Linke beklagen „obszöne Geldparty“ der Milliardäre

Bartsch fordert Vermögensabgabe für Superreiche und mehr Steuern auf "hohe Einkommen", sich selbst schließt er dabei ein

Linke beklagen „obszöne Geldparty“ der Milliardäre

Angesichts des wachsenden Reichtums der Superreichen drängt die Linksfraktion im Bundestag auf Konsequenzen. „Wir brauchen eine einmalige Vermögensabgabe und eine große Steuerreform“, so Fraktionschef Dietmar Bartsch gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Bartsch beklagte, Millionen von Bürgern müssten in der Corona-Krise teils heftige Einschnitte hinnehmen. „Die Superreichen feiern dagegen eine Geldparty. Fast 100 Milliarden mehr für Milliardäre in Deutschland seit 2019. Das ist obszön, die Politik muss handeln.“

Hintergrund: Das Gesamtvermögen der mehr als 2000 Dollar-Milliardäre weltweit ist bis Ende Juli auch dank der Erholung an den Aktienmärkten auf den Rekordwert von rund 10,2 Billionen Dollar (8,7 Billionen Euro) gestiegen. Das geht aus Berechnungen der Beratungsgesellschaft PwC und der Schweizer Großbank UBS hervor. In Deutschland stieg das Nettovermögen der Ultrareichen nach einem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie bis Ende Juli auf 594,9 Milliarden Dollar. Bei der letzten Untersuchung (Stichtag März 2019) waren es 500,9 Milliarden Dollar. Der Club der Superreichen wuchs seitdem von 114 auf 119 Mitglieder.

Bartsch forderte zudem „angemessene Steuern auf hohe Einkommen“ – und schloss sich selbst dabei ein. Mit Blick auf Finanzminister Olaf Scholz, der eine Debatte um sein Einkommen ausgelöst hatte, sagte der Linken-Politiker der NOZ: „Olaf Scholz verdient zweifellos sehr gut, aber entscheidend ist, er zahlt zu wenig Steuern. Wie Frau Merkel oder ich und alle Besserverdienenden in diesem Land. Wir brauchen angemessene Steuern auf hohe Einkommen.“ Bartsch sprach sich zudem dafür aus, dass Politiker in die gesetzliche Renten- und Pflegekasse einzahlen.

Scholz hatte am Sonntagabend in einem Interview gesagt: „Ich verdiene ganz gut, als reich würde ich mich nicht empfinden.“ Zahlreiche Internet-Nutzer sahen dies anders. Scholz, der – ohne Zuschläge – mehr als 15.000 Euro im Monat verdient, sei durchaus als reich zu bezeichnen, hieß es in Kommentaren. Der SPD-Politiker twitterte daraufhin: „Als Vizekanzler gehöre ich zu den Sehr-gut-Verdienern in unserem Land – jede/r kann nachlesen, wie gut.“ Zudem schrieb er, „dass wir höhere Sätze für Sehr-gut-Verdiener wollen. Also auch für mich. Weil es gerecht ist. Dafür stehe ich als Kanzlerkandidat“.¹

Russlands Milliardäre investieren in Bildung

Der Sozialkapitalismus ist auf dem Höhepunkt des Trends: In einer Zeit des sozialen Umbruchs starten Igor Rybakov und andere Milliardäre ein soziales Vorschulprogramm

2020 schien grausam für die Weltbevölkerung – sie ist verarmt, die zweite Welle von COVID-19 steht bevor. Unter diesen Bedingungen beschließen Milliardäre, die Kontrolle über die Situation zu übernehmen und Sozialprogramme zu starten

Der russische Milliardär Igor Rybakov hat ein Netzwerk von Schulen und Kindergärten ins Leben gerufen – die Rybakov PlaySchool. Igor Rybakov und seine Frau Ekaterina (Silver Stevie Award Winner in der Nominierung Female Executive of the Year) sind die Gründer der Rybakov Foundation, die sich zum Ziel gesetzt hat, allen Menschen eine qualitativ hochwertige Bildung im Einklang mit dem von den Vereinten Nationen festgelegten Ziel der nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development Goal 4) zu bieten. Aus diesem Grund wird die Rybakov Foundation und ihr Programm, die Rybakov Academy, die Ausbildung an der Rybakov PlaySchool für Kinder aus einkommensschwachen Familien unterstützen.

Internationales Netzwerk von Kindergärten und Grundschulen – die Rybakov PlaySchool wird auch ein Franchise verkaufen. Igor Rybakov hat 3.800.000 Dollar in das Projekt investiert und will es mit 1.000 PlaySchools bis 2025 und 10.000 bis 2035 zum am weitesten verbreiteten Bildungsprojekt machen. Im Jahr 2022 will Igor Rybakov weitere 10 Millionen Dollar investieren, um das Netzwerk global zu machen. Er lädt Unternehmer ein, bis zu 10 Millionen Dollar mit zu investieren.

Die Rybakov-Stiftung beschleunigt die Bildung seit 5 Jahren. 2016 entwickelte die Stiftung ein Vorschulprogramm – „PRO Kids“, das auf dem kulturhistorischen Bildungsansatz des berühmten sowjetischen Psychologen und Pädagogen Lew Wygotski basiert. Auch dieses Programm wurde von „Tools of the mind“ inspiriert. Die Technologien dieses Programms werden von 1200 Pädagogen in 36 Regionen Russlands eingesetzt. Darüber hinaus hat die Stiftung das Konzept „Schule ist der Mittelpunkt der Gesellschaf“ entwickelt und bereits mehr als 3.500 Schulen unterstützt.

Igor Rybakov – Unternehmer, Mitbegründer der Rybakov-Stiftung: „Die Persönlichkeit des Menschen bildet sich in den ersten 10 Lebensjahren. Es ist wichtig, diese Zeit nicht zu verpassen. Deshalb gewähren wir Kindern aus einkommensschwachen Familien Bildungszuschüsse, um ihnen eine unabhängige Zukunft zu ermöglichen.“

Dies ist sicherlich der Ansatz vieler Milliardäre, darunter auch Jeff Bezos, der ankündigte, dass im Oktober eine kostenlose Vorschule für Kinder aus einkommensschwachen Familien eingeführt werden soll.²

¹Neue Osnabrücker Zeitung ²Rybakov Family Foundation

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