn fast zehn Prozent die Schule ohne Abschluss verlassen und dann auch kaum eine gute Ausbildung machen sowie einen guten Job finden, ist und bleibt das ein riesiges gesellschaftliches Problem. Trotz der guten Zahlen aus Nürnberg. Reinhard Zweigler – Mittelbayerische Zeitung

Bayern bietet den derzeit attraktivsten Arbeitsmarkt auf Länder- und Städte-Ebene – Dies geht aus einer neuen Arbeitsmarktstudie der Job-Suchmaschine www.adzuna.de hervor. Bewerber sollten sich demnach auf die Landeshauptstadt München konzentrieren, wo die Konkurrenz um offene Stellen bundesweit am niedrigsten ist. In Berlin kommen hingegen fünfmal so viele Bewerber wie in München auf eine Stelle. Düsseldorf schafft es als beste Stadt im Ruhrgebiet auf Platz 4 im Ranking.

Für die Studie, die regelmäßig zu Jahresbeginn von Adzuna durchgeführt wird, wurden die 20 bevölkerungsstärksten Städte Deutschlands anhand deren Wettbewerbsintensität analysiert. Dabei wurde Adzunas Index von über 650.000 aktuellen Stellenanzeigen mit den Dezember-Arbeitslosenzahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) verglichen, um die Wettbewerbssituation in jedem lokalen Arbeitsmarkt zu bestimmen.

Top 10 Städte

Laut Adzuna-Studie ist Bayern das Bundesland mit den besten Jobchancen. Mit nur 1,72 Arbeitslosen pro offener Stelle besteht weniger Konkurrenz um einen Arbeitsplatz verglichen mit jedem anderen Bundesland. Damit hängt Bayern den Vorjahressieger Baden-Württemberg ab, hier kommen aktuell zwei Arbeitslose auf eine offene Stelle.

Die Landeshauptstadt München ist mit nur 0,87 Arbeitslosen pro Stelle der Spitzenreiter im bundesweiten Städte Ranking. Aktuell finden sich knapp 5.000 mehr offene Stellen als Arbeitslose in der bayerischen Landeshauptstadt, was in München ausgezeichnete Jobchancen verspricht. Mit 37.595 offenen Stellen ist München zudem die Stadt mit dem größten Jobangebot in ganz Deutschland.

Einen ebenso attraktiven Arbeitsmarkt bietet Stuttgart (0,90). Frankfurt folgt mit etwas Abstand und 1,10 Arbeitslosen pro offener Stelle. Daneben schafft es Düsseldorf (1,62) in die Top 5 und ist somit die Stadt mit den besten Jobchancen in Nordrhein-Westfalen.

Hamburg folgt hingegen erst auf Platz 6 (2,28). Im Vergleich zum Spitzenreiter München waren hier im Dezember doppelt so viele Arbeitslose gemeldet, was sich auf dessen Position im Ranking auswirkt.

Flop 10 Städte

Duisburg ist laut Adzuna Ranking die Großstadt mit dem schwierigsten Arbeitsmarkt im Januar. Hier kämpfen im Schnitt 12,25 Arbeitslose um eine Stelle – 14 mal so viel Konkurrenz verglichen mit dem Spitzenreiter München.

Die Situation auf den benachbarten Arbeitsmärkten in Nordrhein-Westfalen zeichnet ein ebenso schwieriges Bild für die Jobsuche. Dabei bilden Bochum (8,69), Dortmund (7,27), Wuppertal (7,07) und Essen (6,64) die Top 5 der Flop Städte mit den konkurrenzstärksten Arbeitsmärkten im Januar.

Berlin taucht ebenso nur in den Flop 10 auf. Mit 4,51 Bewerbern pro offener Stelle ist der Wettbewerb hier um ein Vielfaches höher im Vergleich zu anderen deutschen Metropolen. Auffällig ist, dass in Berlin fünfmal so viele Arbeitslose wie in München gemeldet sind, jedoch in Relation zur Bevölkerung sowie Stadtgröße weit weniger Stellen ausgeschrieben werden.

Inja Schneider, Country Manager Deutschland bei Adzuna kommentiert: „Januar gilt als Hauptsaison für die Personalsuche, indem wir stets einen Anstieg von offenen Stellen verzeichnen. So konnten wir in den vergangenen Jahren bis zu 100.000 zusätzliche Stellenausschreibungen beobachten, was für Bewerber sehr vielversprechend sein kann.“

Sie fügt hinzu: „Der Wettbewerb der einzelnen Arbeitsmärkte variiert unterdessen jedoch enorm. Hier soll unsere Studie Orientierung geben und kann insbesondere für Bewerber, die einen Städtewechsel in Erwägung ziehen, alternative Arbeitsorte aufzeigen bzw. als Inspiration dienen.“ Adhunter Ltd

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